Florin
Nach Auszeichnung: Aargauer Fahrlehrer werfen ihrem Konkurrenten Preisdumping vor

Einmal mehr zählt der Aargauer Fahrlehrer Michel Schwarzenbach aus Fislisbach zu den zehn besten Fahrlehrern der Schweiz. Jetzt melden sich seine Konkurrenten zu Wort und kritisieren den «Superfahrlehrer»: Bei «Florin» zahle man bis zu einem Drittel weniger.

Dana Liechti
Merken
Drucken
Teilen
Wer in der Region Baden das Autofahren lernen will, zahlt je nach Fahrschule bis zu 35 Franken mehr. (Symbolbild)

Wer in der Region Baden das Autofahren lernen will, zahlt je nach Fahrschule bis zu 35 Franken mehr. (Symbolbild)

keystone

Erst kürzlich wurde «Mige» Schwarzenbach von seinen Fahrschülern zum besten Fahrlehrer im Kanton Aargau ausgewählt.

Doch ausgerechnet die Fahrschule Florin, bei der «Mige» arbeitet, eilt unter den Fahrlehrern der Region ein schlechter Ruf voraus.

Sie werfen «Florin» vor, dass seine Qualität schlecht sei und er Preisdumping betreibe.

Tatsächlich: Die Fahrlektionen von «Florin» sind mit einer Preisspanne zwischen 60 Franken und 75 Franken teilweise bis zu 35 Franken günstiger als jene von anderen Anbietern (siehe Tabelle).

Wie viel zahlt ein Fahrschüler für eine Fahrstunde (45 Minuten) - der Preisvergleich:

Wie viel zahlt ein Fahrschüler für eine Fahrstunde (45 Minuten) - der Preisvergleich:

az

Deshalb ist «Florin» bei jungen Lernfahrenden sehr beliebt. Die sehr preiswerten Fahrstunden schüren aber die Kritik der anderen Fahrlehrer.

Viele von ihnen glauben, dass ein solch günstiges Angebot nichts Gutes bedeuten kann: «Je billiger, desto schlechter», heisst es.

«Diese Billigfahrschulen müssen ihre Fahrstunden so günstig machen, weil sie keine Qualität haben und sie sonst nicht an Kunden kommen würden. Ich hatte viele Schüler, die bei solchen Anbietern abgesprungen, und zu mir gekommen sind», sagt eine lokale Fahrlehrerin.

Fahrlehrer «Mige» Schwarzenbach während einer Fahrstunde mit einer Fahrschülerin

Fahrlehrer «Mige» Schwarzenbach während einer Fahrstunde mit einer Fahrschülerin

Sandra Ardizzone

Die Fahrlehrer der Billiganbieter wären aufgrund ihres wahrscheinlich niedrigen Lohnes demotiviert und gestresst, vermutet sie.

«Diese Lehrer gehen gar nicht auf ihre Schüler ein. Ich muss oft den ganzen Stoff nochmals durchgehen, weil sie nicht sauber ausgebildet werden.»

Grundlegende Kentnisse fehlen

Karl Peter Meier, Geschäftsführer der Fahrschule Florin kontert gegen die Vorwürfe. Seine Fahrlehrer hätten die genau gleiche Ausbildung, wie alle anderen auch, sie würden dem Strassenverkehrsamt unterstehen und von diesem geprüft.

Zudem würden seine Fahrlehrer auch genügend verdienen: «Sonst hätte ich ja wohl nicht gerade wieder drei Bewerbungen vor mir auf dem Tisch», sagt Meier, und auch: «Es kann schon vorkommen, dass Schüler den Anbieter wechseln, doch das hat meistens mit zwischenmenschlichen Problemen von Fahrlehrer und Fahrschüler zu tun. Grosse Fluktuationen haben wir nicht.»

Dennoch wollen die Kritiker von «Florin», die nicht mit Namen genannt werden wollen, nicht verstummen.

Auch ein anderer hiesiger Fahrlehrer nervt sich: «Ich habe viele Fahrschüler, die nach einer zweiten oder dritten negativen Prüfung zu mir kommen. Ich muss oft feststellen, dass bei ihnen viele grundlegende Kenntnisse fehlen, um eine Prüfung zu bestehen.»

Doch wie kommt es, dass ausgerechnet bei «Florin» der beste Fahrlehrer im Aargau arbeitet? «Ich denke, die Schüler können nicht wirklich beurteilen, ob ein Fahrlehrer gut ist», meint ein kritischer Fahrlehrer und eine Fahrlehrerin sagt: «Ich mache bei diesem Wettbewerb gar nicht mit, weil dort mit ganz einfachen Mitteln gemogelt werden kann.»

Jedoch gibt es auch mildere Stimmen aus dem Umfeld der Badener Fahrlehrer: «Es kann ja wirklich sein, dass dieser Eine von ‹Florin› sehr gut ist.»

Es stellt sich aber trotzdem die Frage, wieso das Angebot von «Florin» so günstig sein kann.

«Das ist einfach knallharte Kalkulation. Zudem sind unsere Kurse stets voll besetzt. Als grosses Unternehmen können wir sie jede Woche anbieten. Das ist für uns sehr rentabel. Und unser Konzept funktioniert: Gerade haben wir wieder zwei neue Filialen eröffnen können», sagt Meier. Sowieso sei es ein offener Markt, jeder dürfe den Preis verlangen, den er wolle.

Es gibt keine Vorgaben

Johannes Michael Baer, Leiter des Strassenverkehrsamtes des Kantons Aargau, bestätigt: «Es gibt absolut keine Vorschriften für Fahrstunden-Preise. Es ist der Entscheid eines Unternehmers, zu welchem Preis er seine Leistung anbietet», sagt er.

Und zum Thema schlecht ausgebildete Fahrlehrer klärt Baer auf, dass die Kantone die Fahrschulen kontrollieren und bei nicht erfüllten Anforderungen Massnahmen von Verwarnung bis hin zu Entzug der Fahrlehrerbewilligung ergreifen würden.

Wieso senken denn die anderen Anbieter nicht einfach ihre Preise? «Der Marktpreis einer Fahrstunde entspricht 90 Franken», heisst es.

Das sei nicht teuer, wenn man bedenke, was alles darin inbegriffen sei: «Ein Auto zu bewirtschaften, kostet relativ viel Geld und als Fahrlehrer braucht man alle zwei bis drei Jahre ein Neues. Zudem verdient man niemals den effektiven Betrag pro Stunde, da kommen Ferien, 13. Monatslohn sowie AHV dazu.»

Eine Fahrlehrerin erklärt ihren Preis vor allem mit der hohen Qualität für ihre Schüler: «Ich gehe auf meine Schüler ein und passe meinen Unterricht individuell an. Zudem hole ich sie dort ab, wo sie wollen. Ich informiere meine Schüler auch jederzeit über ihren Ausbildungsstand.»

Auf welche Kriterien ein Schüler also bei der Auswahl seiner Fahrschule
achtet, muss er selbst wissen.

«Hilfe bieten da oft die Einschätzungen von anderen Lernfahrenden auf Internetvergleichsforen», so Johannes Michael Baer vom Strassenverkehrsamt.