«Ich hatte es immer gut, sowohl mit der Bevölkerung wie mit den Politikern», sagt Jürg Feitknecht beim Rückblick auf seine 17 Arbeitsjahre in Wettingen. Am 30. Juli ist sein letzter Arbeitstag im Rathaus.

Danach wird er aufgelaufene Ferien einziehen und Ende September endgültig pensioniert. Als ruhiger, eher zurückhaltender Mensch, legte Feitknecht immer grossen Wert auf gute Beziehungen zur Bevölkerung.

«Ein Polizist muss korrekt sein», betont er. Denn letztlich sei in einer Gemeinde die soziale Kontrolle über die Polizisten stärker als die Kontrolle der Polizei über die Einwohner.

1997 war Feitknecht, als Leiter der Sicherheitsabteilung, in den Dienst der Gemeinde getreten. Ihm unterstanden auch Einwohnerkontrolle, Militär und Zivilschutz, bekannt war er aber als Chef der Gemeindepolizei.

«Das Korps zählte 13 Mitarbeiter, die Gemeinde rund 18 000 Einwohner», erinnert er sich. Aus der Gemeindepolizei Wettingen ist die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal geworden, deren 33 Mitarbeiter für 6 Gemeinden mit rund 50 000 Einwohner zuständig sind.

«Die Polizei war eine dauernde Baustelle», sagt er. Planerische Aufgaben hatten die Polizisten noch in seinem ersten Amtsjahr. Der Einwohnerrat hatte ein Parkraumkonzept verabschiedet.

«Damals ist das Korps mit den Plänen ausgeschwärmt und hat in den Strassen festgelegt, wo Parkplätze markiert werden sollen.»

Grenzenlose Zusammenarbeit

1998 begann die Zusammenarbeit auf regionaler Ebene. Die Gemeindepolizei Wettingen und die Stadtpolizei Baden führten die Nachtpatrouillen gemeinsam durch, das Wettinger Polizeitelefon wurde nachts zur Stadtpolizei Baden umgeleitet.

«Da von profitierten beide Korps, wir mussten weniger Leute einsetzten.» 2004 endete diese Kooperation, beide Polizeikorps hatten zusätzliche Aufgaben zu meistern, die neue Strukturen erforderten.

«Wir übernahmen auch die Polizei Neuenhof, Baden dehnte sich nach Westen aus.» Das Wettinger Korps wuchs auf 15,5 Stellen. 2004 war überhaupt ein Jahr des Wechsels. «Mit dem neuen Berufsstatut wurde die Bezeichnung Polizist zum geschützten Titel.»

Es durfte sich nur noch Polizist nennen, wer die Ausbildung in einer der zentralen Polizeischulen, wie in Hitzkirch, absolviert hatte.» Das brachte eine Qualitätsverbesserung, führte aber zugleich zum Personalmangel. «Wir hatten zu kämpfen, weil viele Polizisten abgeworben wurden.»

Ein Polizist als Partner der Jugend

Mit Alan Pistone setzte Feitknecht 2007 erstmals in Wettingen einen Jugendpolizisten ein. «Diese Funktion hat sich sehr bewährt», stellt Feitknecht fest. Pistone konnte das Vertrauen der Jugendlichen gewinnen und heute steht ihm Oliver Lehner zur Seite.

Zusammen mit der 1999 neu konzipierten Verkehrsschulung für die Schüler wurden die Kontakte zu Kindern und Jugendlichen verbessert. «Das ist wichtig für das weitere Zusammenleben.»

Die grossen Veränderungen brachte 2007 das kantonale Polizeigesetz, die Pflichten zwischen Kantonspolizei und Gemeindepolizei wurden neu geregelt. «Unsere Aufgaben wurden noch polizeispezifischer, wir wurden mit dem Rapport- und Funksystem der Kantonspolizei zusammengeschaltet.»

Seither habe die Arbeit stark zugenommen. «So müssen wir Rechtshilfe leisten, wenn ein Autofahrer in Konstanz oder Zürich ein Verkehrsdelikt begeht.» All dies bringt mehr Büroarbeit: «Dabei sollten wir mehr im Aussendienst sein.»

2009 übernahm Wettingen die Gemeindepolizei Würenlos und auf den 1. Januar 2013 kam es zur Fusion mit der Regionalpolizei Spreitenbach. In diesem Jahr wird die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal aufgebaut.

«Es ist wieder ein Jahr des Umbruchs, wir sind eben eine Baustelle», stellt Feitknecht fest. Letztes Jahr ist er krankheitshalber länger ausgefallen.

«Das war ein Fingerzeig von oben.» Er kam zum Schluss, dass es Zeit war, sich zurückzuziehen: «Es ist nun die Aufgabe von Roland Jenni, das Korps aufzubauen.» Jenni leitet die Regionalpolizei seit dem 1. Juni.

Ein Berufsleben als Polizist

Für Jürg Feitknecht und seine Frau Kathrin beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt. «Wir werden an den Walensee zügeln.» Vor 38 Jahren haben sie die gemeinsame Reise angetreten.

Sie heirateten und Jürg, gelernter Elektromechaniker, ging zur Polizei. Er war Polizist in den Kantonen St. Gallen und Zürich, danach sechs Jahre Polizeichef in Arosa und sieben Jahre Polizeichef in Interlaken.

Dann wurde er zum Leiter der Sicherheitsabteilung Wettingen und damit Polizeichef der grössten Gemeinde des Kantons Aargau gewählt.