Mit Tränen in den Augen und stockender Stimme verkündete Markus Friedli (60) die Nachricht, die auch die im Restaurant versammelten Freunde der Wirtefamilie leer schlucken liess: «Ich möchte euch mitteilen, dass wir das Restaurant Täfere per Ende Dezember 2017 verkauft haben.»

Seit vier Generationen beziehungsweise dem Jahr 1880 wirtet die Familie im Restaurant, das sich im Badener Ortsteil Dättwil befindet.

Markus Friedli und seine Frau Rosmarie führen die «Täfere» seit 34 Jahren. «Wir waren weder aus finanziellen Nöten noch aus gesundheitlichen Gründen zum Verkauf gezwungen. Der Entscheid wurde innerhalb der Familie gründlich diskutiert und wir haben diesen letztendlich zusammen getroffen», hielt er fest.

Markus und Rosmarie Friedli im Restaurant Täfere im Badener Ortsteil Dättwil. Das Foto entstand 2013 anlässlich ihres 30-Jahre-Jubiläums als Täfere-Wirte.

Markus und Rosmarie Friedli im Restaurant Täfere im Badener Ortsteil Dättwil. Das Foto entstand 2013 anlässlich ihres 30-Jahre-Jubiläums als Täfere-Wirte.

«Unsere Kinder gehen nun ihre eigenen Wege, allerdings nicht an diesem Standort hier, worauf ich jedoch ausserordentlich stolz bin. Denn es ist jetzt an der Zeit, auf der Täfere Platz für Neues zu schaffen.»

Gebaut wird auf dem Areal, zu dem neben dem Wirtshaus eine Scheune und Parkplätze gehören, ein Geschäftshaus-Komplex mit dem Namen Täfernhof 3.

Er wird die beiden bestehenden Gebäude Täfernhof 1 und Täfernhof 2 ergänzen. Käuferin der Täfere-Parzelle ist wiederum die Firma Nairinella AG, die sich im Besitz der Familie um den schweizerisch-deutschen Multimilliardär Karl-Heinz Kipp (92) befindet.

Den Grundstein seines Vermögens, das die Bilanz 2015 auf 4,25 Milliarden Schweizer Franken schätzte, legte Kipp nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem Verkauf von Trachten, Unterwäsche und Kittelschürzen.

Gemeinsam mit seiner Frau gründete er in den 1960er-Jahren in Deutschland die Verbrauchermarktkette Massa, ehe die Kipps in den 80er-Jahren Schweizer Hotels zu kaufen begannen.

Zum Kipp-Familienbesitz gehören neben dem Tschuggen in Arosa unter anderem die Fünfsternehäuser Eden Roc in Ascona und das Carlton in St. Moritz.

Inzwischen kümmert sich Karl-Heinz Kipp hauptsächlich um Hotels und sonstige Immobilien, wobei auch die Firma Narinella, die das Täfern-Areal kauft, eine Immobilienfirma ist.

Kipp vermachte sie zwei seiner acht Enkelinnen und Enkeln. Wie bei den bisherigen Täfernhof-Bauten wird erneut Walter Kohler die architektonische Federführung haben, erklärte Rolf Stephani, der Badener Fürsprecher der neuen Besitzer.

«Noch offen ist, ob vielleicht doch noch ein neues Restaurant Täfern entstehen wird, das die bisherige Tradition der Familie Friedli weiterführen wird. Dann lebt vielleicht sogar wieder die unvergessliche Metzgete-Tradition auf», so Stephani.

«Mich beeindrucken die neuen Gebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft», sagt Markus Friedli. Nach der Fertigstellung des Täfernhofs 2 habe er sich Gedanken gemacht, dass ein neues Gebäude an Stelle des Restaurants das Quartier vervollständigen könnte.

«Ich bin überzeugt, dass der Täfernhof 3 ein Meilenstein für Dättwil sein wird. Und wenn jemand den Geist der Täfere weiter tragen wird, kann dies niemand geringerer sein als diejenigen, welche ihre Geschäftshäuser nach der Täfere benennen», zeigt er sich zufrieden mit der Käuferschaft.

Falls im Zusammenhang mit dem Neubau auch ein neues Restaurant Täfere entstehe, würde dies ihn und seine Frau besonders freuen, sagt Markus Friedli.

Die beiden übernahmen das Restaurant in den 1980er-Jahren von seinen Eltern. «Wir waren jung, unerfahren und bestimmt auch etwas naiv.

Trotzdem haben wir als junge Familie alles unter einen Hut gebracht, worauf wir stolz sind. Unser Prinzip war immer, die Täfere im Sinne unserer Vorfahren als rustikalen Treffpunkt für jedermann – vom einfachen Handwerker bis hin zu Bundesräten –zu führen.»

Der letzte Arbeitstag wird der 24. November 2017 sein. «Wir werden den Schlüssel ohne Groll drehen, stattdessen mit Stolz Abschied nehmen.»

Auch die «Aargauer Zeitung» beziehungsweise das «Badener Tagblatt» hat übrigens eine spezielle Beziehung zur Täfere.

Markus Friedli erzählt: «Während der Jagdsaison war der damalige Verleger Otto Wanner jeden Samstag mit seinen Jagdkollegen in der Gaststube anzutreffen.»

Daraus entstand Anfang der 1960er-Jahre der BT-Chlaus, zu dem der Verleger Grössen aus Politik und Wirtschaft einlud. Sein Sohn und heutiger Verleger Peter Wanner hat die Tradition fortgeführt.

Restaurant Täfern in Dättwil