Birmenstorf
Mit Originaluniformen aus Kriegsjahren für Bomberabsturz gedacht

Weil vor 70 Jahren ein Bomber abstürzte, fand nun in Birmenstorf am Gedenkstein eine Feier statt. Die Besucher kleideten sich im Stil der 1930- und 1940er-Jahre.

Katia Röthlin
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Im Stil der 30er- und 40er-Jahre: Verkleiden zum Gedenktag. kru

Im Stil der 30er- und 40er-Jahre: Verkleiden zum Gedenktag. kru

Von Kopf bis Fuss im Stil der 1930er- und 1940er-Jahre, so kleidet sich Brigitta Cantina eigentlich immer. Inzwischen wisse sie, wo sie die Kleider auftreiben könne, aber manchmal sei es doch schwierig. «Bis ich einen Skianzug gefunden hatte, vergingen 5 Jahre.» Erst seit kurzem ist Sarah Bisig auf den Geschmack bekommen. «Ich kleide mich nicht immer so», sagt sie. Aber Brigitta Cantina – die ihre junge Kollegin liebevoll «Büsi» nennt – ist sicher, dass auch Sarah Bisig immer mehr Freude am Lebenstil dieser Zeit bekommt.

Erinnerung: Bomberabsturz von 1943

Am 15. April 2013 jährte sich der britische Bomberabsturz einer Vickers Wellington in Birmenstorf zum 70. Mal. Der englische Bomber war einer von 146 Wellington Bombern, die in dieser Nacht verschiedene Ziele auf dem Festland Europa bombardierten. Eines der Ziele waren Stuttgarts Kugellagerfabriken und Magnet-Anlagen der Firma Bosch. Im Anflug auf Stuttgart wurde die Vickers Wellington von einer Flakgranate getroffen, was zur Folge hatte, dass der Motor und die Treibstofftanks im Backbordflügel stark beschädigt wurden. Mit letzter Kraft und nur einem funktionsfähigen Motor versuchte die 5-köpfige Besatzung, sich in die Schweiz zu retten. Über den Bodensee gelangte der Bomber um 00:24 über Schweizer Boden und flog über Schaffhausen, Zurzach und Laufenburg, bevor der Pilot Richtung Wettingen und Baden abdrehte. In einer Höhe von etwa 1500-1800 Metern sprangen nacheinander die ersten Besatzungsmitglieder aus der unterdessen brennenden Maschine ab. Sgt James Avery blieb noch so lange wie möglich auf seinem Platz und flog die Maschine noch über die Häuser von Baden hinweg. Das Feuer hatte schon den Rumpf des Flugzeuges erreicht, als Avery absprang. Alle Besatzungsmitglieder kamen mehr oder weniger unverletzt zu Boden. Der führerlose Bomber flog noch eine kurze Zeit weiter, bevor er auf ein Feld bei Birmenstorf stürzte und ausbrannte. Zu diesem Anlass wurde gestern zu einer kleinen Gedenkveranstaltung am Absturzort eingeladen. Gedacht wird allen Opfern dieser Nacht und des Krieges. (az)

Die beiden Frauen sind Teil der Gästeschar, die sich an diesem wunderschönen, sonnigen Sonntagnachmittag beim Gedenkstein in Birmenstorf versammelt hat, um an den Bomberabsturz vor 70 Jahren zu erinnern. Auch Marcel Friedli und Lucas Doppler sind hier. Sie tragen Originaluniformen der Royal Air Force aus den Kriegsjahren. Sie bilden die Ehrengarde für die Kranzniederlegung. «Wir wollen den Krieg nicht romantisieren. Er war schrecklich», sagt Lucas Doppler. Aber er interessiere sich halt für diese Zeit.

Erinnerung an alle Opfer

Auch Patrick Schlenker, Organisator der Gedenkfeier, betont, dass man an diesem Sonntag allen Opfern der Kriegsjahre gedenken wolle. Allein an diesem Tag seien bei Bombenangriffen auf Stuttgart 200 Bewohner und 400 französische und russische Zwangsarbeiter gestorben.

«Die fünf Mann, die in diesem Flugzeug sassen, hatten an diesem 15. April Glück. Sie konnten aus der Maschine abspringen und überlebten. Zwei von ihnen starben jedoch später im Krieg.» Es sei wichtig, dass man diesen Krieg nicht vergesse und an alle Opfer denke. «Viele haben ihr Leben für die Freiheit Europas gegeben und daran wollen wir erinnern.»

Zu den Klängen eines Dudelsackes legte Schlenker, gemeinsam mit John Gysin, einem Mitglieder der Royal Air Force Association, einen Kranz beim Gedenkstein nieder. Ein Überflug eines P51 Mustang, eines der bekanntestem Jagdflugzeuge der damaligen Zeit, rundete die Feier ab.