Gebenstorf
Muslimische Gemeinschaft will Vereinslokal – Gemeinde lehnt Gesuch ab

Die islamisch-albanische Gemeinschaft will in einem Restaurant in Gebenstorf ein Vereinslokal errichten. Doch der Gemeinderat kennt kein Pardon: Er hat ein Gesuch des islamisch-albanischen Vereins abgelehnt. Dort wünscht man sich mehr Toleranz.

Pirmin Kramer
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Ein Umnutzungsgesuch für dieses Lokal lehnte der Gemeinderat ab.

Ein Umnutzungsgesuch für dieses Lokal lehnte der Gemeinderat ab.

AZ

Die Mitteilung des Gemeinderates ist kurz: «Das Baugesuch der islamisch-albanischen Gemeinschaft für die Umnutzung des bestehenden Restaurants in ein Vereinslokal auf Parzelle Nr. 223 an der Landstrasse 3 in Gebenstorf wurde abgewiesen», heisst es in einem Communiqué.

«Offiziell will die Gemeinschaft im ehemaligen Restaurant ein sogenanntes Vereinslokal einrichten», erklärt Gemeindeschreiber Stefan Gloor auf Anfrage.

Mannigfaltige Gründe hätten zum ablehnenden Entscheid geführt – auch politische Überlegungen. «In Tat und Wahrheit handelt es sich um ein Gebetszentrum, das entstehen soll. Das Vereinslokal wäre Schule, Wirtshaus und Gotteshaus in einem.»

Der Gemeinderat Gebenstorf sei der Ansicht, dass der Standort an der Landstrasse hierfür nicht geeignet sei.

Mit eingeflossen in den Entscheid seien auch Mitteilungen von Anwohnern, die sich beim Gemeinderat meldeten und die Befürchtung äusserten, der Wert ihrer Liegenschaften könnte sinken, würde sich die islamisch-albanische Gemeinschaft in der Nachbarschaft ansiedeln.

Gloor nennt weitere Gründe, die dazu geführt haben, dass das Umnutzungsgesuch abgelehnt wurde: «In unserer Gemeinde sind in den vergangenen Jahren fünf Restaurants verschwunden. Wir würden es begrüssen, gäbe es an der Landstrasse auch künftig ein Restaurant.»

Analysiert worden sei auch die Parkplatzsituation: «Wir gehen davon aus, dass ein Vereinslokal zu einem Anziehungspunkt für viele Gläubige aus der Schweiz und auch aus dem Ausland werden könnte.»

«Mehr Toleranz ein grosser Wunsch»

Bari Alija, Vorstandsmitglied der islamisch-albanischen Gemeinschaft, erklärt: «Seit 17 Jahren befindet sich unser Vereinslokal in Kirchdorf und gab bisher zu keinerlei Beanstandungen Anlass. Unsere Mitglieder haben beschlossen, eine eigene Räumlichkeit zu erwerben. Wir bedauern den Entscheid des Gebenstorfer Gemeinderates ausserordentlich. Wir werden den Entscheid genau prüfen und über das weitere Vorgehen beraten.»

Markus Leimbacher vertritt die islamisch-albanische Gemeinschaft als Anwalt. «Baurechtlich gibt es am Projekt nichts auszusetzen. Dessen ist sich wohl auch der Gemeinderat bewusst, seine Argumente für die ablehnende Haltung sind in erster Linie politischer Natur.»

Er sei überzeugt, dass für die Anwohner mit einem Vereinslokal weniger Lärm und Unannehmlichkeiten entstehen würden, als wenn weiterhin ein Restaurant geführt würde.

«Ängste vor anderen Religionen kann ich zwar zu einem gewissen Grade nachvollziehen, aber aus unserer Sicht wäre mehr Toleranz natürlich ein grosser Wunsch.»

Er befürchte, dass der Gemeinderat bereit sei, alle Hebel in Bewegung zu setzten, um ein Vereinslokal für die islamisch-albanische Gemeinschaft zu verhindern: «Ob wir rechtlich gegen den Ablehnungsentscheid vorgehen werden, steht noch nicht fest», sagt Leimbacher.