Fall Boi

Mordfall Boi: Eltern und Geschwister sind vor Gericht zugelassen

Kris V. und sein Opfer Boi.

Kris V. und sein Opfer Boi.

Tung Nguyen, Bruder des Mordopfers Boi, das 2009 im Tessin erschlagen wurde, beklagt sich im «Blick», dass die Familie beim Mordprozess nicht zugelassen werde. Dies stimmt laut dem Gericht aber ganz und gar nicht.

Seit einer Woche ist bekannt, dass der Mordprozess gegen Kris V. aus Mägenwil unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Der Beschuldigte war erst 16 Jahre alt, als er die 17-jährige Boi im August 2009 in einem Wald im Tessin mit einem Holzscheit erschlagen haben soll. Deshalb wird der Fall vor dem Jugendgericht in Baden behandelt.

Familien der toten Boi darf vor Gericht

Familie der toten Boi darf vor Gericht

Laut «Blick» darf auch die Familie des Opfers nicht am Prozess teilnehmen. Bois Bruder Tung Nguyen (15) liess sich so zitieren: «Wir haben keine Akteneinsicht, erfahren nicht, wann der Mörder vor Gericht steht, was er sagt, wie er bestraft wird.»

Dies sei allerdings vollkommen falsch, so Nicole Payllier, Leiterin Kommunikation Gerichte Kanton Aargau: «Die erhobenen Vorwürfe sind haltlos.» Die Familienangehörigen des Opfers, also die Eltern sowie die Geschwister von Boi, dürfen am Prozess teilnehmen, denn «sie sind als Partei in den Strafprozess involviert», sagt sie. «Als Partei wurden und werden ihnen alle Rechte gemäss der Jugendstrafprozessordnung eingeräumt. Zudem werden sie durch einen Anwalt vertreten.»

Vier Jahre Gefängnis gefordert

Im Jugendstrafrecht ist es zwingend vorgeschrieben, dass weder Publikum noch Medien zum Prozess zugelassen sind. Dies, um den jugendlichen Täter zu schützen. Auch das genaue Datum des Prozesses wird geheim gehalten und im Vorfeld wird keine Anklageschrift veröffentlicht. Das Gericht wird die Öffentlichkeit nach Abschluss der Verhandlungen über das gefällte Urteil orientieren.

Die Jugendstaatsanwaltschaft fordert, dass der Angeklagte zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wird - der Höchststrafe im Jugendstrafrecht. Zudem soll er auf unbestimmte Zeit in einer geschlossenen Anstalt untergebracht werden.

Der Täter hatte das Opfer im Internet kennengelernt. Nach seiner Verhaftung gab er an, bei einem gemeinsamen Spaziergang im Tessin habe ihn das Mädchen Boi genervt, weil es zu viel gesprochen habe. Deshalb habe er es mit einem Holzscheit erschlagen. Die Überreste des Opfers waren erst zehn Monate nach der Tat gefunden worden.

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