Neuenhof
Nach 22 Jahren nimmt Gemeindeschreiber Marcel Muther Abschied

Marcel Muther diente 22 Jahre und unter drei Gemeindeammännern als Gemeindeschreiber von Neuenhof. Nun will sich der 55-Jährige beruflich neu orientieren und übernimmt die Geschäftsstelle Winterhilfe Aargau.

Roman Huber
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Marcel Muther wird seine Arbeit als Gemeindeschreiber in bester Erinnerung behalten.-rr-

Marcel Muther wird seine Arbeit als Gemeindeschreiber in bester Erinnerung behalten.-rr-

Natürlich begleite ihn auch Wehmut, sagt Marcel Muther an seinem letzten Arbeitstag. Und er sagt es gleich, dass ihm die Menschen in der Verwaltung fehlen würden. «Vor allem die jungen», sagt Muther. «Es sind Mitarbeitende, die auf dem neusten Stand ausgebildet zu uns gekommen sind und uns weitergebracht haben.»

Der 55-jährige Gemeindeschreiber diente fast 22 Jahre und unter drei Gemeindeammännern der Gemeinde. Er sei bis und mit letztem Tag immer mit Freude zur Arbeit gegangen, bekräftigt er. «Nun freue ich mich auf etwas anderes, auf Familie, die Zeit mit meiner Partnerin, mit dem Motorrad, beim Lesen», sagt Muther.

Dass er in einem zweijährigen Studium neben dem Beruf ein interdisziplinäres Nachdiplomstudium für Konflikt-Analyse und -bewältigung an der Uni Basel absolviert habe, heisse nicht, dass er sofort zu neuen Ufern aufbreche, so Muther. «Vielleicht werde ich ja Entzugserscheinungen als Kanzler haben», meint er lakonisch und stellt klar: «Ich will jetzt für mich mehr Zeit haben.»

Seit dem 13. Juni 2010 gereift

Sein Entscheid, sich im Berufsleben nochmals neu zu orientieren, sei seit dem 13. Juni 2010 gereift. Es war der Tag, an dem Baden mit 47 Stimmen Differenz den Zusammenschluss mit Neuenhof abgelehnt hatte. «Es war für mich ein schwarzer Tag», erinnert sich Muther. Doch für Neuenhof habe sich das Nein auch positiv ausgewirkt. Man sah sich nicht mehr als Ausländer-Gemeinde ohne Geld. «Neuenhof entwickelte plötzlich ein Selbstbewusstsein», schildert Muther. Dieses habe zur «Strategie vorwärts» geführt, die nach wie vor von der Bevölkerung mitgetragen werde.

Marcel Muther will aber nichts beschönigen: «Früher oder später wird der Zusammenschluss kommen.» Der nächste Schritt müsse aber von Baden aus erfolgen. «Neuenhof wird erneut klar Ja sagen,» ist er überzeugt. Wenn auch nicht mehr mit dem «postkommunistischen Resultat» von 93,5% Ja-Stimmen.

Scharnierstelle zum Volk

Er habe sich als Scharnier zwischen Gemeinderat und Volk gesehen. Ob auf der Strasse oder am Bankschalter: Er sei oft angesprochen und um Rat oder Auskunft gefragt worden. «Ich mag die Menschen und hab sie stets ernst genommen», betont Muther. Und der Gemeinderat ihn, fügt er schmunzelnd an. Er sei kein Dorfkönig gewesen. «Doch der Gemeinderat wollte meine Meinung in operativen wie in strategischen Fragen jeweils wissen. «Es war immer der Blick nach vorne, der mich angetrieben hat», sagt Muther und gesteht, dass die Retrospektive des Protokolle Schreibens, nicht seine Lieblingsbeschäftigung gewesen sei.

In seiner Funktion habe er an geselligen Anlässen schöne Stunden, daneben aber oft auch negative Seiten des Lebens gesehen. Bei Familienstreitigkeiten, häuslicher Gewalt, Kindsmisshandlungen wurde auch der Gemeindeschreiber beigezogen. Es laufe viel Schreckliches in der heutigen Gesellschaft. «Und oft wird einfach weggeschaut und weggehört», kritisiert Muther. Er habe sich gedacht, mit steigendem Alter würde er solche Einblicke besser wegstecken. Doch das Gegenteil war der Fall.

Muther übernimmt nun die Geschäftsstelle der Winterhilfe Aargau. Ein 40-Prozent-Pensum, sagt er. Doch «Ich will nun zuerst einmal meine Batterien frisch aufladen.»