Baden
Mode, Schmuck und Seife: Drei Frauen erfüllen sich mit eigenem Laden einen Lebenstraum

Im neuen Laden «Manufaktur 9» in der unteren Altstadt bietet ein Drei-Frau-Unternehmen handgemachte Mode- und Schmuckunikate sowie vor Ort gefertigte Naturseifen an.

Ursula Burgherr
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Manufaktur 9 Baden
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Die Seifen werden im hinteren Teil des Ladens produziert.
Bis die Seifen nach der Herstellung trocken sind, dauert es acht Wochen.
Ducrocq betrieb bereits in Ennetbaden ein Geschäft.
Der Laden an der Unteren Halde.

Manufaktur 9 Baden

Alex Spichale

Es duftet nach ätherischen Ölen in der «Manufaktur 9» an der Unteren Halde 9 in Baden. Auf dem antiken Holztisch liegen die selbst gemachten Naturseifen von Béatrice Ducrocq. Im hinteren Bereich des Ladens ist ihre kleine Seifenmanufaktur, in der sie die Reinigungsmittel mit Laugen und Fetten herstellt. «Ich siede das Rohmaterial nicht, sondern schmelze es. Dadurch bleibt das hautpflegende Glycerin erhalten», erklärt die in Ennetbaden wohnhafte Genferin. Es dauert acht Wochen, bis die kleinen Blöcke mit Ingredienzien wie Rosmarin, Geranium und Zeder trocken sind und verpackt werden können. 14.50 Franken kostet ein Stück. Trotz des stattlichen Preises kamen Kunden von weit her zu der Seifenmacherin, als sie mit ihrer Manufaktur «il savun» noch in Ennetbaden ansässig war. Aber es fehlte die Laufkundschaft.

Dann entdeckte die einstige Volkswirtschafterin die freistehenden Räume in Baden, wo früher die Cava Bar domiziliert war. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt Ducrocq. Der Mietvertrag war bald unterschrieben. Später kamen Schmuckherstellerin Nadja Acquaroli und Modemacherin Ines Püntener-Moser dazu. Ende April eröffnete die Drei-Frau-Initiative ihre «Manufaktur 9».

Neugierig linsen Passanten durch die Schaufensterscheiben. Das Interieur der «Manufaktur 9» ist speziell. Neben einem alten Waschtisch und einer Jugendstil-Vitrine liegt auf Schwemmholz eine Auswahl von Nadja Acquarolis Colliers und Armbändern, die sie in einer aufwendigen Fädeltechnik vorwiegend aus Swarovski-Perlen kreiert. Zum Schmuck kam die 52-jährige Neuunternehmerin, die in Rütihof lebt, erst spät. Sie war ursprünglich Kosmetikerin, absolvierte eine Abendhandelsschule und wechselte aufs Büro über. Heute arbeitet sie als Buchhalterin. Sie singt professionell in der eigenen Band und fing als Hobby mit dem Herstellen ihrer Bijoux an. «Mit zunehmendem Alter hatte ich das Bedürfnis, meine Kreativität mehr auszuleben», sagt sie.

Auf einem der Märkte, auf denen sie ihre Preziosen zum Verkauf anbietet, lernte sie Ines Püntener-Moser kennen. Die Zürcherin wohnt in Baden, ist ausgebildete Drogistin und Kosmetikerin, und arbeitet in Teilzeit als pädagogische Mitarbeiterin in der Heilpädagogischen Schule Wettingen. Für ihre mittlerweile erwachsenen Kinder nähte die Familienfrau Kleider und Kissenbezüge stets selbst. Daraus entwickelte sich eine Leidenschaft. Jahre später gründete sie ihr eigenes Modelabel «Ines Moser», das sich durch Damenjacken und -mäntel in figurschmeichelnder A-Linie, und Kinderkleider auszeichnet. Ihre Kollektion besteht aus exklusiven Einzelstücken, die in der unteren Etage des Ladens zu sehen sind.

Vertrauen in Handgemachtes

Der grosse Gewölbekeller mit dem Terracotta-Boden ist das Schmuckstück des Ladeninterieurs. Die drei Frauen sind alle in ihren Fünfzigern und haben sich mit dem Geschäft einen Traum erfüllt. Sie seien aber auch gewarnt worden, dass die Altstadt ein schwieriges Pflaster sei – es ist ein Wagnis. Doch Acquaroli und ihre Kolleginnen sind überzeugt von ihrer gemeinsamen Idee, mit ausschliesslich handgemachten Unikaten aus dem Einheitsbrei der Ladenketten herauszustechen: «Es gibt ganz bestimmt Leute, die gleich ticken wie wir. Und Produkte kaufen möchten, bei denen sie nicht nur wissen, dass es sie weit und breit nur ein einziges Mal gibt, sondern auch, wo und wie sie hergestellt wurden.»

Die «Manufaktur 9» an der unteren Halde 9 in Baden ist jeweils am Donnerstag und Freitag (9.30 bis 17.30 Uhr) sowie am Samstag (9.30 bis 15 Uhr) geöffnet.

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