Untersiggenthal
Nach 14 Monaten im Tierheim eine neue Chance bekommen

Der «Sonntag» bringt regelmässig Hunde und Katzen in der Rubrik «Tiervermittlung» – Schäfermischling Tina hat ein gutes Zuhause gefunden

Roman Huber
Merken
Drucken
Teilen
Tina ist zurück im Leben

Tina ist zurück im Leben

rr

«Es war ein sehr intensives Jahr», resümiert Astrid Becker, die als Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins auch für das Tierheim in Untersiggenthal zuständig ist. Ein wichtiger Bereich ist die Vermittlung von Tieren, die aus irgendeinem Grund im Tierheim landen und dort auf ein neues Zuhause warten.

Kleine Hunde seien viel besser zu vermitteln als grosse, erzählt Becker. Besonders schwer hätten es Listenhunde. Meistens haben Tiere eine besondere Lebensgeschichte hinter sich, die man oft nicht bis ins Detail kennt. Gelangen sie ins Tierheim, winkt manchmal eine neue Lebenschance. Für viele Hunde ist das Zusammensein mit Artgenossen aber nicht einfach. Das liegt keineswegs an mangelnder Fürsorge oder Pflege im Tierheim, vielmehr am Wesen und an den Erfahrungen dieser Tiere.

Die bald 5-jährige Schäfermischlingshündin Tina verbrachte 14 Monate im Tierheim. Der Vorbesitzer war aufgrund seines hohen Alters überfordert. Tina war unterbeschäftigt und zeigte dies darin, dass sie mit Dingen des Alltags nicht umgehen konnte. Mehrmals riss sie sich von ihrem Halter los. Jogger und Autos wurden zu Jagdobjekten, gegenüber anderen Hunden mündete ihre Unsicherheit in ein Verhalten, das dem Motto «Angriff ist die beste Verteidigung» entsprach. Nach zwei Beissvorfällen wurden vom kantonalen Veterinärdienst Maulkorb und Leinenzwang auferlegt – die klassische Symptombekämpfung, die an der unglücklichen Situation von Tina aber überhaupt nichts änderte.

Dass sie im Tierheim landete, eröffnete ihr die Chance auf ein neues Leben, das sie inzwischen gefunden hat. Bettina Fässler, die im Tierheim aushilft, hatte Tina sehr früh ins Herz geschlossen. Bald einmal wurde ihr klar, dass sie Tina ein neues Zuhause geben würde. Sie wusste, wenn Tina im Tierheim nicht klarkam, sich manchmal hochschraubte und in den Gitterzaun biss, dass sie auch eine sanfte Seite hatte.

«Ich würde sie nie mehr hergeben», sagt Bettina Fässler nach einigen Wochen mit Tina. Sie habe gewusst, dass Tina viel Kopfarbeit, ruhige Beschäftigungen und vor allem viel Geduld, Respekt und Vertrauen brauche, damit sie im Leben den Tritt finden würde. Waren es zu Beginn alltägliche Dinge wie das Läuten des Telefons, Autos und anderes, was sie nervös machen konnten, nimmt sie es heute bereits viel ruhiger und entspannter. Auch muss sie ihr früheres auffälliges Verhalten nicht mehr zeigen, ob an der Leine oder wenn sie frei ist. Fässler kennt Tina inzwischen gut und weiss, dass sie schwierigen Situationen besser ausweicht. Einiges, ebenso in Sachen Sozialverhalten, musste Tina von Grund auf lernen. «Und ich weiss, dass es noch ein paar Baustellen gibt», sagt die Halterin. Doch ebenso vieles funktioniere bereits gut, fügt sie an.

Auch im Jahr 2013 will Bettina Fässler mit Tina weiterkommen. «Sie muss noch einiges dazulernen», hält sie fest. Sie weiss, dass Tina nebst Tierliebe auch Klarheit braucht und dass man ihr – mit gebotener Fairness – Grenzen setzen muss. Tina hat ihre Chance erhalten, andere Tiere warten noch darauf.