Film

Mutter und Sohn sorgen für Spannung auf dem Set

Luis und Edith Ventura.

Thriller

Luis und Edith Ventura.

Der Dreh des Films «A Confident Man» ist für Luis Ventura so etwas wie eine temporäre Rückkehr in die alte Heimat. Im Gespräch mit der az sagt er, warum das so ist.

Der gebürtige Badener mit Wohnsitz in London findet in der Limmatstadt ideale Kulissen für seinen international besetzten Spielfilm-Thriller.

Luis Ventura, viele Schweizer träumen von einer internationalen Karriere im Filmbusiness. Sie haben als Regisseur in London Fuss gefasst und kehren jetzt mit einer englischen Schauspielcrew in Ihre Heimat Baden zurück, um hier einen Spielfilm zu drehen. Das ist ungewöhnlich.

Luis Ventura: Die Schweiz bietet für mich nach wie vor ideale Bedingungen für Filmdreharbeiten. Die Schweizerinnen und Schweizer zeichnen sich durch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus. Auch Freiwillige, die bei unserem Low-Budget-Projekt mitwirken, arbeiten zuverlässig und exakt. Solche Werte habe ich erst im Ausland wirklich schätzen gelernt. In England hatten wir dafür eine grosse Auswahl an Schauspielern. Für die Castings meldeten sich talentierte Darsteller en masse. So konnten wir jede Rolle ideal besetzen.

Ihre Mutter, Edith Ventura, ist Produzentin von «A Confident Man». Ist die Zusammenarbeit in solch engem familiärem Rahmen manchmal schwierig?

Luis Ventura: Das ist eine Frage der Einstellung. Wir haben einen knappen Zeitrahmen, da die Dreharbeiten nur sechs Wochen dauern. Deshalb sind wir 14 bis 16 Stunden am Tag im Einsatz. Da kann es auch mal zu heftigen Diskussionen kommen. Aber das gehört zum kreativen Prozess und ist niemals persönlich gemeint. Unsere Maxime: Ist ein Tag fertig gefilmt, fängt man am nächsten Morgen wieder neu an. Ohne Ressentiments.

Edith Ventura: Sowohl Luis als auch seine Schwester gingen zur Ausbildung nach England. Ich musste früh loslassen und darauf vertrauen, dass sie als eigenständige Persönlichkeiten das Richtige tun. Das ist für mich jetzt ein Vorteil. Auf dem Set kann ich meinen Sohn als Chef respektieren. Wenn er Regie führt, hat er das Sagen. Ich sorge als Produzentin dafür, dass organisatorisch alles gut läuft. Das liegt mir, denn ich habe meine Familie schon durch die halbe Welt gemanagt. Wegen dem Beruf meines Mannes wechselten wir unseren Wohnsitz alle paar Jahre. Von Baden ging es nach Singapur, dann lebten wir Rom und später in Frankfurt. Jedes Mal galt es, sich auf neue Mentalitäten, Lokalitäten und eine andere Sprache einzustellen. Dadurch haben wir alle eine enorme Flexibilität entwickelt.

Edith Ventura, was bedeutet Ihnen Baden als Weltenbummlerin?

Edith Ventura: Auch wenn wir seit 1985 nicht mehr hier wohnen, ist Baden für mich immer noch die Heimat. Auf unseren sporadischen Besuchen aus allen Ecken der Welt war Baden stets wie ein Hafen. Gerade mit einer gewissen Distanz fällt auf, wie sehr sich die kleine Stadt über die Jahre zu ihrem Vorteil gewandelt hat. Sowohl kulturell als auch architektonisch in den zahlreichen Industriearealen, die lange Zeit brach lagen.

Luis Ventura, was macht Baden für Dreharbeiten attraktiv?

Luis Ventura: Die Stadt bietet eine filmreife Kulisse nach der anderen. Vor allem die verwinkelte Altstadt mit ihren einsamen Ecken ist geradezu ideal für einen romantischen, tiefgründigen «Film noir». Trotzdem: In einer Gehdistanz von nur rund zehn Minuten fühlt man sich wie inmitten von «Industrial LA». Die atmosphärische Dichte der Limmatstadt hat auch den Drehbuchautor Ludwik Benning für die Entwicklung der Hauptpersonen inspiriert.

Wie reagieren die Schauspieler aus London auf die Stadt?

Luis Ventura: Jene, die zurückflogen, weil ihre Szenen abgedreht sind, waren richtig traurig, dass sie Baden verlassen mussten. Die ungewohnte Ruhe und die grünen Naherholungsgebiete, die man in Gehdistanz ab dem Stadtzentrum erreichen kann, waren für viele eine völlig neue Erfahrung. Ebenso das Vertrauen, das der Staat in jeden einzelnen Bürger setzt. Als wir an einem Abend im Wald ein Feuer machten, waren die Darsteller ob der legalen Grillstelle sehr erstaunt. Öffentliche Feuerstellen sind in England «absolutly impossible».

Das klingt alles sehr begeistert. Warum kehren Sie nicht in ihre ursprüngliche Heimatstadt Baden zurück?

Luis Ventura: Ich überlege mir, auf Ende Jahr wieder in die Schweiz zu ziehen – in die Region Baden. Aber für mich als Regisseur ist und bleibt der Draht zu London wichtig. Hin- und Herpendeln wäre ideal. Die fantastischen Erfahrungen, die wir bei unseren Dreharbeiten im Aargau machen konnten, werden mich ganz sicher für künftige Projekte wieder hierher führen. Wenn alles klappt, findet die Premiere von «A Confident Man» in Baden statt.

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