Baden
Möbeldesigner Willi Glaeser: «Diese Küche ist wie ein Spielzeug»

Der bekannte Möbeldesigner Willi Glaeser hat im Alter von 75 seine erste Küche für die Marke Mundart designt.

Barbara Scherer
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Der Badener Möbeldesigner Willi Glaeser wagt sich nun an Küchen ran. Barbara Scherer

Der Badener Möbeldesigner Willi Glaeser wagt sich nun an Küchen ran. Barbara Scherer

Barbara Scherer

«Mir fiel die Langeweile der Küchendesigns auf, da dachte ich mir, jetzt setzen wir einen drauf», sagt Willi Glaeser, Verwaltungsratspräsident der Mundart Küchen und Haushaltsgeräte AG und bekannter Designer. Die Augen des 75-Jährigen leuchten auf, während er stolz sein – man glaubt es kaum – erstes Küchendesign «Mundart Wave design wogg» präsentiert. Dieses kann zum ersten Mal an der Fachmesse «Bauen und Wohnen» in Wettingen begutachtet werden.

Schwarz-weiss mit einer gewellten aufschiebbaren Rollfront wirkt die Küche schlicht, jedoch keineswegs banal. «Diese Küche muss emotional packen», sagt der Badener Unternehmer und lächelt: «Sie ist wie ein Spielzeug.» Eine Küche sollte etwas Verspieltes haben. Designen müsse man stets mit einem Augenzwinkern.

Die Küche steht heute im Zentrum

Jetzt betritt der bekannte Möbeldesigner Neuland, bisher hat er noch keine Küche designt. Zwar war Glaeser sechzehn Jahre Verwaltungsratspräsident der Veriset Küchen AG und ist seit 2007 Verwaltungsrat der Firma Mundart, doch erst jetzt hat es ihn in den Fingern gejuckt, eine Küche zu designen. Es sei aber schon etwas völlig anderes als das Möbeldesign. So wird eine Küche über Beratung verkauft und in Zusammenarbeit mit Architekten entworfen, besonders bei einem Neubau. Das alles stellt für Glaeser aber kein Problem dar: Es reize ihn, Ideen aus dem Möbeldesign auf das Küchendesign zu übertragen, schliesslich seien Küchen immer wichtiger im modernen Wohnen. «Heute steht die Küche im Zentrum der Wohnung», sagt Glaeser. Darum seien Eigenheimbesitzer bereit, mehr in eine Küche zu investieren. So bewegt sich das neue Mundart-Küchendesign eher im oberen Preissegment, eine Glaeser-Küche ist ab 50 000 Franken zu haben. Dafür biete seine Küche Einzigartigkeit, so der ehemalige Inhaber der Glaeser Wogg AG. Rund achtzigtausend Mal könne man die gewellte Rollfront aufschieben – also viermal so viel, wie die vorgeschriebene Norm verlangt. Das Aussergewöhnliche an der nach «Wogg-Art» gewellten Front ist die Rollführung, diese lässt sich ganz leicht schieben. Deshalb liess sich Glaeser dieses Konzept auch gleich patentieren. Auch sonst orientiert sich das Design an Leichtigkeit, in Aussehen und Bedienung. «Eine Küche ist zum Anfassen und Brauchen da, sie darf nicht unpraktisch sein», so der Designer. Grifflos sei kopflos, und deshalb hat seine Küche Griffe, man müsse doch arbeiten und ein Handtuch rasch aufhängen können. Ein weiteres Küchendesign plant der bekannte Möbeldesigner jedoch nicht. «Ich würde mal sagen, ich bin ja auch schon etwas älter», sagt Glaeser mit einem Augenzwinkern. Er wolle das Designen von Küchen von nun an lieber der jüngeren Generation überlassen. «Mit meinem Küchendesign will ich als gutes Beispiel vorausgehen und junge Designer animieren, den Markt zu beleben.» Er sei sich aber sicher, dass mit seinem Design eine neue Epoche des Küchendesigns der Firma Mundart begonnen habe. Ob Glaeser mit seinem Küchendesign einen weiteren Meilenstein in der Design-Geschichte wie mit seinem bekannten Papierstapler aus Chromstahl gelegt hat, wird sich erst noch zeigen. Fest steht, wenn es ums Design geht, kennt sich Glaeser aus, so lancierte er bereits 1983 zusammen mit seinem Cousin Otto Gläser die Wogg Möbel-Kollektion.