Baden
Modefachfrau will fairere Bedingungen und appelliert an Billigladenketten

Die Inhaber des Kleidergeschäfts Oliverio machen sich für Mode stark, die zu fairen Bedingungen produziert wurde. Low-Cost Ware entsteht nicht nur unter schlechten Bedingungen sondern verdrängen auch einheimische Produkte.

Ursula Burgherr
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Yolanda und Pino Oliverio setzen sich für «made in Switzerland» oder «made in Italy» ein. alex spichale

Yolanda und Pino Oliverio setzen sich für «made in Switzerland» oder «made in Italy» ein. alex spichale

Eine Grosseinkaufskette reiht sich in Badens Ladenstrassen an die andere. Das Ehepaar Oliverio auf dem Cordulaplatz hält die Fahne hoch für das Label «Made in Switzerland». Yolanda Oliverio, Inhaberin des Kleidergeschäfts Oliverio macht sich für Mode stark, die unter fairen Bedingungen produzierte wurde.

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh mit über 1000 Toten, wurde in der Presse viel über die katastrophalen Arbeitsbedingungen geschrieben, unter denen die dortigen Arbeiterinnen zu leiden haben.

Die Firmen gerieten vorübergehend unter Druck. Aber wie lange? Bangladesh wird auch als «Nähstube» der Welt bezeichnet. Ebenso wie in Indien und China macht der Bekleidungssektor einen Hauptwirtschaftszweig aus.

Oliverio regt sich auf: «Viele Gross- und Billigketten, die auch bei uns Filialen haben, lassen ihre Waren massenweise in diesen Staaten produzieren, um die Verkaufspreise tief zu halten.

Die führenden Köpfe dieser Firmen wissen aber genau, wie viel Blut, Schweiss und Elend an den hergestellten Teilen klebt.»

14 Euro Monatslohn für ungelernte Arbeiterinnen, dies bei 14- bis 16-Stunden-Tagen in unhaltbaren und krankmachenden Arbeitsverhältnissen ohne jegliche Sicherheitsstandards:

Die Modefachfrau breitet gesammelte Zeitungsausschnitte über die Misere auf dem Ladentisch ihres Geschäfts aus, das sie mit ihrem Mann vor 25 Jahren eröffnet hat.

Sparen für etwas Schönes

Fashiondesigner Pino Oliverio kreiert im hauseigenen Atelier jedes Jahr zwei Damen- und zwei Herrenkollektionen. Die Stoffe stammen vorwiegend aus Italien, genäht wird in einem Tessiner und zwei italienischen Ateliers.

«Wir halten die Labels ’Made in Switzerland’ und ’Made in Italy’ hoch, auch wenn sie immer mehr aus den Regalen verschwinden», sagt Yolanda Oliverio. Der individuelle Stil wird von der Klientel geschätzt, auch wegen der guten Preis-/Leistungsverhältnisse.

Die Ladenbesitzerin appelliert, Dinge bewusster zu erwerben. «Weniger ist mehr», meint sie und erinnert sich, «ich hatte nie viel Geld, aber ich sparte, damit ich mir etwas Schönes leisten konnte.» Heute wird subito gekauft. Und was kostengünstig war, landet ebenso schnell wieder im Abfall.

Eine Frage der Moral

Abertausende von Teilen, die bei Billiganbieter nicht über den Verkaufstisch gingen, würden tagtäglich verbrannt. «Damit wird auch noch die Umwelt belastet», gibt die Geschäftsinhaberin zu bedenken.

Natürlich seien in der ganzen Masse auch seriöse Hersteller am Werk. «Sobald jedoch bekannt ist, dass unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird, sollten man die Lieferanten sofort aus dem Sortiment kippen; was aus Gier und Gleichgültigkeit längst nicht immer geschieht», ist sie überzeugt.

Auch die millionenteuren Hochglanzkampagnen der Ladenketten erhitzen ihr Gemüt. Supermodels gaukeln eine schöne und heile Welt vor. Dabei wird die Mode, die sie präsentieren oft in bitterer Not hergestellt.

«Gingen einige Rappen mehr Lohn an die Fabrikarbeiterinnen, würde ihnen ein erträglicheres Leben ermöglicht», sagt Oliverio. Und führt gleich einen weiteren Grund an, der ihr Anlass zur Besorgnis gibt:

«Low-Cost-Ware entsteht nicht nur unter zweifelhaften Bedingungen; sie verdrängt auch landeseigene Produkte und macht ganze Märkte und Kulturen kaputt.»

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