Baden/Wettingen

Nach 24 Jahren tritt «Lägere-Bueb Heinz» jetzt ab

Patrick Bürgi (links) soll Heinz Germann folgen

Patrick Bürgi (links) soll Heinz Germann folgen

Die Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern steht vor einem Wechsel: Heinz Germann tritt nach 24 Amtsjahren zurück. Patrick Bürgi soll sein Nachfolger werden

«Wenn die Leute in 20 Jahren sagen können, vor 20 Jahren hat unser Vorstand bei der Arbeit etwas überlegt, ist mein Ziel erreicht», sagt Patrick Bürgi. Er soll an der Generalversammlung vom 27. April zum Nachfolger von Heinz Germann gewählt werden.

Dieser tritt nach 24 Amtsjahren zurück. Mit ihm verlässt ein richtiger «Lägere-Bueb» den Vorstand, denn er ist sowohl privat wie beruflich eng mit der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft (GBSG) Lägern verbunden. «Es ist mein Ziel, zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern und den Mitarbeitern weiter günstige Wohnungen anzubieten», sagt Bürgi.

Immobilien als Beruf und Hobby

«Ich bin überzeugt, die Genossenschaft kommt wieder in gute Hände», sagt Noch-Präsident Heinz Germann. Er ist in der Lägern-Siedlung Klosterbrühl aufgewachsen. «Damals lebten dort viele Familien mit Kindern, es war eine schöne Zeit», erinnert er sich. Gegenüber dem Stadion Altenburg wohnend, zog ihn der Fussball in den Bann: «Unter uns war auch Rolf Blättler, der spätere GC-Fussballer.»

Patrick Bürgi, Wettingen, designierter Präsident der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern äussert sich zu deren Strategie

Patrick Bürgi, Wettingen, designierter Präsident der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern äussert sich zu deren Strategie

Bei der Otto Richei AG in Dättwil absolvierte Germann eine kaufmännische Lehre. «Vor und nach der Rekrutenschule arbeitete ich als Buchhalter bei der Lägern.» Die Immobilienbranche liess ihn nicht mehr los. Ab 1988 war er bei der Devo tätig, 1996 gründet er eine eigene Immobilienfirma, und im Jahre 2000 schloss er sich mit Daniel Gfeller zur Germann + Gfeller AG zusammen. Ebenfalls 1988 war er in den Vorstand und zum Präsidenten der GBSG gewählt worden: «Ich habe Beruf und Hobby verbunden.» Während seiner Amtszeit hat die Genossenschaft 193 Wohnungen erstellt.

Heute bietet die grösste gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft im Aargau 864 Wohnungen an. Der Buchwert der Immobilien nahm um 42 auf 108 Millionen Franken zu, die Hypotheken um 44,5 auf 103,2 Millionen. Die Mietzinseinnahmen stiegen um 6,6 auf 11,5 Millionen Franken. «In den 24 Amtsjahren haben wir 131138000 Millionen Franken investiert», sagt Germann. Dazu kommen jährlich rund 500000 Franken für Unterhaltsarbeiten.

Auch der neue Präsident ist ein Wettinger. Patrick Bürgi ist im Dorf aufgewachsen. Auch er hat eine Lägern-Vergangenheit: «1998 habe ich mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau in der Siedlung Klosterbrühl gewohnt», sagt er. Heute haben sie einen Sohn und eine Tochter. Wie Germann war Bürgi in der Wettinger Politik aktiv, unter anderem im Einwohnerrat. Von Beruf ist er Anwalt in der Kanzlei Wunderlin Klöti Bürgi in Baden. Weiter ist er Stiftungsrat des Kinderheims Klösterli in Wettingen: «Mit diesem ehrenamtlichen Engagement möchte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben, aus Dankbarkeit, dass es mir gut geht.» 2004 wurde Bürgi in den Vorstand der Genossenschaft gewählt.

Günstiger als andere Wohnungen

«Ich sehe wie bisher ein qualitatives und quantitatives Wachstum», sagt Bürgi über die Zukunft der Genossenschaft. Auf keinen Fall soll sie sich an spekulativen Geschäften beteiligen, keine einfache Aufgabe in einer boomenden Region mit laufend steigenden Wohnkosten.

Doch für Bürgi ist klar: «Wir sind dem genossenschaftlichen Gedanken verpflichtet.» Die Wohnungen der Lägern sollen ungefähr 15 Prozent günstiger sein als vergleichbare. Gemäss den Vermietungsgrundsätzen stehen als Mieter Familien und Leute, die finanziell nicht so gut gestellt sind, im Vordergrund. Die einzige Bedingung, die den Mietern gestellt wird – sie müssen Genossenschafter werden.

Auf Kirchenland bauen

Die Genossenschaft bietet ihre Wohnungen primär in Baden und Wettingen an. Sie besitzt auch Siedlungen in Büblikon, Ehrendingen und Neuenhof. Die Absicht, in Freienwil Alterswohnungen zu realisieren, scheiterte an der Urne. «Alterswohnungen sind für uns ein Thema», sagt Bürgi. Ob die Genossenschaft in andere Regionen expandiert, ist offen. Germann gibt zu bedenken, dass in der Region das Bauland knapp ist, besonders für eine gemeinnützige Genossenschaft. Bürgi betont: «Wir wollen nicht spekulieren.» Eine Siedlung mit etwa 28 Familienwohnungen ist an der Neufeldstrasse in Wettingen geplant. Den Genossenschaftern wird ein Baurechtsvertrag mit der römisch-katholischen Kirche Wettingen unterbreitet. Die Kirchgemeinde hat den Vertrag bereits genehmigt. «Im Frühjahr 2013 möchten wir mit den Bauarbeiten beginnen», sagt Germann.

Ein Problem, das die Genossenschaft in den letzten Jahren besonders beschäftigte, ist die Sanierung der Wohnhäuser. «Wir müssen uns immer genau überlegen, wie wir vorgehen», sagt Bürgi, denn: «Wenn der Sanierungsbedarf zu gross wird, kann das zum Kollaps der Genossenschaft führen, weil sie nicht genügend Geld aufbringen kann.» In eine solche Situation dürfe sie nicht geraten, zudem seien die Sanierungen auch im Interesse der Bewohner.

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