Mit einem Piks Richtung Normalität

Bewohner und Pflegepersonal des Wohn-Pflegeheims Egelsee in Bergdietikon wurden gegen das Coronavirus geimpft.

Sibylle Egloff
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Bewohner Roland Ammann ist der erste, der eine Corona-Impfung von Pflegefachfrau Elena Müller verabreicht bekommt. Unterstützt wird sie von Gudrun Hochberger vom mobilen Impfteam.

Bewohner Roland Ammann ist der erste, der eine Corona-Impfung von Pflegefachfrau Elena Müller verabreicht bekommt. Unterstützt wird sie von Gudrun Hochberger vom mobilen Impfteam.

Bild: Severin Bigler

Die Nadel der Spritze bohrt sich durch den Oberarm von Roland Ammann. Nach zwei Sekunden ist es vorbei – der Senior hat die Impfung hinter sich gebracht, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Was bleibt, ist ein Pflaster und die Hoffnung, dass man bald wieder das gewohnte Leben geniessen kann.

«Das war keine Sache und nicht schlimmer als eine nor­male Grippeimpfung», sagt Ammann. Der 86-Jährige ist der erste von insgesamt 14 Bewoh- nerinnen und Bewohnern des Wohn-Pflegeheims Egelsee in Bergdietikon, die am Freitag gegen Covid-19 geimpft wurden. Verabreicht wurden den Senioren und dem Pflegepersonal die Spritzen vom mobilen Impfteam des Impfzentrums Aarau. Gudrun Hochberger und Charlotte Siegenthaler sind seit Dienstag in den Aargauer Pflegeheimen unterwegs.

Wegen Covid-19 den Ruhestand beendet

«Es ist spannend, die Pflegehäuser im ganzen Kanton zu besuchen. Wir lernen so viele verschiedene Leute kennen», sagt Gudrun Hochberger. Eigentlich ist die Pflegefachfrau aus Safenwil seit sieben Monaten pen­sioniert. Doch die Pandemie bewog sie dazu, zurückzukehren. «Das tue ich gerne. Es ist mir wichtig, in dieser schwierigen Zeit, etwas Gutes zu tun.» Hochberger und ihre Kollegin verabreichen nicht nur die Impfdosen, sondern schulen auch das Pflegepersonal vor Ort, damit sie lernen, die Impfung selbst durchzuführen. «Impfen ist nicht schwierig. Heikel ist es, den Impfstoff mit der Spritze aufzuziehen. Das übernehmen wir», erzählt Hochberger. Un- terstützt hat sie zum Beispiel Pflegefachfrau Elena Müller. «Ich war nervöser als unsere Bewohner», sagt die Rudolfstetterin. Es sei das erste Mal gewesen, dass sie Impfungen in der Praxis verabreicht habe. «Ich wollte den Bewohnern nicht wehtun, deshalb war ich so aufgeregt.» Einige zucken beim Piks leicht zusammen, eine Bewohnerin ruft laut «Aua», doch im Allgemeinen geht der Impftermin ruhig vonstatten. «Ich bin froh, dass die Bewohner und wir geimpft werden konnten und alles so reibungslos geklappt hat», sagt Barbara Bilger von der Pflegeleitung. Die Impfung an sich sei schnell über die Bühne gegangen, doch der Aktion seien einige administrative Schritte vorausgegangen.

Das Pflegeheim blieb vom Coronavirus verschont

Erfreut zeigt sich Heimleiter Martin Schmidt: «Die Impfung ist ein Befreiungsschlag und markiert den Start zurück in die Normalität.» Dank des vorbildlichen Verhaltens des Pflegepersonals bei der Arbeit und im Privaten, aber auch dank viel Glück sei das Wohn-Pflegeheim Egelsee vom Coronavirus verschont geblieben. «Wir hoffen, dass das so bleibt, und denken, dass die Chancen nach der Impfung sehr gut stehen», so Schmidt. Die Massnahmen und das Besuchsverbot im Haus dürfen aber noch nicht gelockert werden. «Die zweite Impfung steht in drei Wochen an. Erst dann haben wir einen 95-prozentigen Schutz.» Danach solle es für Angehörige Schritt für Schritt wieder möglich sein, die Bewohner im Haus und im Zimmer zu besuchen. Auch Roland Ammann wünscht sich, dass die Pandemie bald ein Ende nimmt. «Ich freue mich schon, wenn ich wieder mit dem Zug durch die Schweiz fahren kann.»

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