Wettingen
Mit Lüge, Lust und Laster glänzend unterhalten

Die Operette des Orpheus verführt auch das Publikum in die Unterwelt. Mit einfachen Mitteln hat Thomas Dietrich (Regie) mit dem Opera Brevis Chor ein sympathische und gelungene Aufführung der bekannten Operette von Jacques Offenbach gestaltet.

Barbara Scherer
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Zu Misgunst von Jupiters Gattin geht auch der Göttervater ab und an mal fremd
12 Bilder
Streit und Unruhe gehört in den Alltag der Götter
Sich gegenseitig zu quälen gehört in Orpheus Ehealltag
Pluto entführt Eurydike in die Unterwelt
Operette des Orpheus in Wettingen
Lust, Laster und Lügen sind bekannt in der griechischen Mythologie
Höllenqualen darf Eurydike durchleben mit dem nervenzereibenden DIener der Unterwelt
Etwas Moderne in der Antike macht die Operette akutell
Im Götterhimmel geht es gemütlich zu un her
Der ganz normale Ehewahnsinn von Orpheus und Eurydike
Auch der Götterhimmel kennt Lust und Laster
Die öffentliche Meinung fordert Orpheus auf seine Frau zurück zu gewinnen

Zu Misgunst von Jupiters Gattin geht auch der Göttervater ab und an mal fremd

bs

Ach welch Laster kann das langjährige Eheleben sein. Seit Jahren unglücklich verheiratet und noch immer zusammen – so geht es Orpheus und Eurydike. In einer musikalischen Form erzählt Jacques Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt» das Leid der Eheleute. Die satirische Operette wird unter der Regie von Thomas Dietrich zusammen mit Laienschauspieler und dem Opera Brevis Chor aufgeführt.

Die Bühne wird zum Schauplatz von Ehebruch und lasterhaftem Leben. Mit kraftvollem Gesang entführt das Stück seine Zuschauer in die Welt der griechischen Götterwelt. Gleichzeitig ist es eine Parodie auf die Doppelmoral des französischen Kaiserreichs zu Offenbachs Zeit. Gekonnt passt der Regisseur einzelne Aspekte auf die heutige Zeit an. So betritt der Götterbote mit dem Kickboard die Bühne und als höchstes Ziel nach dem Tod gilt ein Wikipedia-Eintrag. «Eine Operette lebt auch immer in der aktuellen Zeit», sagt Dietrich über die Modernisierung des Stücks. In dieser Weise stolzieren einige Schauspieler in einer griechischen Toga umher, während andere einen Anzug und Krawatte tragen. Auf die Beine gestellt wurde die Operette mit einfachsten Mitteln, etwa muss der Regisseur selbst ab und an den Vorhang ziehen. «Man hilft einander, wir funktionieren wie eine grosse Familie, wo sich alle einsetzen», sagt Erwin Heusser, der musikalische Leiter und Göttervater Jupiter. Nur mit einem Orchester aus vier Personen wirkt das Ganze auch auf den Zuschauer familiär. In diesem Sinne scheuen die Schauspieler die Nähe vor dem Publikum nicht und verlassen die Bühne auch Mal durch die Zuschauerreihen.

Neben viel Gesang wirkt wiederholt die Dialogform auf der Bühne. Dabei kommt es auch einmal zu einem Versprecher, was nicht verwunderlich ist bei den vielen Zungenbrechern. Während das Bühnenbild und die Mittel sich in Schlichtheit üben, ist die musikalische Umsetzung eine Herausforderung. «Wir haben keinen Dirigenten, das ist ungewohnt», sagt Peter Schaffner, Chorist. «Für ein gutes Zusammenspiel müssen alle auf der Bühne aufeinander achten». Zusätzlich wurde wenig geprobt. Ungeachtet aller Schwierigkeiten verläuft die Aufführung reibungslos. Während der Gesang das Publikum auf emotionaler Ebene entführt, lockern die Dialoge mit viel Witz auf. Trotz der intendierten Kritik bleibt das Stück aber für viele im Publikum reine Unterhaltung. Das Stück wird am 18. und 19. Oktober in Möriken aufgeführt.