Die jungen Schauspieler der Theatergruppe der Kanti Baden reden wild durcheinander, wuseln in der Aula herum und perfektionieren ihre Schminke. Bald beginnt die Hauptprobe ihres neuen Musicals «Der grosse Preis». Bereits heute Abend findet die erste Aufführung statt.

Den Plot hat Englisch- und Spanischlehrer Ueli Haenni geschrieben, die Musik der Klavierlehrer Gregor Loepfe komponiert: «Schon beim Lesen von Uelis Liedtexten habe ich einen Rhythmus im Kopf entwickelt.» Die gehaltvollen Musikstücke werden von einer achtköpfigen Schülerband gespielt, unterstützt von Violinlehrerin Ardina Nehring.

«S'ist Müssen und Mühen, die Freiheit vorbei»: Die Kanti-Schüler bei der Hauptprobe zum Musical «Der grosse Preis»

«S'ist Müssen und Mühen, die Freiheit vorbei»: Die Kanti-Schüler bei der Hauptprobe zum Musical «Der grosse Preis»

Weg von «geschützter Werkstatt»

Insgesamt 16 junge Bühnentalente spielen dieses Jahr mit. Das Stück handelt von Kantischülern, die eine problematische Ansicht haben. Sie denken, das richtige Leben beginne erst nach der Schule. «Diese Täuschung ist leider sehr präsent. Die jungen Erwachsenen realisieren nicht, was sie von der Schule alles abholen könnten», erklärt Haenni.

Er sehe zudem, dass sich die Schüler oft mit teils schlechten Leistungen durch die Prüfungen mogeln könnten. Und auch die Absenzen seien vielzählig. Trotzdem würden keine richtigen Konsequenzen für die Schüler ausfallen. Daraus ist die Idee für seinen Plot entstanden: Was wäre, wenn die Schule sich von dieser geschützten Werkstatt wegbewegen würde? Was wäre, wenn man die Schüler einem Experiment aussetzen würde? Wenn ihr Verhalten plötzlich genau beobachtet würde, und sie mit ernsthaften Konsequenzen rechnen müssten? Im Musical geschieht dies in Form eines Wettbewerbs: Es gewinnt jene Klasse, die sich unter strengen Bedingungen am besten beweisen kann.

Dabei müssen sich die Schüler entscheiden, ob sie bei mitmachen wollen – und sie wissen dabei nicht, dass die Beobachtung auch ohne ihr Einverständnis stattfindet. Das Thema des Experimentes wurde auch im Bühnenbild passend umgesetzt. Die Zuschauer blicken auf eine Art Labor, in dem die Schüler «fast wie die Ratten an ihren Pulten sitzen», sagt Haenni lachend.

«Die Geschichte soll kein Moralstück sein», sagt Haenni, «sie soll auf amüsante, liebevolle Art zeigen, was passiert, wenn es plötzlich ernst wird im Leben.» So wirft das Musical einen kritischen, aber humorvollen Blick auf die Klassendynamik einer durchschnittlichen Kantiklasse. Es zeigt, wie sie auf eine ungewohnte Situation reagiert. Und es beleuchtet die täglichen Spannungen unter den einzelnen Charakteren: Da gibt es zum Beispiel die vorlaute Zicke, den stets gut gelaunten Italiener, das verliebte Mädchen von nebenan, den Problemschüler oder die introvertierte Streberin.

«Grosse Spielfreude»

Introvertiert, das sind die jungen Schauspieler, zumindest auf der Bühne, überhaupt nicht. Mutig treten sie vor die hellen Scheinwerfer, singen mit klarer Stimme, schlüpfen gekonnt in ihre Rollen und lassen sich auch von kleinen Fehlern nicht aus der Ruhe bringen. «Die Herausforderung des Musicals gefällt mir. Ich habe grosse Freude am Schauspielern», sagt etwa der 19-jährige Kevin. Dass neben ihm nur noch zwei weitere junge Männer mitspielen, schreibt er der Angst zu: «Die anderen trauen sich einfach nicht». Und sein Kollege Elvio (18), der schon seit Jahren mitmacht, sagt: «Die haben einfach zu viel Stolz und wollen sich nicht blossstellen.» Ihm aber macht das keine Sorgen, er ist begeistert: «Dass man unterhaltend sein und Fragen aufwerfen kann, motiviert mich am Schauspielern.»

Das Theaterspielen bringe die jungen Menschen im Leben weiter, sagt Ueli Haenni: «So kann sich ihre Persönlichkeit bilden.» Dem stimmt auch Sophie (19) zu: «Man lernt viel über sich selber, wenn man einen anderen Menschen spielt.» Doch nicht nur der Lerneffekt gefällt den Schülern an der Theatergruppe, sondern auch die entspannte Stimmung: «Hier können wir mitreden.» Das typische Lehrer-Schüler-Verhältnis ist nicht präsent: Der Umgang untereinander ist sehr freundschaftlich, alle sind per Du.

Nun soll es aber losgehen mit der Hauptprobe. Die Schauspieler sind ganz aufgeregt. Die Proben seien sehr intensiv gewesen, sagt Haenni, aber die Freude sei gross, etwas wirklich Gutes sei entstanden. «Die Zuschauer erwartet ein hintersinniges, unterhaltsames Stück, lässige Musik und eine grosse Spielfreude der jungen Leute.» Für ihn ist es das letzte Schülertheater und deshalb besonders wichtig – er wird bald pensioniert: «Das ist mein letztes Statement», sagt er. «Ich bin schon etwas traurig, aber wenn es gut kommt, wird das einer der schönsten Momente in meinem Lehrerleben.» Dann widmet er sich wieder der Probe. «Jetzt volle Konzentration», ruft Haenni den jungen Schauspielern zu. Die Aufführung kann beginnen: «Licht an.»

«Der grosse Preis»:

11., 12., 18. und 19. März: 20 Uhr,

13. März und 20. März: 17 Uhr,

Aula Kantonsschule Baden