Baden
Musical «Menschen am Bahnhofplatz»: Gassenleute schildern ihre Not

Kein regelmässiges Einkommen, kaum Freunde: Das Musical «Menschen am Bahnhofplatz» gibt einen Einblick in das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft.

Carla Stampfli
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In der Aula Pfaffechappe in Baden wird intensiv für das Musical geprobt.

In der Aula Pfaffechappe in Baden wird intensiv für das Musical geprobt.

Carla Stampfli

Joe lebt am Rande der Gesellschaft. Seine Wohnverhältnisse sind prekär, er hat kaum Freunde und keine Arbeit, die ihm ein regelmässiges Einkommen garantiert. Geht er durch die Strassen, erntet er abschätzige Blicke, wenn überhaupt. Nun wird die Geschichte von Joe in einem Musical, das vom christlichen Sozialwerk Hope Baden organisiert wird, der Öffentlichkeit vorgeführt. Präsentiert wird das Stück mit dem Namen «Menschen am Bahnhofplatz» in einem Zelt mit 120 Sitzplätzen auf dem unteren Bahnhofplatz in Baden.

«Das Musical macht das Publikum auf verschiedene Lebensbereiche aufmerksam, mit denen Joe täglich konfrontiert ist und zu kämpfen hat», sagt Daniela Fleischmann, Geschäftsführerin von «Hope». Themen wie Armut, Freundschaft auf der Gasse, Geld, Gemeinschaft, Obdachlosigkeit und Würde zum Beispiel. Die Geschichte von Joe basiert auf wahren Gegebenheiten, die «Hope»-Mitarbeiter im Kontakt mit ihren Besuchern erleben.

Videointerviews werden projiziert

Rund 50 Personen sind an der Produktion und an der Aufführung beteiligt. Neben Joe, der von Pantomime und Regieassistent Tommi Zeuggin gespielt wird, untermalt ein 23-köpfiger Chor die Geschichte musikalisch. Er wird von Musikpädagogin Andrea Cattel geleitet und besteht aus «Hope»-Besuchern, Freiwilligen und Gastsängern. Auf der Bühne stehen auch Dirk, Alvin, Sent, Tschudi und weitere Sänger, die sich am Rande der Gesellschaft befinden oder waren. Auf einer Leinwand werden zudem Videointerviews projiziert von Personen, die sich regelmässig auf dem unteren Bahnhofplatz aufhalten und von ihren Erfahrungen erzählen.

Es ist das grösste Kultur-Projekt, welches das Sozialwerk bisher organisiert hat. Finanziert wird das Stück «Menschen am Bahnhofplatz» von mehreren Sponsoren und der Stadt Baden, die den Bahnhofplatz vergünstigt zur Verfügung stellt. «Das Wohl der Gesellschaft misst sich an den Schwächsten. Durch unsere Arbeit sehen wir, mit welchen Schwierigkeiten diese Menschen zu kämpfen haben», sagt Fleischmann. So pflegen Mitarbeiter nicht weniger als 300 Kontakte pro Woche mit «Hope»-Besuchern und Gassenleuten. «Mit dem Musical möchten wir das Verständnis der Gesellschaft gegenüber den Menschen am Rande der Gesellschaft stärken», sagt Fleischmann. Die unterschiedlichen Lebensweisen sollen erkannt und besser verstanden werden. Ängste und Barrieren sollen abgebaut, das Miteinander gefördert werden. «Auch geht es darum, durch die Einbindung von Betroffenen deren Selbstwertgefühl stärken zu können.» Das gebe den Menschen Identität und Mut für nächste Schritte.

«Menschen am Bahnhofplatz» soll das Publikum anregen, sich Gedanken über Themen zu machen, mit denen sie kaum oder nur am Rande zu tun haben. Am Schluss des Musicals können die Zuschauer auf einem Blatt Papier Ideen und Vorschläge aufschreiben. «Vielleicht ergeben sich neue Möglichkeiten oder die Bereitschaft, Wege zu ebnen», hofft Daniela Fleischmann.

«Menschen am Bahnhofplatz»: Vorstellungen am Freitag, 29. Juni, 19.30 Uhr. Samstag, 30. Juni, 9 bis 10.45 Uhr Brunch (20 Franken inkl. Sitzplatzreservation), Aufführung 10.45 Uhr (keine Sitzplatzreservation). Zelt am unteren Bahnhofplatz Baden.