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Daniel Weissenbrunner
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Die Brücke über die Limmat in Oetwil bildet die Kantonsgrenze und ist das Eingangstor in ein unerwartetes, sensibles Naturparadies. Fast wie in einem Fellini-Film: Der Limmatuferweg führt direkt über die Autobahnraststätte in Würenlos. Der See im Fluss: Der acht Kilometer lange Wettinger Stausee ist ein beliebter Ort, um sich abzukühlen. Zeitzeugen der Industrialisierung: Die Gwagglibrugg verbindet die Wettinger Klosterhalbinsel mit Neuenhof.
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Die Brücke über die Limmat in Oetwil bildet die Kantonsgrenze und ist das Eingangstor in ein unerwartetes, sensibles Naturparadies. Fast wie in einem Fellini-Film: Der Limmatuferweg führt direkt über die Autobahnraststätte in Würenlos. Der See im Fluss: Der acht Kilometer lange Wettinger Stausee ist ein beliebter Ort, um sich abzukühlen. Zeitzeugen der Industrialisierung: Die Gwagglibrugg verbindet die Wettinger Klosterhalbinsel mit Neuenhof.
Die Brücke über die Limmat in Oetwil bildet die Kantonsgrenze und ist das Eingangstor in ein unerwartetes, sensibles Naturparadies. Fast wie in einem Fellini-Film: Der Limmatuferweg führt direkt über die Autobahnraststätte in Würenlos. Der See im Fluss: Der acht Kilometer lange Wettinger Stausee ist ein beliebter Ort, um sich abzukühlen. Zeitzeugen der Industrialisierung: Die Gwagglibrugg verbindet die Wettinger Klosterhalbinsel mit Neuenhof.

Die Brücke über die Limmat in Oetwil bildet die Kantonsgrenze und ist das Eingangstor in ein unerwartetes, sensibles Naturparadies. Fast wie in einem Fellini-Film: Der Limmatuferweg führt direkt über die Autobahnraststätte in Würenlos. Der See im Fluss: Der acht Kilometer lange Wettinger Stausee ist ein beliebter Ort, um sich abzukühlen. Zeitzeugen der Industrialisierung: Die Gwagglibrugg verbindet die Wettinger Klosterhalbinsel mit Neuenhof.

Bild: Claudio Thoma Bilder: Claudio Thoma

Hier endet der Kanton Zürich und beginnt der Aargau. Wir stehen auf der Brücke an der Mutschellenstrasse in Oetwil an der Limmat. Unter uns schwimmt eine Schwanenfamilie erhaben durch ihr Revier und treibt flussabwärts. Die Idylle wird nur vom nahen Motorenlärm gestört. Wenige hundert Meter entfernt bahnt sich die am stärksten befahrene Verkehrsverbindung der Schweiz ihren Weg. Über 130000 Fahrzeuge brausen hier täglich durch, vorbei an den Einkaufszentren in Spreitenbach, der Autobahnraststätte Würenlos bis zum Bareggtunnel, wo die Autobahn sich aus dem Tal verabschiedet. Das Navi berechnet für diesen 13,6 Kilometer langen Abschnitt von der Kantonsgrenze bis nach Baden 10 Minuten. Wir nehmen den Uferweg unter die Füsse – entlang der grünen A1 – und lassen das Dröhnen hinter uns. Also los!

Im Limmattal hat es mehr als zwanzig Städte und Gemeinden. Es mag überraschen, dass trotz des Siedlungsdrucks die Limmat sich ihren Platz im Auenschutzpark Aargau bewahren konnte. Auf mehreren Abschnitten finden sich Verlandungsflächen mit Schilfgürteln, abbrechende Ufer und urtümliche Weidenbäume. Die ausgeprägtesten Gebiete liegen direkt vor uns zwischen Spreitenbach und Wettingen.

Hier fühlen sich nicht nur Pirol, Gänsesäger und Eisvogel heimisch. Vor gut 20 Jahren wurde der schmale Landstreifen zwischen Festland und Halbinsel abgegraben und so der Zugang zur sogenannten Biberinsel erschwert, damit dem Nager sein Lebensraum erhalten bleibt.

Wem bereits nach einer Pause zumute ist, dem bietet sich am Ufer des Spreitenbacher Neuhardquartiers eine Feuerstelle der «Schweizer Familie» an. Wer es beschaulicher mag, der wählt das «Chesselwegli» auf der anderen Seite Richtung Würenlos.

Genügend Zeit, die Frage zu klären, wie die Limmat überhaupt zu ihrem Namen kam – was sich als gar nicht einfach herausstellt. Die Gelehrten sind sich bis heute uneinig. Wahrscheinlich stammt er aber aus dem Keltischen von «lindo» und «magos», «Gewässer» und «Ebene» ab. Gestützt wird die These aus römischen Inschriften, die vor einigen Jahren in der Nähe von Rapperswil-Jona entdeckt wurden.

