Wettingen

Murihof-Abbruch: Anwohner sahen die Katastrophe kommen – hätte man sie verhindern können?

Bauruine an der Dorfstrasse: Bis Ende Woche müssen die Überreste des Murihofs vor der Witterung geschützt werden.

Bauruine an der Dorfstrasse: Bis Ende Woche müssen die Überreste des Murihofs vor der Witterung geschützt werden.

Der mutmasslich illegal abgebrochene Murihof in Wettingen dürfte noch länger eine Bauruine bleiben. Vorerst muss dafür gesorgt werden, dass an dem Gebäude nicht noch mehr Schaden entsteht.

Der zu grossen Teilen zerstörte Murihof an der Wettinger Dorfstrasse gibt weiter zu reden. Viele Leute, die hier vorbeikommen, bleiben stehen. Manche ärgern sich. Andere wundern sich, wie das passieren konnte. Ein kurzer Rückblick: Der Hof aus dem Jahr 1640 war einst Lehnshof des Klosters Muri. Er ist im Bauinventar der Gemeinde Wettingen als schützenswertes Gebäude eingetragen.

Für ein Neubauprojekt auf dem Areal sollte ein Nebengebäude abgebrochen werden, im Murihof selbst sollten nach einer Sanierung ebenfalls Wohnungen entstehen. Am 3. Oktober rissen die Baumaschinen aber auch grosse Teile des geschützten Hauses nieder – und das mit aller Wahrscheinlichkeit illegal. Der Präsident des Schweizer Heimatschutzes, der Lenzburger Strafrechtsprofessor Martin Killias, sagte letzte Woche zu dieser Zeitung, der Abriss sei eine schwere Straftat. Auch mehrere Nachbarn hatten schon im Vorfeld Bedenken wegen des Bauprojekts.

Wäre es zu verhindern gewesen?

Ein ehemaliger Anwohner des Murihof-Grundstücks, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt zur Vorgeschichte: «Unsere Familie hat schon vor Jahren, als die erste Phase des Bauprojektes öffentlich auflag, bei der Gemeinde darum gebeten, dass man ein Auge auf dieses Bauprojekt werfe.»

Ein heutiger Anwohner meint dazu, es gehe ihm darum, dass bei dem Bauprojekt alles mit rechten Dingen ablaufe. Im Mai 2015 seien hier die Profilstangen montiert worden, als das Baugesuch öffentlich aufgelegt wurde. Er habe dann Einsprache gegen das Projekt erhoben und nochmals die Gemeinde darauf hingewiesen, dass man eine allfällige Baubewilligung genau prüfen solle.

Der Wettinger Gemeinderat und Bauvorsteher Martin Egloff (FDP) glaubt nicht, dass man den Abbruch hätte verhindern können: «Meines Erachtens haben die Mitarbeiter der Bauverwaltung sehr gut reagiert. Sie waren zügig vor Ort und haben den Baustopp so schnell wie möglich verhängt.» Das Haus sei innerhalb eines einzigen Tages zerstört worden. Als man auf der Gemeindeverwaltung davon erfahren habe, habe man unmittelbar gehandelt. «Wir müssen davon ausgehen, dass uns die Leute nicht anlügen», sagt Egloff.

Das Haus muss geschützt werden

Für die Neubauten hinter dem Murihof lag die Baufreigabe vor, dort hätte die Atai AG bauen dürfen. Für den Murihof selbst hatte die Gemeinde keine Baufreigabe erteilt. Die Gemeinde stehe mit dem Vertreter der Bauherrschaft in Kontakt. Die verlangte Stellungnahme zu den Vorfällen, die diese innerhalb von 20 Tagen einreichen muss, sei bisher nicht bei der Gemeinde eingetroffen. Die Frist läuft Mitte der nächsten Woche ab.

Noch bis zum Ende dieser Woche muss die Bauherrschaft zudem dafür sorgen, dass die Überreste des Gebäudes fachgerecht abgedeckt werden, damit es keine weitere Zerstörung durch Wettereinflüsse gibt. Ansonsten müsse das die Gemeinde auf Kosten der Bauherrschaft tun. «Bisher hatten wir Glück mit dem Wetter», sagt Egloff. «Aber jetzt muss das Haus geschützt werden. Sobald es feuchter wird, besteht sonst die Gefahr, dass sich zum Beispiel der Hausschwamm im Gebäude ausbreitet.»

Wie die Gemeinde schliesslich vorgeht, kann Egloff noch nicht abschliessend sagen: «Wir lassen uns auf jeden Fall von der Bauherrschaft nicht unter Druck setzen. Wir werden alle nötigen rechtlichen Schritte prüfen.»

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