Untersiggenthal
Nach Anzeige: Der Köhlerverein atmet auf

Anzeige eines Anwohners wegen angeblich gefährlichen Rauchs im Keim erstickt – am Samstag wird der Untersiggenthaler Meiler zur Herstellung von Holzkohle in Glut gesetzt

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Dieser Kohlenmeiler wird am Samstag in Betrieb genommen.

Dieser Kohlenmeiler wird am Samstag in Betrieb genommen.

Alex Spichale

Gute Nachricht für den Köhlerverein Siggenthal: Die Staatsanwaltschaft Baden hat die Anzeige von Walter Burkhalter wegen vorsätzlicher Tötung nicht an die Hand genommen. Burkhalter, ein pensionierter Zahnarzt, ist überzeugt, dass der Rauch, der bei der Herstellung der Holzkohle entsteht, schädlich und hochgiftig sei. Je nach Windrichtung könnte der Rauch bis zu seinem Haus wehen. Seine Anzeige hatte sich neben dem Köhlerverein auch gegen den Gemeinderat gerichtet, der den Betrieb des Kohlenmeilers bewilligt hatte. Die zehntägige Einsprachefrist liess Burkhalter nun verstreichen.

Die Staatsanwaltschaft schreibt zum Vorwurf der mutmasslich widerrechtlich erteilten Bewilligung, es sei nicht Sache der Strafverfolgungsbehörden, kommunale Entscheide zu beurteilen. Es handle sich diesbezüglich schlichtweg nicht um eine Strafsache. Zu Burkhalters Anzeige wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung und Tötung schreibt die Staatsanwaltschaft: «Ausführungen dazu erübrigen sich, da der Kohlenmeiler zum jetzigen Zeitpunkt weder aufgebaut noch betrieben wird.» Eine Strafverfolgung respektive Strafuntersuchung für zukunftsverlagerte Sachverhalte würde auf reiner Spekulation basieren.

Mangels Nachweis strafbaren Verhaltens werde die Strafanzeige nicht an die Hand genommen.
Doch die Diskussionen um die Frage, ob der Kohlenmeiler-Rauch allenfalls schädlich sein könnte, blieben nicht ohne Folgen. Der Köhlereiverein hat zwar wie geplant diese Woche einen Kohlenmeiler aufgebaut und wird diesen am Wochenende in Glut setzen. Auf Wunsch der Köhlerin – sie wollte sich auf Anfrage nicht zum Thema äussern – befindet er sich allerdings nicht mehr wie in den vergangenen Jahren bei der Rotkreuz-Hütte.

Auf Füllihus und Holzrost ...
4 Bilder
... wird das Holzgerüst errichtet, ...
... mit Tannenästen bedeckt ...
... und mit «Löschi» dicht verschlossen.

Auf Füllihus und Holzrost ...

Bruno Kissling

Stattdessen wurde er 300 Meter entfernt hinter den Bergkamm Richtung Würenlingen aufgebaut. Und er ist kleiner als in früheren Jahren. Burkhalter sagt: «Den Meiler zu verschieben und zu verkleinern, begrüsse ich mit vielen Bewohnern aus meinem Wohnquartier und hoffe sehr, dass diese Massnahmen nun genügen werden, die umliegenden Siedlungen von übermässigen Rauch-Immissionen zu entlasten.» Dennoch werde er in den kommenden Tagen die Kohlenmonoxid-Belastung in der Umgebung des Meilers messen. «Ziel muss es sein, dass es eines Tages eine minimale Reglementierung betreffend dem Betrieb der Kohlenmeiler geben wird.»

Dani Hitz, Präsident des Köhlervereins, erklärt: «Für uns sind die Diskussionen der vergangenen Wochen unnötig und ärgerlich. In der Schweiz werden pro Jahr rund 20 Kohlenmeiler betrieben, nirgendwo gibt es Probleme, ausser in Untersiggenthal. Für uns steht fest: Das Handwerk ist ungefährlich.» Der Verein hätte es bevorzugt, wenn der Meiler am alten Standort aufgebaut worden wäre. «Wir haben den Wunsch der Köhlerin aber berücksichtigt.» Leider betrage der Verlust für alle mithelfende Vereine wegen des neuen Standorts total 5500 Franken. «Nun freuen wir uns aber auf ein wunderbares Fest, an dem das ganze Dorf Freude hat.»