Wie der Lebensraum Natur erhalten werden soll

Rund 300000 Personen wohnen und arbeiten im Limmattal. Je mehr Leute hier leben, umso grösser würden auch die Ansprüche an Frei- und Erholungsräume, sagt Raumplaner Christian Bach­ofner. «Attraktive Gebiete sind daher von grosser Bedeutung.»

Die Landschaftsausstellung «Wachgeküsst» setzte sich im vergangenen Jahr mit dem Thema auseinander. Sie ist Teil der Regionalen 2025, einer Projektschau der Limmattaler Gemeinden und der Kantone Aargau und Zürich. «Sie leisten Beiträge zu einem lebenswerten Limmattal», so Bachofner. Studierende stellten elf Installationen vor. Ihre Aufgabe bestand darin, sich mit den Herausforderungen und Chancen dieses Landschaftsraums auseinanderzusetzen.

Christian Bachofner, der für den Kanton Aargau im Departement Bau, Verkehr und Umwelt arbeitet, hatte die Ausstellung initiiert. «Durch seine Lage – das Limmattal ist ein Zugangstor zum Metropolitanraum Zürich – und seine Entwicklungsdynamik muss das Tal einiges tragen», sagt er.

Wie schmal die Linie zwischen unberührter Natur und Zivilisation verläuft, wird an der Autobahnraststätte Würenlos deutlich. Hier führt der Wanderweg direkt über den Parkplatz des im Volksmund bekannten Fressbalkens. Uns erfasst eine surreale Szenerie, wie in einem Fellini- Film. Soeben noch vom Dschungelambiente umgeben, rasen plötzlich nur wenige Meter entfernt die Fahrzeuge vorbei.

Exotische Düfte und eine wacklige Brücke

Der Uferweg führt weiter Richtung Wettingen und Baden. Vor uns liegt ein Korridor, der sich mit seiner Kultur, Industriegeschichte und Innovation – in unmittelbarer Nähe zu den Mauern des Kloster Wettingen – einen Namen gemacht hat. Wir halten am Limmatsee, einem beliebten Ort für eine willkommene Abkühlung. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich baute zwischen 1930 bis 1933 eine rund 18 Meter hohe Staumauer oberhalb der Holz- und Eisenbahnbrücke Wettingen/Neuenhof, die gerade einer umfangreichen Renovation un- terzogen wird. Der natürliche Fluss der Limmat wurde dadurch unterbrochen. Im Oberwasser entstand der rund acht Kilometer lange Wettinger Stausee.

Hier steht auch die Schrebergartensiedlung des Familien­gartenvereins Wettingen. Die drei Hektaren grosse Anlage ist mit ihren 120 Gärten ein eigener Mikrokosmos und kultureller Schmelztiegel. Wer an lauen Sommerabenden hier vorbei spaziert, wird von exotischen- und traditionelle Düften eingehüllt.

Nach dem Kloster Wettin- gen überqueren wir die Paul Fischer Brücke, auch bekannt als Gwaggli­brugg. Die wackelnde Hängebrücke zwischen der Wettinger Klosterhalbinsel und dem Gebiet Klosterrüti gehört zu den ältesten Drahtseilhängebrücken der Schweiz. 1863 wurde sie vom Besitzer der Spinnerei von Wettingen, Johann Wild, in Auftrag gegeben.

Auf dem Kulturweg nach Baden

Die ersten Fabrikbauten an der Aargauer Limmat waren an die Wasserkraft gebunden, unter anderem in der Aue in Baden (1837–1904). Ein wichtiger Energieträger auch für die Industrialisierung der Stadt Zürich, wo unter anderem die 1805 gegründete Aktiengesellschaft Escher-Wyss zahlreiche Wasserrechte erwarb.

Kurz vor dem Bareggtunnel trennen sich Limmat und A1. Der letzte Abschnitt der Wanderung führt auf den Badener Kulturweg, der im Nachgang zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft 1991 entstand. Die Idee: Zeitgenössische Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Entstanden ist ein Trail, auf dem 27 Werke ausgestellt sind.

Nach zweidreiviertel Stunden Marschzeit, 13,3 Kilometern und 18000 Schritten erreichen wir schliesslich die Bäderstadt Baden. Wer den letzten Abschnitt der Limmat bis zum Wasserschloss bei Turgi weitergeht, sollte nochmals gleich viel Zeit einplanen. Dort mündet die Limmat nach 36 Kilometern in die Aare. Oder wie es Schriftsteller Urs Widmer in seinen Limmat-Geschichten beschrieb, sie in der Anonymität der Aare verschwindet.