Baden
Mit Krücken, in Rollstühlen oder im mobilen Krankenbett – Weihnachtsfeier im Spital

Im Kantonsspital Baden gibt es eine Feier für alle Bewohnerinnen und Bewohner, die über die Festtage nicht nach Hause können.

Barbara Scherer
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Mit Liedern wie «Amazing Grace» stimmte das Musikertrio die Patienten auf Weihnachten ein.

Mit Liedern wie «Amazing Grace» stimmte das Musikertrio die Patienten auf Weihnachten ein.

Alex Spichale

Wo vor zwei Stunden noch an Tischen zu Mittag gegessen wurde, erklangen am Freitagnachmittag Panflöte und Gitarre: An der Patientenweihnacht im Kantonsspital Baden (KSB) durften alle Patienten, die über die Feiertage im Spital bleiben mussten, Weihnachten feiern. Dafür wurde das Personalrestaurant für rund eine Stunde zur festlichen Bühne. Die drei Musiker Jörg Frei, Katja Peter und Gianpiero Colombo haben sich extra für den Anlass zum «KSB Weihnachtstrio» zusammengeschlossen. Organisiert wurde der Anlass von der Spital-Seelsorge.

«Es ist schwierig, weihnachtliche Stimmung in einem Krankenzimmer zu erleben, deshalb veranstalten wir die Patientenweihnacht», sagt die Verantwortliche Karin Klemm. Zusammen mit ihren Angehörigen durften die Anwesenden Liedern wie «Oh happy day» oder «Amazing Grace» lauschen. Zwischendurch gab es ein Gedicht und einige Kurzgeschichten zu hören. «Es soll kein Gottesdienst sein, im Zentrum des Anlasses stehen Wort und Musik», erklärt Klemm. Auch Guetzli und Punsch gab es nicht. Fair wäre das auch nicht, können oder dürfen doch viele Anwesende noch nicht essen.

«Der Anlass ist wunderschön»

Mit Krücken, in Rollstühlen oder sogar im mobilen Krankenbett wurden die Patienten in das Personalrestaurant gebracht. So auch Brunhilde Koye aus Zürich. Nach einem schweren Sturz hat sich die Rentnerin den Arm, mehrere Rippen und das Oberschenkelgelenk gebrochen. Wann sie nach Hause darf, sei noch unklar. Über die Patientenweihnacht freut sich Koye jedoch sehr: «Ich bin überrascht, dass es so einen Anlass überhaupt gibt, es ist wunderschön.» Auch Renata Juliano aus Windisch muss über Weihnachten im Spital bleiben. «Dank dem Anlass konnte ich trotzdem etwas Weihnachten feiern.» Zweimal feiern darf Oscar Müller aus Lengnau. Nach einer Leistenbruch-Operation durfte der Rentner am 24. nach Hause. «Dass man im Spital Weihnachten feiern kann, das ist aber schon schön», sagt Müller mit einem Lächeln.

Der Anlass rührte sichtlich – da und dort wischte sich ein Zuhörer über die feuchten Augen. «Für alle Patienten, die nicht kommen können, übertragen wir das Ganze per Radio», sagt Klemm. Dabei steckt viel Vorbereitung in dem Anlass: Nicht nur muss das Restaurant umgestellt, sondern auch alle Patienten ins Untergeschoss gebracht werden. «Es ist jedes Jahr ein riesiger Aufwand, aber es lohnt sich immer», sagt Klemm. Dabei halfen rund 20 freiwillige externe Helferinnen und Helfer mit. Mit «Stille Nacht, Heilige Nacht» endete der Anlass, und Weihnachten ist auch im KSB angekommen.