Montagmorgen, der Magen knurrt. Die Zeit zum Frühstücken fehlt, weil der Bus in fünf Minuten losfährt. Auf dem Weg vom Badener Bahnhof-Ost zur Redaktion verkaufen verschiedenen Take-aways ihre Produkte. Ein Sandwich muss her, aber nicht irgendeines: Heute ist der erste Tag des neuen Lebens; vegetarisch war ein Mal, vegan soll es sein. Keine Eier, kein Käse, keine Milch und keine Butter; es werden in den nächsten vier Wochen überhaupt keine tierischen Produkte auf dem Teller oder in der Tasse landen. 

Eine Herausforderung für eine Anfängerin? Vermutlich nicht, das Vegansein ist total in. Das beweisen Veranstaltungen wie das Zürcher Strassenfest Vegana oder die vielen veganen Restaurants, die gemäss der Internetseite vegana.ch wie Pilze aus dem Boden schiessen. Deshalb sollte es wohl nicht all zu schwierig sein, ein veganes Sandwich in Baden zu bekommen oder ein Restaurant zu finden, das spezielle vegane Menüs oder zumindest vegane Varianten anbietet und diese ausweist.

Vegan, was ist das?

Nun ja, diese Vermutung entpuppte sich als eine zeitaufwendige Angelegenheit. Mit einer Ausnahme vorab: Im letzten Jahr eröffnete der Biolade Baden beim Gleis 1. Die Geschäftsführerin setzt nicht nur auf vegane und vegetarische Produkte, sondern auch auf gluten- und laktosefreie. «Bei uns gibt es für jeden etwas zu essen. Wir haben vegane und vegetarische Mittagsmenüs zum Mitnehmen, auf Wunsch auch glutenfreie», sagte Seline Schöpfer. Wer das nicht weiss, rennt beim Bahnhof von einem Take-away zum anderen und stellt dabei fest, dass der Begriff vegan längst nicht allen gängig ist: Die Verkäuferinnen beim «Delise» und «Coop-Bistro» im Metro-Shop machten grosse Augen, stockten und griffen schliesslich zum Tomaten-Mozerella-Sandwich. Auf die Frage, ob es denn keine Brötchen ohne tierische Produkte gebe, antworteten beide, es hätte in allen Butter drin. 

«Eine ausgewogene vegane Ernährung hat gesundheitliche Vorteile», sagt die Ernährungsberaterin.

«Eine ausgewogene vegane Ernährung hat gesundheitliche Vorteile», sagt die Ernährungsberaterin.

Das Personal beim «Brezel-König» und beim «Himmel» reagierte ähnlich perplex und die Verkäuferin beim Migros-Take-away? Diese schüttelte den Kopf und sagte, dass auf «solche Sachen» nicht geachtet würde. Einzig die Verkäuferin beim Backparadies Mosers im Metro-Shop nahm sich Zeit, um die Produktepalette abzuklappern, weil keines der bereits gestrichenen Sandwiches vegan war. «In vielen Broten hat es Butter, Milchpulver oder Spuren von Milch drin», erklärte sie. In einer Liste fand sie dann schliesslich das «Chnebeli» und bot an, ein veganes Sandwich mit Humus, Auberginen und Salat zuzubereiten. Das war sehr erfreulich. Der Nachteil: Veganer, die auf den Zug müssen, fehlt in der Regel die Zeit zum Diskutieren und Warten. Das soll sich bald ändern. Patrick Odermatt, Leiter Verkauf des Mosers Backparadies: «Wir arbeiten daran, ein festes Angebot für Veganer zu schaffen. Ab August gibt es zum Beispiel vegane Falafel.» Jürg Holstein vom «Himmel» konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Gluten- und Laktosefreies im Trend

Auf der Suche nach einem Restaurant, das vegane Menüs anbietet, half die Internetseite vegan.ch. Sie verfügt über alle Infos, die ein Veganer benötigt – auch über eine Liste mit Restaurants in der ganzen Schweiz, die auf Veganes spezialisiert sind oder zumindest vegane Speisen auf der Karte haben. Dort aufgeführt ist das «Cha Cha», eine Restaurant-Kette der Migros, sowie die «Unvermeidbar». Seit April gibt es dort drei Mal die Woche ein veganes Mittagsmenü, Rohkost oder glutenfreies Essen.

Thai-Liebhaber kommen im «Cha Cha» auf ihre Kosten. Die veganen Speisen sind übrigens mit einem Symbol gekennzeichnet, das lange Suchen auf der Menükarte fällt weg. Das kann doch nicht alles sein, weshalb das Badener Tagblatt den Streifzug durch die Stadt fortsetzte und die Speisekarten der Restaurants in der Stadt unter die Lupe nahm. Das Ergebnis: Bei «Frau Meise» gibt es veganes Frühstück, vegane, gluten- und laktosefreie Kuchen und Muffins sowie vegane und laktosefreie Getränke.

Und: Beim Restaurant Piazza bereiten die Köche auch veganes, gluten- und laktosefreies Essen zu. «Die Karte ist so aufgebaut, dass jeder sein Menü selber zusammenstellen kann», erklärte die Pächterin Romina Ettisberger. Besonders gefragt sei vegetarisches sowie gluten- und laktosefreies Essen.

Grossverteiler: Vegi ja, vegan nein

Was ist mit den Restaurants der Grossverteiler Migros und Coop? Wie die az berichtete, verkauft die Migros 85 und der Coop über 140 vegane Produkte. «Wir bieten in der Migros-Gastronomie zwar vegetarische Gerichte an, aber keine speziell veganen», nahm Andrea Bauer, Mediensprecherin der Genossenschaft Migros Aare, Stellung. Die Bedürfnisse würden laufend überprüft. «Sollten wir eine Veränderung feststellen, passen wir unser Angebot an.»

Laut Urs Jordi, Leiter Coop City in Aarau, gibt es auch in Coop-Restaurants «nur» vegetarische, aber keine speziellen veganen Menüs. «Veganer können sich bei den Mitarbeitenden im Restaurant informieren. Vegetarische Gerichte sind oft auch vegan», stellte er fest.

Auch im Manor können Veganer den Hunger stillen, speziell vegane Menüs gibt es laut den Köchen aber nicht. Das Fazit: Überraschend war, dass manche Lebensmittelverkäufer den Begriff vegan nicht kannten. Positiv ist, dass Allergiker und Veganer in Baden immerhin ein auf sie ausgerichtetes Take-away finden aber auch in Restaurants speziell essen können. Im Vergleich zu Zürich ist das vegane Fieber hier noch nicht so richtig ausgebrochen. Das Angebot ist definitiv ausbaubar – auch wenn viele Restaurants vegetarisch anbieten. Speziell vegan ist das auch nicht.

Hier finden Sie eine Auswahl von Restaurants, in denen ohne Voranmeldung vegan gegessen werden kann.