Kirchengeschichte
Mittelalter zum Anfassen

Die erste Führung für Kinder durch das Kloster Wettingen war ein voller Erfolg

Sandra Ardizzone
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Es war eine stürmische Nacht, als Ritter Heinrich von Rapperswil vor über 800 Jahren in Seenot geriet. Heinrich betete zu Maria und versprach, ihr ein Kloster zu erbauen, sollte er gerettet werden. Heinrich überlebte, das Kloster Wettingen wurde gegründet.

Die Journalistin Melanie Bär lässt die Geschich-te des Zisterzienserklosters nun kindergerecht aufleben. Sie organisiert im Kloster Wettingen Kinderführungen, in denen den Kindern dessen Geschichte auf spannende Art nähergebracht wird. «Kinder finden Geschichte oft langweilig. Deswegen versuche ich, sie aktiv an der Führung teilhaben zu lassen», sagt Bär.

Kinder machen aktiv mit

Am Sonntag fand die erste der Kinderführungen statt. Melanie Bär führte die Kinder zuerst in die Klosterkirche, in der ein Bild von Heinrich von Rapperswil hängt. Gespannt hörten die Kleinen der abenteuerlichen Gründungsgeschichte zu und stellten interessiert Fragen. Sie versuchten, ein althochdeutsches Manuskript zu lesen, und kritzelten währenddessen wild auf ihren Wachstafeln herum. So aktiv hatte sich Melanie Bär die Führungen auch gewünscht. Die Idee kam der 32-Jährigen, als sie selbst an einer Führung für Erwachsene im Kloster teilnahm. «Mir fiel auf, dass ein Angebot für Kinder fehlte. Die Informationen waren interessant, aber nicht kindergerecht verpackt.» Deshalb verband sie die Diplomarbeit ihrer Weiterbildung als Event-Managerin mit dem eigenen Interesse und organisierte die Kinderführungen.

Von der Klosterkirche ging es weiter in die Mönchskirche, wo die Kinder erraten mussten, wie viele Barockengel die Wände und Decke schmücken. «Tuusig», rief ein Junge in die Runde. «Zwänzg», war ein Mädchen überzeugt. Es sind deren hundert, und als Melanie Bär auflöste, hörte man mehrere Freuderufe von jenen, die es richtig erraten hatten. Im weiteren Verlauf der Führung zeigte Melanie Bär den 22 Kindern, wo die Mönche schliefen, und erzählte, dass früher nur in zwei Räumen des Klosters geredet werden durfte.

Gräber als Erinnerung

Im Kreuzgang trafen die Kinder für einen Moment auf ihre Eltern, die parallel zur Kinderführung von einem Lehrer der Kantonsschule durch das Kloster geführt wurden. Die Kinder aber hatten nur Augen für den Boden. Dort befinden sich 79 Grabplatten. «Wisst ihr, wieso diese Gräber hier sind?», wollte Bär wissen. Verschiedene Antworten wurden gegeben, die richtige war aber nicht darunter. Bär löste auf: «Die Mönche sollten an ihre Sterblichkeit erinnert werden. Die Platten sagten: Einmal wirst auch du hier unten liegen.» Für diese Antwort erntete sie erstaunte Blicke.

«Libe Mama ...»

Nachdem die Kinder Apfelringe und Klosterhonig probieren durften, erhielten sie Feder und Tinte. Alle waren begeistert: «Libe Mama. Das habich mit Einer Feder geschriben» stand auf einer liebevoll gestalteten Karte. Nach einer kurzen Exkursion in den Klostergarten legten die Kinder noch einmal selbst Hand an: Sie mischten sich eine eigene Hautcreme, die sie dann nach Hause nehmen durften. Melanie Bär schloss die Führung beim Denkmal für Alberich Zwyssig ab. Hier spielte sie den Kindern den Schweizerpsalm ab. Zwyssig war der wohl bekannteste Bewohner des Klosters und komponierte dort die Nationalhymne. Nach 90 Minuten Führung konnte Bär ein positives Fazit ziehen: «Die Stimmung war super, den Kindern hat es gefallen – und das ist die Hauptsache.»

Spannendes Mittelalter
Führungen ab 31. Oktober bis Ende Jahr immer am letzten Sonntag im Monat um13.30 Uhr. Preis 10 Franken.
Anmeldung: 079 515 24 76 oder melanie.baer@gmx.ch

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