Baden
Nach 38 Jahren: Stadtoberförster sagt Adieu – erstmals übernimmt eine Frau das Amt

Georg Schoop übergibt das Amt an Sarah Niedermann. Sie wird damit die allererste Oberförsterin in der Geschichte der Stadt.

Nadine Bunde
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Georg Schoop bei seiner Verabschiedung: Nebst Süssigkeiten und Blumengibt es als Geschenk auch noch einen Feldstecher. Damit hofft er, den langeverschollenen Mittelspecht zu entdecken. Severin Bigler

Georg Schoop bei seiner Verabschiedung: Nebst Süssigkeiten und Blumengibt es als Geschenk auch noch einen Feldstecher. Damit hofft er, den langeverschollenen Mittelspecht zu entdecken. Severin Bigler

SEVERIN BIGLER

«Jetzt wird es ernst», sagt Georg Schoop mit einem Schmunzeln. Zusammen mit Sarah Niedermann steht er am Dienstagabend auf der Bühne des Gartensaales der Villa Boveri. «Hiermit übergebe ich dir den Büroschlüssel und damit die Hoheit über 62 Prozent des Gemeindegebietes.» Gelächter und Applaus erschallen. Rund 100 Gäste sind zur Verabschiedung gekommen: Stadträte, Mitglieder der Verwaltung, Sponsoren, Mitarbeiter, Freunde und Familie.

Schoop übte sein Amt während 38 Jahren unter vier verschiedenen Ammännern aus: Viktor Rickenbacher stellte den damals 26-jährigen ETH-Absolventen als Stadtoberförster ein. Es folgten Josef Bürge, Stephan Attiger und Geri Müller, der an diesem Abend als Erster das Wort ergriff und Schoop für seine Arbeit dankte. Kreativ, grenzüberschreitend und innovativ sei diese gewesen.

So hat Schoop beispielsweise die Abteilung Stadtökologie entwickelt: «Die kleinste Abteilung der Stadt, die keine Probleme mit der Frauenquote hat» sagte der Amman lachend; denn die Abteilung hat ausschliesslich weibliche Mitarbeitende. Zum Beispiel Sarah Niedermann, die nach rund neun Jahren als Mitarbeiterin im Stadtforstamt und in der Stadtökologie zur ersten weiblichen Stadtoberförsterin gewählt wurde. Die Umwelt- und Naturwissenschafterin freut sich auf ihre neue Aufgabe, hat jedoch auch Respekt vor den Fussstapfen, die sie bald ausfüllen wird.

Unvergessliche Erlebnisse

Auf seine Arbeit blickt Schoop mit dankbaren Gefühlen zurück. So erwähnte er in seiner Abschiedsrede die Tarifverhandlungen mit den älteren Mitarbeitenden, die bis Mitte der 80er-Jahren im Akkord gearbeitet hatten: «Die leuchtenden Augen, wenn diese eine Tarifstufe höher eingestuft wurden, werde ich nie vergessen», erzählte Schoop. Unvergesslich seien natürlich auch Orkane wie der «Lothar» gewesen, der im Dezember 1999 grosse Zerstörung verursachte, dabei jedoch auch eine unglaubliche Regenerationskraft der Natur zutage förderte. Solche Stürme hätten ihn und die Forstarbeiter bis an die Grenzen des körperlich machbaren gefordert. Schoop teilte mit seinen Gästen an jenem Abend viele unvergessliche Erinnerungen; am Schluss seiner Rede dankten sie ihm mit minutenlangem, stehendem Applaus.