Baden
Mit «Yumi» und Stipendien neue Talente ins Labor holen

Die Jürgen-Dormann-Stiftung der ABB vergibt erstmals einer Bildungsinstitution in der Schweiz Stipendien für begabte bedürftige Studenten. Von der Unterstützung profitiert die ABB-Technikerschule in Baden.

Carla Stampfli
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Auch Studenten, die auf finanzielle Mittel angewiesen sind, gehen in der ABB-Technikerschule in Baden künftig ein und aus.

Auch Studenten, die auf finanzielle Mittel angewiesen sind, gehen in der ABB-Technikerschule in Baden künftig ein und aus.

Sandra Ardizzone

Patrick hat soeben erfolgreich seine Berufslehre als Mediamatiker abgeschlossen. Sein grösster Wunsch ist es, ein Elektrotechnik-Studium in Angriff zu nehmen: Bereits als Kind faszinierten ihn Themen wie Elektronik, Informatik und Konstruktion. Doch was ihm fehlt, ist das nötige Geld, um sich ein solches Studium auch finanzieren zu können.

Hier kommt nun die Jürgen-Dormann-Stiftung der ABB ins Spiel: Seit 2007 vergibt sie Stipendien an begabte Studenten der Elektrotechnik, die auf finanzielle Mittel angewiesen sind. Bis anhin unterstützte die «ABB Jürgen Dormann Foundation for Engineering Education» Studenten von 15 Universitäten aus 12 Ländern wie Brasilien, Indien, Malaysia und Polen. Nun geht die Stiftung erstmals auch eine Partnerschaft mit einer Schweizer Bildungsinstitution ein – mit der ABB-Technikerschule in Baden.

«Auch bei uns in der Schweiz gibt es Studenten, die brillante Techniker werden können, jedoch Mühe haben, die nötigen Mittel für ein Studium aufzubringen», sagt Stiftungspräsident und Personalleiter des ABB-Konzerns Jean-Christophe Deslarzes. Dass man neu auch heimische Studenten unterstützt, «macht uns eine grosse Freude».

Vom ABB-Konzern unabhängig

Die Zusammenarbeit mit der ABB-Technikerschule läuft seit Beginn des neuen Schuljahres 2016/2017, das vor einer Woche gestartet ist. Vom Stipendium profitieren jeweils drei Studenten: Sie erhalten nicht nur finanzielle Unterstützung, 7000 Franken pro Jahr, sondern werden während der Ausbildung auch von einem Mentor gecoacht. «Uns ist es zwar wichtig, die Studenten finanziell zu unterstützen. Doch uns ist es genauso ein Anliegen, sie bis zum Ende des Studiums zu führen, damit sie später erfolgreich Karriere machen können», erklärt Deslarzes. Er betont dabei, dass dies nicht zwingend bei der ABB geschehen müsse. Die Stiftung wie auch die Technikerschule würden zwar den Namen «ABB» tragen und regelmässig Know-how austauschen, jedoch seien beide Institutionen vom Konzern unabhängig.

Die Zusammenarbeit der beiden Institutionen geht über die Stipendien hinaus: Die Stiftung schenkt der Technikerschule auch einen «Yumi» – einen zweiarmigen Roboter für die Kleinteilmontage. Dieser ist berührungsempfindlich und gefährdet dadurch die Menschen nicht, die mit ihm zusammenarbeiten. Damit ist die Technikerschule die dritte Bildungsstätte in der Schweiz – neben der ETH Zürich und der EPF Lausanne –, die über den im Jahr 2014 lancierten ABB-Roboter verfügt.

«Es ist fantastisch, dass wir neu einen ‹Yumi› in den Laborunterricht einbinden können. Indem unsere Fachdozenten praxisorientiert unterrichten können, machen wir einen grossen Entwicklungsschritt», sagt Kurt Rubeli, Rektor der ABB-Technikerschule. Mit der Donation stärkt Baden seine Position als Talentschmiede und Bildungsstadt. «Unser Laborstatus ist jetzt einmalig», sagt Rubeli. Viele Fachhochschulen in der Schweiz würden sich akademisieren, die Technikerschule hingegen lege viel Wert auf praxisorientierten Unterricht. Das sei wichtig. Denn: «In Sachen Innovation liegen wir als kleines Land weltweit an der Spitze», so der Rektor. Und damit diese Innovationen umgesetzt werden können, brauche es Techniker.

Dass die Technikerschule zudem neu die Stipendien vergeben kann, freut Kurt Rubeli: «Auch wir haben Studenten, die an finanzielle Grenzen stossen.» So habe er diesbezüglich bereits mehrmals Anfragen erhalten, jedoch nie weiterhelfen können. «Jetzt haben wir die Möglichkeit, das freut uns sehr.» Rubeli fügt an, dass sich alle Studenten bewerben können – auch solche, die kurz vor dem Abschluss stehen.

Persönlichkeiten mit Biss gesucht

Talentierten Personen wie Mediamatiker Patrick, die sich für ein Stipendium an der ABB-Technikerschule interessieren, steht ein mehrstufiger Selektionsprozess bevor. So werden zum einen der finanzielle Notstand und die Leistungen geprüft, zum anderen «müssen es auch Persönlichkeiten sein, die wirklich wollen und Biss haben», sagt Stiftungspräsident und Personalleiter des ABB Konzerns Jean-Christophe Deslarzes. Patricks Chancen auf ein Stipendium stünden gut.

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