Das Museum Langmatt macht weiter mit dem Vorhaben, neue Räume in der alten Villa zu erschliessen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nachdem für die Ausstellung «Raumfahrt I» vor einem Jahr die ersten Kellerräume eröffnet wurden, werden nun für «Raumfahrt II» neu auch im Tankraum künstlerische Werke präsentiert. Dafür wurde im Winter der grosse, alte Öltank herausgenommen und der Raum durch die Zivildienstleistenden des Museums mit wenigen Mitteln instand gesetzt. Erneut wird die «Langmatt» also jenseits der herrschaftlichen Räume im Erdgeschoss erlebbar gemacht und wieder werden im Keller zeitgenössische Werke von Schweizer Künstlern gezeigt.

Unter dem Titel «Bruchstücke» thematisieren die Werke die bruchstückhaften Erzählungen, die heute in der Zeit der sozialen Medien entstehen. Im digitalen Zeitalter kann jeder simpel und rasant schnell seine persönlichen Eindrücke publik machen. Subjektive Erfahrungen gewinnen dadurch an Bedeutung und in der unübersichtlichen Informationsflut entsteht der Eindruck, die vielen Teile ergäben kein Ganzes mehr. Es gibt nicht mehr eine grosse Narrative der Welt, sondern unzählige verschiedene und bruchstückhafte.

Ästhetik der digitalen Welt

Dies findet Ausdruck etwa in den Hinterglasmalereien des Schweizer Künstlers Daniel Karrer, dessen Bilder wie grosse aufgehängte Felsbrocken daherkommen, die im Keller des Museums Langmatt schweben. Einerseits ist der umgekehrte Malprozess, bei dem auf einer Glasscheibe zuerst der Vordergrund und dann der Hintergrund des Bildes gemalt wird, sehr anspruchsvoll. Andererseits ähneln die bemalten Glasscheiben den auf Computerbildschirmen erzeugten Bildern und so der Ästhetik der digitalen Welt.

Im selben Raum werden drei Super-8-Filme von Deirdre O’Leary projiziert. Die Aufnahmen zeigen bruchstückhafte Erinnerungen von Reisen der Künstlerin, bei denen die Kamera sehr nahe und sehr langsam an Objekten vorbeizieht, in klarem Gegensatz zur heutigen Schnelllebigkeit der Bilder. Daneben zeigt die Künstlerin noch drei Theaterfiguren aus verschiedenen Teilen eines Kostüms, daneben ein Büchlein mit Handlungsanweisungen für die Figuren. Ein eigentliches Theaterstück entsteht dann je nach Vorstellung des Betrachters.

Gespräch mit Kunstschaffenden

Im neu erschlossenen Tankraum der Villa Langmatt stellt Micha Zweifel herausgebrochene Gipsreliefs aus Tonnegativen aus. Die aufgehängten Blöcke an den Wänden passen wieder zur bruchstückhaften Ästhetik, die sich durch die ganze Ausstellung zieht. Die Sessel und Zimmerpflanzen, die den Raum dekorieren, wirken in einem ersten Moment einladend, mit der Zeit aber sorgt der Kontrast einer Wohnzimmer- oder Terrasseneinrichtung in einem fensterlosen Kellerraum mit frisch bemalten silbernen und gelben Wänden für Irritation.

Die Ausstellung «Raumfahrt II» läuft noch bis Ende September. Morgen Mittwoch um 12.15 Uhr findet in der «Langmatt» ein öffentliches Gespräch mit den drei Kunstschaffenden Daniel Karrer, Deirdre O’Leary und Micha Zweifel sowie Kuratorin Daniela Minneboo statt.