Ein eigenes Haus im Grünen mit Garten: Markus und Daniela Müller verwirklichten sich diesen Traum vor 20 Jahren in Künten. Doch dieser Traum hat sich unterdessen in einen Albtraum verwandelt. Das Problem: Der Garten liegt zu einem grossen Teil in der Landwirtschaftszone. Bepflanzen ist erlaubt. Sitzplatz sowie die Stützmauer als Hangabsicherung müssen aber weg und der Garten von der rund fünf Meter entfernten Böschung bis zur Hauswand wieder aufgeschüttet werden.

Mit einem nachträglichen Baugesuch wollten die Müllers die Sache regeln. Aber sowohl das Verwaltungsgericht als auch das Bundesgericht entschieden, dass sie den Garten entweder umzonen oder renaturieren müssen. Nur: Den Garten haben die Müllers gar nicht ausgehoben, wie sie nun gegenüber dem Badener Tagblatt erzählen. Auch die beanstandeten Stützmauern und die Treppe waren bei ihrem Einzug schon da.

Aber der Reihe nach: 1995 kaufte die Familie Müller einen Teil eines neu gebauten Doppeleinfamilienhauses in Künten. Schlüsselfertig. Der Verkäufer, ein ehemaliger Gemeinderat, erstellte auch den Garten. Da die Liegenschaft am Hang liegt, hob er den Garten aus, planierte den Grund, befestigte Granitblöcke als Stützmauern für die Böschung und setzte Platten für einen ersten Sitzplatz, der über 90 Prozent in der Landwirtschaftszone liegt. Die Bauverwaltung von Künten nahm das Haus und den Garten ab. In der damaligen Zeit war es vor allem auf dem Land üblich, dass solche Gärten in der Landwirtschaftszone toleriert wurden.

Garten nach 18 Jahren beanstandet

Die Müllers konnten einziehen. 281 Quadratmeter, also fast der ganze Garten, gehören nach wie vor dem Verkäufer. Die Landwirtschaftsgesetzgebung verbot eine Abparzellierung. Markus und Daniela Müller erhielten aber mittels eines Dienstbarkeitsvertrages das alleinige Gestaltungs- und Bepflanzungsrecht. Ein gängiger Weg, den Garten ohne Nachteile nutzen zu können. Die Müllers säten dann auch eine Wiese, pflanzten Blumen und Sträucher. Zudem ersetzten sie die grossen Granitblöcke durch kleinere Steine. «So konnten wir die Lücken zwischen den Steinen schliessen», sagt Markus Müller. «Vorher schwemmte es bei Regen die Erde vom Hang in den Garten.»

2013 dann die böse Überraschung: Nachdem die Bauverwaltung den eben fertiggestellten Wintergarten besichtigte, wurden die Müllers vorgeladen. Aber nicht etwa der Wintergarten in der Bauzone wurde beanstandet, sondern der Garten in der Landwirtschaftszone. «Wir fielen aus allen Wolken», sagt Müller. «18 Jahre lang krähte kein Hahn danach.» Auch nicht, als die Familie sieben Jahre nach dem Einzug eine Garagenüberdachung erstellte.

In der Bauzone. Auch damals stand ein Vertreter der Bauverwaltung im Garten – ohne diesen zu kritisieren. «Am Anfang waren wir noch zuversichtlich, dass wir das Ganze mit einem nachträglichen Baugesuch lösen können», sagt Markus Müller. Vertreter der Gemeinde und des Kantons hätten bei einer Besichtigung erkannt, dass das betroffene Land kaum mehr landwirtschaftlich bewirtschaftet werden könne.

Doch der Kanton lehnte das Gesuch 2014 ab und entschied, die Müllers müssten ein Umzonungsgesuch einreichen. Diese wollten den Entscheid aber nicht auf sich sitzen lassen und zogen bis vor Bundesgericht. «Wir dachten, es käme ansonsten einem Schuldeingeständnis gleich», sagt Markus Müller. «Aber wir haben ja nichts falsch gemacht. Der Garten war schon so gewesen, bevor wir überhaupt einzogen. Und er wurde auch so vom damaligen Bauverwalter abgenommen, der dies bezeugte. Nur die Pergola habe ich nachträglich erstellt, unterdessen aber wieder abmontiert.»

Aber auch vor dem Bundesgericht blitzte die Familie Anfang dieses Jahres ab. Der schleichenden Umwandlung von Landwirtschaftsland müsse unter allen Umständen der Riegel geschoben werden. Wie auch schon die kantonalen Instanzen entschied das Bundesgericht, dass der Verkäufer und Bauherr als ehemaliger Gemeinderat nicht habe gutgläubig sein können, also nicht mit guten Absichten gehandelt habe. Die Müllers müssten sich den bösen Glauben des Verkäufers anrechnen lassen. Nun müssen sie ein Umzonungsgesuch stellen. Wird dies abgelehnt, müssen sie den Garten wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen.

«Wir würden ausziehen»

Markus und Daniela Müller sind über diesen Entscheid enttäuscht. «Wir vertrauten darauf, dass alles rechtens war», sagt Markus Müller. «Der Notar war ja vom Fach und der Verkäufer ein ehemaliger Gemeinderat.» Gegen ihn können sie nicht mehr vorgehen. Zivilrechtliche Forderungen verjähren nach zehn Jahren. Für die Renaturierung rechnen sie mit Kosten von bis zu 100 000 Franken.

Denn tonnenweise Erde muss her, um den Garten von der Böschung her bis zur Hauswand wieder aufzufüllen. «Regnet es stark, hätten wir die Erde im Wohnzimmer», sagt Markus Müller. Mit der Lebensqualität wäre es dahin. Vom Garten würde nur eine kleine Ecke übrig bleiben, die in der Bauzone liegt. «Wir würden ausziehen», sagt er. «Aber wir müssten zu einem Spottpreis verkaufen», ergänzt Daniela Müller. «Denn wer will schon ein Haus im Grünen ohne Garten?»

Nun hoffen die beiden, dass es mit der Umzonung funktioniert. Bald steht ein Treffen mit der Gemeinde an, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Dort muss auch die Frage geklärt werden, ob sie ein Umzonungsgesuch stellen können für eine Parzelle, die sie zwar nutzen dürfen, aber nicht besitzen. Ein Kauf des Landes scheiterte: «Der Verkäufer versprach uns mündlich, dass er uns das Land zu einem späteren Zeitpunkt zum Landwirtschaftspreis verkaufen werde.

Daraus wurde aber nichts», sagt Markus Müller. Von seinem Versprechen habe er nichts mehr wissen wollen. «Wir haben hier etwas aufgebaut und uns ein schönes Zuhause geschaffen», sagt er. «Wir hoffen, dass es jetzt mit der Umzonung klappt.»

Das sagt der Gemeindeammann zum Gartenstreit.