Kirchdorf
Mit Satellitenempfang ein Leben im digitalen Abseits

Alex Busslinger aus Kirchdorf ist mit dem Satellitenempfang in seinem Haus nicht zufrieden. Das genutzte Kabelnetz wurde in den 70er- Jahren von der Firma Autophon verlegt. Heute ist die damalige Technik überholt.

Dieter Minder
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Über Astra kann Alex Busslinger die HD-Signale geniessen.

Über Astra kann Alex Busslinger die HD-Signale geniessen.

DM

Die Satellitenantenne, im Volksmund Salatschüssel genannt, soll eine qualitativ hochstehende Verbindung in die ganze Fernsehwelt ermöglichen. Das erhoffte sich auch Alex Busslinger am Ahornweg in Kirchdorf, doch heute ist er darüber fast so enttäuscht wie über die bestehenden Kabelanschlüsse.

Heikles Kabelnetz

Das für den Radio- und Fernsehempfang genutzte Kabelnetz hatte die Firma Autophon in den 70er-Jahren verlegt. «Das war damals die modernste Technik, die der Region erstmals Fernsehkanäle aus Europa zugänglich machte», sagt Stefan Signer vom Fachgeschäft Fries Radio-TV-Service in Wettingen.

Er hat mit der Anlage in Kirchdorf nichts zu tun. Inzwischen sei die damalige Technik überholt. Die digitalen Signale benötigen viel bessere Installationen, als diese bei Analogsignalen erforderlich sind. «So können Kabelknicke oder Druckstellen von Briden das Signal stark dämpfen», sagt Signer. Aus der Autophon wurde später die Cablecom und dann die UPC Cablecom.

Satelliten: «Hotbird und Astra»

Hotbird
Die Hotbird Satelliten bildet auf 13° Ost eines der grossen TV-Übertragungssysteme in Europa. Von dieser Orbitalposition aus überträgt Eutelsat über 1.100 TV-Sender an über 120 Millionen TV-Haushalte in Europa, Nordafrika, und im Mittleren Osten. Die Satelliten werden von der Eutelsat (European Telecommunications Satellite Organization) betrieben. Eutelsat wurde 1982 als übernationale Organisation durch eine Regierungsvereinbarung zwischen 26 europäischen Staaten als Vermarkter der ESA-Kommunikationssatelliten gegründet.

Astra
Die Astra Satelliten dienen vor allem dem Direktempfang von Hörfunk- und Fernsehsignalen mit einer zirka 60 cm grossen Parabolantenne. Damit können über 2500 digitale TV- und Radiokanäle über 242 Transponder von über 117 Millionen Haushalten in Europa empfangen werden. Die Satelliten auf 19,2° Ost richten sich an Kontinentaleuropa mit einem sehr hohen Anteil deutscher Sender sowie Sendern in anderen europäischen Sprachen wie Französisch, Spanisch, Italienisch, Englisch und Polnisch. (DM)

Die Kabel für die Reiheneinfamilienhäuser am Ahornweg sind die alten geblieben. «Unsere Häuser sind über dieselbe Verteilkabine ans Hauptnetz angeschlossen», sagt Busslinger. Damit wird das Signal von Haus zu Haus schwächer. Um die digitalen Programme in besserer Qualität empfangen zu können, beschloss Busslinger, eine Satellitenantenne zu installieren. Der so genannte Monoblick besteht aus einem Parabolspiegel mit zwei Empfangsköpfen.

Bakom empfahl einen grösseren Spiegel

Seither ist er mit dem Empfang ab Astra sehr zufrieden: «Dagegen fällt bei Schneetreiben und starkem Regen der Empfang über Hotbird aus.» Busslinger intervenierte beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom). «Es liegt in der Natur der Sache, dass Signale im Frequenzbereich von 10 Gigahertz durch starke Niederschläge gedämpft werden», antwortete ihm dieses und empfahl ihm einen grösseren Spiegel, einen optimalen Standort und allenfalls unabhängige Empfangssysteme für beide Satelliten. Für Busslinger eine unbefriedigende Antwort, die er aber akzeptieren will.

«Die so genannten Monoblockanlagen sind in der Schweiz sehr verbreitet und funktionieren gut», sagt Signer. «Die Empfangsköpfe müssen jedoch sehr genau auf die beiden Satelliten ausgerichtet sein.» Signer weiss aus Erfahrung: «Alle Empfangsprobleme sind lösbar.»

Beschränkte Kabelkapazität

Busslinger musste auch erleben, dass der Ahornweg für die Swisscom eher eine elektronische Sackgasse ist. Der Pensionär betreibt ein Importunternehmen: «Dazu bin ich auf funktionierende Internetverbindungen aufgewiesen.» Der von ihm gewünschte schnelle Anschluss lasse sich aber nicht realisieren. «Die Swisscom hat mir mitgeteilt, dass die Häuser noch an Kupferkabeln angeschlossen sind.» Deren Kapazität ist beschränkt, Aussichten auf Glasfaserkabel gäbe es keine.