Baden
Mit jeder Note wird in dieser Oper vermittelt: Niemals Krieg

Ein Höhepunkt: Das Theater Biel Solothurn spielt im Kurtheater Benjamin Brittens Oper «Owen Wingrave».

Elisabeth Feller
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Benjamin Brittens Oper „Owen Wingrave“ ist ein einziges Plädoyer gegen den Krieg: Eindrücklich umgesetzt in der Inszenierung des Theaters Biel Solothurn.
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Benjamin Brittens Oper „Owen Wingrave“ ist ein einziges Plädoyer gegen den Krieg: Eindrücklich umgesetzt in der Inszenierung des Theaters Biel Solothurn.
Ein Höhepunkt: Das Theater Biel Solothurn spielt im Kurtheater Benjamin Brittens Oper «Owen Wingrave»

Benjamin Brittens Oper „Owen Wingrave“ ist ein einziges Plädoyer gegen den Krieg: Eindrücklich umgesetzt in der Inszenierung des Theaters Biel Solothurn.

Ben Zurbriggen

Owen Wingrave entstammt einer Soldatenfamilie. Als letzter seiner Ahnenreihe ist er deswegen verpflichtet, die Tradition fortzuführen und das heisst: die Militärakademie besuchen, in den Krieg ziehen und dort den Heldentod sterben. Wingrave ist ein junger, charakterstarker, sensibler Mann.

Er hat nur einen «Fehler». Er ist Pazifist. Damit ist er für seine Familie und seine Gefährtin Kate erledigt. Owen wird von seinem Grossvater, General Sir Philip Wingrave, enterbt und von Kate als Feigling beschimpft. Das lässt er nicht auf sich sitzen, weshalb er sich über Nacht im berüchtigten Spukzimmer des Schlosses einschliessen lässt.

Dort wird er am nächsten Morgen tot aufgefunden. Hat ihn jemand umgebracht? Oder ist er etwa deshalb gestorben, weil ihn die vergangenen sowie die vorausgeahnten Kriege kaputt gemacht haben?

Krieg spukt in den Köpfen

Eine Antwort darauf gibt Benjamin Brittens Oper «Owen Wingrave» nicht. Muss sie auch nicht, weil von Beginn an klar ist, was der Pazifist Britten mit jeder Note vermittelt: Niemals Krieg. Der ungeheuerliche Traditionsbruch, den Wingrave begeht, findet seinen Niederschlag in einer rhythmisch wie klanglichen Feinzeichnung, in die als Kontrast immer wieder Bläser und Schlagwerk platzen. Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn unter Harald Siegel akzentuiert und schärft Brittens Komposition eindringlich – ein Erlebnis.

Auf der Bühne entwickeln Reto Nickler (Regie) und Christoph Rasche (Raum) eine schlüssige Szenografie: ein zeitlich nicht einzuordnender Raum mit verfremdeten Ahnenporträts; ein mit Schiesspatronen gefüllter Glaskasten, der später zum Spukzimmer wird sowie Stühle, auf deren Lehnen ebenfalls Patronen platziert sind.

An den Wänden hängen Uniformen, wie sie Napoleon oder Wellington getragen haben. Jeder und jede ergreift sie im Stückverlauf – ein Zeichen dafür, wie sehr der (glorifizierte) Krieg in den Köpfen der Owens spukt.

Das handwerklich so Durchdachte von Nicklers Inszenierung wird unterstrichen durch eine vortreffliche Ensembleleistung, für die stellvertretend Geani Brad steht. Er ist für die Britten-Oper ein idealer Owen, der den Titelhelden darstellerisch ebenso konsequent wie verunsichert zeichnet.

Mit seinem sonoren, flexiblen Bariton lotet dieser Sänger die psychischen Befindlichkeiten des jungen Mannes auf der Suche nach sich selbst und im Kampf gegen den Rest der Welt auf bewegend-kongeniale Weise aus. Brads Rollenporträt unterstreicht den Eindruck einer Inszenierung des Theaters Biel Solothurn, die zu den Höhepunkten der laufenden Kurtheater-Saison zählen dürfte.

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