Knapp eine Woche ist es her, als die Ankündigung der Stadt, sie werde 1950 private «@baden.ch»-Maildressen per Ende März löschen, hohe Wellen schlug. Nun beschäftigt die Mailaffäre auch die Politik. An der ersten Einwohnerratssitzung der neuen Legislatur reichte Einwohnerrat Fritz Bosshardt (team baden) ein Postulat ein.

Mit diesem wird der Stadtrat beauftragt, die Weiterführung der «@baden.ch»-Adressen zu prüfen. «Diesen Dienst beurteilen wir als eine moderne, innovative und einzigartige Idee, die es den Einwohnern ermöglicht, ihre Verbundenheit mit Baden in die Welt zu tragen», heisst es im Postulat.

Der Dienst stelle sowohl für die Benutzer wie auch für das Image der Stadt einen Gewinn dar. «Mit der Abschaltung wird die Chance vergeben, eine besondere Form des Standortmarketings zu betreiben», heisst es weiter.

Auch Kostenbeitrag ist denkbar

«Primäres Ziel des Postulats ist es, dass der Stadtrat in einem ersten Schritt die Frist für die Löschung der E-Mail-Accounts verlängert», sagt Postulant Bosshardt. Doch grundsätzlich hoffe er, dass der Dienst weitergeführt werde. «Aber nur dann, wenn er auch wirklich gepflegt und im Sinne des Postulats ausgebaut werden kann», so Bosshardt.

Konkret soll der Stadtrat laut Postulat folgende drei Punkte prüfen: erstens die Weiterführung des Dienstes lediglich für Bewohner beziehungsweise Vereine und Institutionen der Stadt Baden. Zweitens, ob das lokale Gewerbe die Mailadresse nutzen könne. Und drittens soll die Möglichkeit eines Kostenbeitrags durch die Benutzer geprüft werden.

«Wir erachten die Weiterführung des E-Mail-Dienstes als wichtiges Zeichen der Imagebildung und der Nähe zwischen Verwaltung und Bürger», so Bosshardt. Deshalb hoffe man, dass die für die Betroffenen einschneidende Massnahme nochmals hinterfragt werde.

Bosshardt selber verfügt auch über eine «@baden.ch»-Adresse, doch die Auflösung stelle ihn persönlich nicht vor Probleme: «Es sind schon lange keine neuen Benutzer aufgenommen worden, ein Indiz dafür, dass die Adresse dereinst aufgelöst werden könnte», sagt Bosshardt. Deshalb habe er früh genug auch auf andere Mailadressen gesetzt.

Geri Müller zeigt sich überrascht

Stadtammann Geri Müller zeigt sich zwar überrascht über die heftigen Reaktionen, gewinnt der ganzen Angelegenheit aber auch Positives ab. «Das zeigt doch, welch emotionalen Wert diese Baden-Adresse für viele Nutzer hat.» Schon nach den ersten Rückmeldungen sei dem Stadtrat deshalb klar gewesen, «dass wir etwas machen müssen». Man werde sich nun Zeit nehmen, um bis nach den Sportferien eine Lösung zu präsentieren, so Müller.

Gleichzeit hält er aber fest: «Am Grundsatzentscheid, den Freemail-Dienst aufzulösen, dürfte nicht mehr gerüttelt werden.» Denn dieser Entscheid sei kein Schuss in den Ofen gewesen, «sondern vielmehr ausführlich diskutiert worden».