Wie ein Dirigent steht Bruno Schmid am Keyboard. «Was spielen wir jetzt noch?», fragt er die restlichen Bandmitglieder, die ihm gegenüber in Reih und Glied mit ihren Instrumenten sitzen. Jemand schlägt «Country Roads» vor, aber Sänger Rainer wehrt sich. Die Band einigt sich auf «Rock Around The Clock». Rainer bewegt sich zu den Rhythmen der Band, während er Zeile für Zeile des Evergreens vorträgt. «Ich werde von vielen Leuten als Rampensau bezeichnet und das stimmt auch», sagt Rainer. Die anderen Bandmitglieder lachen, widersprechen ihm aber nicht.

In der Insieme Musigbänd spielen Menschen mit Beeinträchtigung. Bruno Schmid hat die Gruppe 1999 in Wettingen zusammengetrommelt, am Keyboard legt er den Klangteppich, auf dem sich die Mitglieder austoben können. Diese treten seither in fast unveränderter Konstellation auf: Sänger Rainer, Schlagzeugerin Caja, Gitarrist Marco und Perkussionistin Greta spielten bereits von Beginn an zusammen. Seit 2014 wird die Gruppe durch Isabella an der Rassel ergänzt. Roman gibt erst seit Kurzem mit den Congas den Takt an.

Der 66-jährige Schmid musiziert fast genauso lang, wie er alt ist, als Berufsmusiker kam er bis nach Kanada. Seit den 80er-Jahren ist er in der Schweiz als Unterhaltungsmusiker unterwegs und lebt heute in Fislisbach. Mit Alfred Isch, dem damaligen Chef der Vereinigung zur Förderung Behinderter Insieme Baden-Wettingen, war Schmid gut befreundet. Isch hatte die Idee für die Insieme Musigbänd: Menschen mit Beeinträchtigung sollen mit ihrem musikalischen Fähigkeiten gefördert und durch öffentliche Auftritte in die Gesamtgesellschaft integriert werden.

Zum Singen überredet

Bruno Schmid war prädestiniert als Bandleader, der den Takt angibt und mit den Mitgliedern probt. «Wir haben ein Casting gemacht, um Leute zu finden, die für die Band infrage kommen.» Rainer erzählt, dass er als Schlagzeuger im Gespräch war und wie man ihn erst zum Singen überreden musste: «Für mich ist damals eine Tür zum Musikmachen aufgegangen.» Das erste Jahr wurde grösstenteils mit Üben verbracht. Seither spielt die Band Stimmungsmusik: Rock-Oldies, Evergreens und populäre Schlager prägen das Repertoire.

Schmid ist stolz auf die Mitglieder: «Dass wir seit 20 Jahren zusammenspielen, beweist, dass sich Menschen mit Beeinträchtigung auch langfristig für Musik begeistern können.» Im Vergleich mit den Bands, in denen er vorher spielte, sei die Zusammenarbeit mit der Insieme Musigbänd einfacher. «Sie hören mehr auf mich, es braucht nicht so viel Durchsetzungsvermögen», sagt er und lacht. Dann fügt er ernst hinzu, dass man lange suchen müsse, um eine solche Treue und Freundschaft wie unter den Mitgliedern der Band zu finden. Auch auf den Erfolg der Musiker ist er stolz: «Wir bringen jedes Publikum in fünf Minuten in beste Stimmung.»

Als Vorband von Bligg aufgetreten

Caja erzählt von ihrem liebsten Auftritt, als die Band im Stade de Suisse in Bern als Vorband für Bligg auftrat. Sie spielte dort, wo sonst Bliggs Schlagzeuger sass. Stolz berichtet Rainer, dass Regierungsrat Markus Dieth, damals noch Gemeindeammann Wettingens, die Insieme Musigbänd beim Wettiger Fäscht als «eine Institution» bezeichnet habe.

Ursula Steiner, Geschäftsführerin von insieme Region Baden, findet diese öffentlichen Auftritte enorm wichtig. In anderen Worten: dass die Band eben nicht nur Konzerte bei anderen Stiftungen gibt. «Sie trägt die Aufgabe unserer Vereinigung nach aussen. Bei den öffentlichen Auftritten, wie zum Beispiel an der Badenfahrt, begeistert sie ein grosses Publikum und zeigt, dass Menschen mit Beeinträchtigung genau so sind wie alle anderen auch. Wir wollen die Menschen überraschen. Dadurch werden Berührungsängste abgebaut.». Steiner wünscht sich, dass auch bald die Integration beeinträchtigter Menschen in Schwimmclubs und Turnvereinen besser möglich ist.