Hubers Aufwisch
Modellstadt – römisches Erbe – Limmattalbahn – Corona: Viel Gesprächsstoff für die Region

Unser Kolumnist nimmt sich in seinem neusten Aufwisch gleich vier Themen an, welche die Region Baden-Wettingen stark beschäftigen.

Roman Huber
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Die Badener Altstadt.

Die Badener Altstadt.

Philipp Zimmermann

In der Region gibt es derzeit viel Gesprächsstoff. Gut so, denn das bedeutet, es ist einiges los. Beginnen wir bei «Corona». Der Aargau arbeitet sich derzeit in der Rangliste der von Covid-19 betroffenen Kantone nach vorne. Seit kurzem wissen wir, dass Baden im Aargau Spitzenreiter der Bezirke ist. Umso mehr erstaunt es, wenn nun das «Wunderdorf» auf den Theaterplatz einladen darf. Zweifellos eine schöne Sache, und an der Eingangspforte wird ja an die strengen Corona-Benimmregeln erinnert. Das Erinnerungsvermögen dürfte zwar von Glühwein zu Glühwein schwinden. Doch was soll’s: Wer zu abendlicher Stunde die Stadt durchstreift, sieht durch die Fenster diverser Bars, wie drinnen Schulter an Schulter in heiterer Gesellschaft am Bierglas geschlürft wird, als wäre nichts. Ja, was soll’s denn: Prost!

Der Schweizer Heimatschutz – Badens Wakker-Preis-Verleiher – ist mit seinem Antrag für einen Baustopp am Kurplatz beim Bundesamt für Kultur abgeblitzt. Doch die Diskussion rund um die von Experten als sensationell bezeichneten römischen Funde ist damit nicht beendet. Klar, es ist in den Bädern nicht möglich, diese römischen Badeanlagen in ganzer Pracht freizulegen und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Im Mai wurde das römische Verenabad-Becken freigelegt – die Euphorie ist verflogen.

Im Mai wurde das römische Verenabad-Becken freigelegt – die Euphorie ist verflogen.

Kantonsarchäologie Aargau/Samuel Mühleisen

Wäre es aber nicht Pflicht dieser preisgekrönten Stadt, ein innovatives Projekt an die Hand zu nehmen, womit ein Teil dieser Funde gesichert, erhalten und in geeigneter Form vor Ort für immer präsentiert würde? – Der Umgang der Stadt Baden mit ihrem römischen Erbe erschreckt: Da stösst man auf wertvolle Stücke aus der prägenden Vergangenheit, fotografiert, untersucht, dokumentiert und kartiert sie und lässt – abgesehen von Einzelstücken – alles wieder unter dem Boden verschwinden. «Fortyseven» lässt grüssen!

Sie erregt die Gemüter dort, wo sie durchfahren soll oder eben nicht: die Verlängerung der Limmattalbahn nach Baden. Mancherorts melden sich Politiker, die nicht über eine Legislatur hinauszudenken vermögen: Sie halten ein solches Projekt für überflüssig. Sind sich diese Kritiker bewusst, worum es geht?

Es geht darum, die Mobilität angesichts der Entwicklung des Wirtschafts- und Lebensraums Limmattal auf eine zukunftsgerichtete Weise sicherzustellen, und zwar mit einem Zeithorizont von 50, 60, 70 oder mehr Jahren. – Nein, so weit reicht das Vorstellungsvermögen leider nicht. Unsere Nachkommen werden dereinst die Zeche dafür bezahlen. Das Projekt dürfte an den Trassee-Diskussionen oder an den Kosten scheitern. Damit können gleichsam die visionären Ideen für eine Weiterführung Richtung Siggenthal, Fislisbach und Rohrdorferberg, kombiniert mit einer überarbeiteten «Oase» (Ostaargauer Strassenentwicklung) vorzeitig zu Grabe getragen werden.

Interessant dazu die aktuellen Feststellungen in Baden: Die Bewältigung des Verkehrs auf den Achsen zur Schulhausplatzkreuzung, deren Umbau (für 100 Millionen Franken) noch an der Eröffnung im August 2018 als Befreiungsschlag zelebriert wurde, gelangt bereits zwei Jahre später wieder an ihre Grenzen.

Die Vision der Regionalstadt mit 60'000 Einwohnern hat sich inzwischen zur Modellstadt mit deren 95'000 entwickelt. Mutig allein der Gedanke daran, wo doch visionäre Entwicklungsideen hierzulande von Natur aus stets auf Widerstand stossen. Schade, dass einige SVP-Exponenten mit ihren Äusserungen einer ergebnisoffenen Auseinandersetzung unter 13 Gemeinden, zu der auch das Thema Fusion gehört, ablehnend vorgreifen. Warum nicht einmal vorwärts gerichtete Erwägungen zulassen und erst abklären?

Gerade befremdend ist, wenn aus der grossen Gemeinde Wettingen, welche ihre Beiträge an regionale Institutionen reduzieren will, mit dem Subsidiaritätsprinzip argumentiert wird. Zum Nachlesen: Die unverrückbaren Argumente für eine Regionalstadt standen hier im letzten «Aufwisch».

Roman Huber (65), ehemals BT-Redaktor, schreibt in seiner Kolumne über das Geschehen in der Region.

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