Bezirksgericht Baden
Mit welchem Trick ein Kioskverkäufer 11 500 Franken in die eigene Tasche abzweigte

Zwischen Sommer und Herbst 2014 scannte ein Kioskverkäufer mehrmals statt der tatsächlich verkauften Ware ein günstigeres Produkt ein und sackte den Differenzbetrag selber ein. Dadurch erzielte er ein Zusatzeinkommen von 11500 Franken. Jetzt wurde er verurteilt.

Carla Stampfli
Merken
Drucken
Teilen

Wenn ein Verkäufer möglichst unauffällig Geld aus der Kasse entwenden will, hat er zwei Möglichkeiten:

Entweder scannt er statt der tatsächlich verkauften Ware ein günstigeres Produkt und steckt die Differenz ein, oder er scannt nicht die gesamte Ware und verlangt jedoch vom Kunden den vollen Betrag.

Genau das hat Kioskverkäufer Thomas (Name geändert) zwischen Juni und September 2014 getan: Die Bargeldbeträge entnahm er jeweils sofort oder am Ende des Arbeitstages, wobei sie zwischen 90 Rappen und 1200 Franken schwankten.

Auf diese Weise konnte Thomas rund 11 500 Franken in die eigene Tasche stecken – und ein Zusatzeinkommen erzielen.

Dies war denn auch der Grund, warum er gestern vor dem Bezirksgericht Baden stand. Angeklagt war Thomas wegen gewerbsmässigen Diebstahls.

Dafür beantragte die Staatsanwaltschaft unter anderem eine unbedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten.

Zudem machte die Geschäftsführerin mehrerer Kioske in Baden eine Zivilforderung von rund 102 000 Franken als Schadenersatz geltend: Denn so viel fehlte ihr im Inventarjahr in der Kasse, als Thomas bei ihr angestellt war.

Thomas war bereits vorbestraft

Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, warum er mehrmals Bargeld aus der
Kioskkasse entwendete, antwortete der junge Schweizer mit leiser Stimme: «Finanziell hätte ich es nicht nötig gehabt. Es ging mir um den Kick, Geld zu nehmen.»

Der Gerichtspräsident wies ihn in der Folge auf die beiden Vorstrafen hin: «Sie haben drei Monate nach dem letzten Urteil bereits in die Kasse gegriffen. Hat das auch zum Kick gehört?» Thomas nickte. Er sagte, er habe diesen immer wieder gesucht und wisse: «Ich habe Mist gebaut.»

Zudem betonte er, dass es sich nicht um rund 11 500 sondern um zirka 6600 Franken handelte, die er damals entwendet und in einer Box aufbewahrt habe.

Eine Erklärung dafür lieferte Thomas’ Rechtsanwalt: Der Betrag von 11 500 Franken schliesse die Umtriebe ein, welche die Firma in Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Vorfälle gehabt habe, und entspreche nicht allein der Deliktsumme. Im Betrag enthalten sei auch eine Prämie, sagte er, «damit es eine einvernehmliche Einigung zwischen den Parteien gibt ohne Meldung an die Polizei».

Der Rechtsanwalt beantragte am Ende seines Plädoyers, seinen Mandaten des mehrfachen statt gewerbsmässigen Diebstahls schuldig zu sprechen und von einer Bestrafung abzusehen.

Bedingte Freiheitsstrafe angeordnet

Das Gericht kam zu folgendem Urteil: Es sprach Thomas des gewerbsmässigen Diebstahls schuldig und ordnete eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten bei einer Probezeit von fünf Jahren an.

«Wir haben uns nochmals für den bedingten Vollzug entschieden», erklärte der Gerichtspräsident.

Dies wäre unter normalen Bedingungen nicht geschehen, fügte er an. In Thomas’ Fall müsse man aber den gesundheitlichen Zustand betrachten.

So klagte der Beschuldigte Anfang 2015 über einen Verlust der Sehkraft – heute ist er fast vollständig erblindet.

Aus diesem Grund dürfe man davon ausgehen, dass keinerlei Delikte mehr begangen würden, erklärte der Gerichtspräsident.

Was hingegen die Schadensersatzforderung von rund 102 000 Franken betrifft, verwies er die Zivil- und Strafklägerin auf den Zivilweg: Denn nach Ansicht des Strafgerichts habe sie ihre Ansprüche nicht genügend begründet, als dass es darüber entscheiden kann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.