Würenlos
Mit Scheren auf der Suche nach den süssen Trauben für den besten Wein

Ein Dutzend Männer und Frauen stehen auf dem Rebberg in Würenlos an der Grenze zum Kanton Zürich im Ernteeinsatz. Bereits jetzt ist klar: Während die Ernte unter dem Durchschnitt liegt, wird der Wein dafür überdurchschnittlich.

Dieter Minder
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Traubenernte in Würenlos
11 Bilder
Traubenernte
Traubenernte 2
Lotti Markwalder hilft mit
Trauben
Karin Egloff
Karin Egloff bei der Traubenernte
In den Finger geschnitten
Auf den Terrassen ist genügend Platz für die Helfer
Die Erntehelfer sind eifrig bei der Arbeit
Die Erntehelfer bei der Arbeit

Traubenernte in Würenlos

Dieter Minder

«Die Qualität der Trauben ist sehr gut, sie sind sehr gesund und reif», sagt Martin Wetzel sichtlich zufrieden.

«Dafür ist die Zahl der Beeren pro Traube geringer als üblich.» Mit einem Dutzend Frauen und Männern ist er im Rebberg oberhalb der Kantonsstrasse Würenlos–Oetwil an der Limmat am Traubenlesen.

Mit Scheren schneiden sie die Blauburgundertrauben von den Stöcken. «Es sind meist Hausfrauen und Rentner, die regelmässig zum Traubenlesen kommen», sagt Wetzel.

Die Reben stehen auf längs zum Hang angelegten Terrassen. An deren Ende werden die Trauben in grosse Standen geschüttet und von dort gleichentags von Würenlos in die Trotte in Ennetbaden transportiert.

Netze werden täglich kontrolliert

An diesem Tag sind die Schutznetze zurückgeschlagen, damit die Winzerinnen und Winzer ungestört arbeiten können. «Mit den Netzen schützen wir die Trauben von den Vögeln», sagt Wetzel, denn diese sollen sich nicht an den Weintrauben gütlich tun.

«Die Netze dürfen keine grösseren Löcher haben, sonst können die Vögel durchschlüpfen.» Die Gefahr ist gross, dass sie sich beim Wegfliegen im Netz verheddern und dann sterben. Das will er auf jeden Fall verhindern und deshalb kontrolliert er den Rebberg und die Netze fast täglich.

Eigentümerin des Rebberges ist die Gemeinde Würenlos. Sie hatte ihn von der Wirtefamilie Maduz vom Restaurant Steinhof erworben. Die Familie Wetzel hat den Rebberg von der Gemeinde gepachtet, Terrassen angelegt und die Reben gepflanzt.

Für die Gemeinde entstünden keine Kosten. Ob die Gemeinde den Wein aus dem Rebberg einmal mit einer speziellen Etikette bezeichnen wird, ist noch offen. Ein Teil des rund 60 Aren grossen Areals wurde 2007, der Rest 2010 bestockt. Somit kann Wetzel in diesem Jahr erstmals vom gesamten Hang eine Ernte einfahren.

Trauben lieben viel Wärme

Mit Blick auf die Region nimmt Wetzel an, dass die Ernte 2013 beim Blauburgunder gegen einen Viertel unter dem langjährigen Durchschnitt liegen wird. Der nasse Frühling habe sich negativ auf die Bestäubung ausgewirkt. Zudem verzögerte sich die gesamte Vegetation um rund zwei Wochen. Deshalb ist er froh um jeden warmen Tag.

«Das Aroma wird besser, weil die Trauben langsamer reifen.» Mit 93 bis 98 Grad Öchsle ist der Zuckergehalt verhältnismässig hoch, was auch auf die letzten schönen Herbsttage zurückzuführen sei.

Man dürfe sich, so Wetzel, auf einen überdurchschnittlich guten Jahrgang freuen: «Mit 95 bis 100 Grad Öchsle erhalten wir zirka 13,5 bis 14 Grad Alkohol, was im Vergleich zu ausländischen Weinen sehr hoch ist.»

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