Baden
Murmeln und Flüstern im alten Gemäuer

Mit den neuen Klangwürfeln von Musiker Andres Bosshard wird das Publikum Teil der Ausstellung Landvogteischloss und erlebt so manche ungeahnte Überraschung.

Ursula Burgherr
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Carol Nater Cartier (Leiterin Historisches Museum), Hanspeter Dold, Maximiliane Kroiss (Historisches Museum Baden), Christoph Gallio (GNOM) und Klangkünstler Andres Bosshard (v. l.) probieren das Klangwürfelspiel aus.

Carol Nater Cartier (Leiterin Historisches Museum), Hanspeter Dold, Maximiliane Kroiss (Historisches Museum Baden), Christoph Gallio (GNOM) und Klangkünstler Andres Bosshard (v. l.) probieren das Klangwürfelspiel aus.

Handlich und leicht sind die 50 Klangwürfel, die seit letztem Wochenende bis im Herbst am Eingang des Historischen Museums für den Gang durch das Landvogteischloss bezogen werden können. Anhand einer Art «Menüplan» haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, ihre Würfel in verschiedenen Versionen mit so schönen Namen wie «Stubenfliegenquartett», «Helikopter und Lava» oder «Predigt» auszuwählen.

Und dann geht es los auf die Reise durch die Schlossräume mit dem Klangwürfel in der Hand. Plötzlich ist ein Flüstern zu vernehmen. Eine Stimme murmelt etwas in unverständlicher Sprache. Der Blick fällt auf die Ritterrüstung. Steckt da jemand drin? Dann geht es die Wendeltreppe hoch. Ein Flattern dringt ans Ohr. Sind das Fledermäuse? Schlösser quietschen, Schritte hallen. Geflüster. Es ist, als ob die klingenden Kuben dem alten Gemäuer Leben einhauchen würden. Dann plötzlich blubbert es, Regen prasselt. Je enger die Räume desto intensiver die Geräusche. Das Summen der Fliege kann richtig lästig werden. Und da ist immer wieder Stille. Dann wandern die Augen neugierig suchend umher. Die Ohren sind gespitzt und warten auf das nächste Geräusch. Es ist ganz erstaunlich, wie die Sinneswahrnehmung verändert wird. Denn die eigene Fantasie verwebt die akustischen und optischen Eindrücke zu neuen Geschichten, und das Kopfkino fängt an zu laufen.

Schlosserlebnis-Tour für Familie

«Durch die Klangwürfel wird jeder Besucher Teil der Ausstellung und erlebt sie völlig neu», sagt Museumsleiterin Carol Nater Cartier. In Zusammenarbeit mit der Gruppe für neue Musik Baden (GNOM), die regelmässig Konzerte im «Melonenschnitz» veranstaltet, entstand die Idee einer Klanginstallation. Kreiert hat sie Musiker Andres Bosshard, der im Bereich Klangkunst als internationale Koryphäe gilt. Spielerisch gestaltet er Klangtürme, -inseln und -gärten im öffentlichen Raum. Hierzulande erschuf der 64-Jährige unter anderem den Klangturm für die Expo.02 in Biel und das Wasserspiel «Aquaretum» beim Hafen Enge, das sich nach seismischen Wellen richtet und als neues Wahrzeichen der Stadt Zürich gilt.

Für das interaktive Klangwürfelspiel im Landvogteischloss hat Bosshard jeden der 50 Würfel mit einem über anderthalbstündigen «Klanggarten» versehen. «Zwei Monate bin ich das Landvogteischloss auf und abgewandelt, habe wie ein Gespenst Türen knarren lassen, Schlösser umgedreht, Stühle gerückt», erzählt er. Auch eine Predigt über Noah und die Sintflut von Christina Huppenbauer, Pfarrerin der hiesigen reformierten Kirche, hat der Künstler aufgenommen. Und den Nachhall der Badener Kirchenglocken. Ob Kind oder Erwachsene: Wer lauscht, erlebt Überraschendes und lernt das Staunen wieder. Das interaktive Klangwürfelspiel wird voraussichtlich bis im Oktober für den Besuch des Landvogteischlosses erhältlich sein. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Donnerstag 12 bis 19 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr. Ebenfalls dieses Wochenende ist die Schlosserlebnis-Tour für die ganze Familie gestartet, bei der es gilt, Dornröschen aufzuwecken. Ein Tour-Heft führt von Posten zu Posten und erzählt die Geschichte von Dornröschen und ihrem neuen Zuhause, dem Landvogteischloss. Dabei gibt es knifflige Aufgaben zu lösen.