Baden
Nach Beschwerde: ABB nimmt zweiten Anlauf für das Hochhaus «Ost»

Vor fünf Jahren wurden sie schon einmal gestellt: Die Bauprofile für das ABB-Hochhaus "Ost". Nun stehen sie wieder. Der damalige Beschwerdegrund ist vom Tisch. Gleichzeitig hat die ABB Immobilien AG auch das Baugesuch für ein 500 Fahrzeuge fassendes Parkhaus Brown Boveri-Platz eingereicht.

Roman Huber
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Vor zwei Jahren demontiert – jetzt sind die riesigen Baugespanne für das Hochaus wieder da.
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Der Bau ist bereits ausgesteckt.
ABB-Hochhaus "Ost" in Baden

Vor zwei Jahren demontiert – jetzt sind die riesigen Baugespanne für das Hochaus wieder da.

Sandra Ardizzone

Die ABB Immobilien AG hat das Baugesuch für das seit langem geplante Hochhaus «Ost» und das Parkhaus Brown-Boveri-Platz eingereicht. Damit werden in den kommenden Jahren im Gebiet Baden Nord mehrere private Bauprojekte spruchreif: Die rund 250 Parkplätze auf den Verenaäckern werden mit dem Parkhausbau verschwinden, womit der Weg für die geplante Wohnüberbauung frei wird. Wohnbauten werden auch anstelle der Büropavillons an der Römerstrasse entstehen können.

Kernstück des Baugesuches ist das ABB-Hochhaus «Ost», das zusammen mit dem für später geplanten Hochhaus «Nord» dereinst die Skyline entlang der Bahnlinie Baden–Turgi bilden soll. Dank dem 66 Meter hohen Turm mit 12 000 Quadratmetern mietbarer Bürofläche können rund 700 Arbeitsplätze geschaffen werden. Gemäss Pressestelle der ABB habe das Projekt jedoch nichts mit Arbeitsplätzen der ABB Schweiz zu tun.

Das Projekt ist aus einem von der ABB Immobilien AG im Jahr 2009 veranstalteten Wettbewerb hervorgegangen. Ein Investor – der laut ABB noch nicht feststeht – wird Bau und Vermietung übernehmen. In diesem Jahr wird mit der Baubewilligung gerechnet, im Folgejahr mit dem Baubeginn.

Der Brown-Boveri-Platz kommt

Der nicht unwesentliche zweite Teil des Baugesuches betrifft den erwähnten Bau eines neuen Parkhauses unter dem Brown-Boveri-Platz beim Hauptzugang zum ABB-Areal, bekannt unter der Bezeichnung «Portier 1». Das Parkhaus wird knapp 500 Fahrzeuge fassen und primär über das bestehende Trafo-Parkhaus erschlossen, wobei eine Ausfahrt auch über den Bogenweg im ABB-Areal wegführt. Die Haselstrasse wird nicht zusätzlich belastet. Damit werden auf dem ABB-Areal die für total 8800 Mitarbeitende im Entwicklungsrichtplan errechneten 1720 Parkplätze zur Verfügung stehen, wie im kommunalen Gesamtverkehrskonzept das oberste Limit definiert wird.

Der Stadtrat sei froh, dass es nun in Baden Nord weitergehe, sagt Stadtammann Geri Müller: «Einerseits ist das ein wichtiges Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Baden.» Die Nachfrage für die Schaffung von Arbeitsplätzen sei gross, insbesondere für grössere Flächen in der Nähe zum Bahnhof, so der Stadtammann, was den Druck auf die Strassen etwas reduziere. «Andererseits wird die Umsetzung der Strategie Baden Nord mit Wohnen, Arbeiten und Begegnen weitergeführt.»

Die Investitionssumme für das Hochhaus beträgt etwa 65 Millionen Franken, weitere 26 Millionen wird das Parkhaus kosten. Bei diesem Projekt ist die Stadt Baden involviert, zumindest was den Deckel des Parkhauses betrifft. Der öffentliche Raum auf dem ABB-Areal ist mit der Entwicklungsrichtplanung gemäss Vertrag von der ABB Immobilien AG ins Eigentum der Stadt übergegangen. So soll über dem Parkhaus ein multifunktionaler Platz entstehen, der Aufenthaltsqualität aufweisen und für grössere Veranstaltungen genutzt werden kann. In einem Wettbewerbsverfahren hat die Stadt im Jahr 2011 das Projekt «Kelim» der Zürcher Büros Schmid Landschaftsarchitekten zur Realisierung ausgewählt. Im Investitionsplan sind für den Bau des Brown-Boveri-Platzes 3,8 Mio. Franken eingestellt.

Um fünf Jahre verzögert

Bereits im Sommer 2012 reichte die ABB Immobilien AG in der damaligen Aufbruchsstimmung den Gestaltungsplan und das Baugesuch für das Hochhaus und das Parkhaus ein, nachdem der revidierte Entwicklungsrichtplan für Baden Nord vom Kanton in Kraft gesetzt worden war (siehe Kontext oben). Doch das Vorhaben wurde durch eine Beschwerde der AXA, Grundeigentümerin neben der ABB Immobilien AG, blockiert. Es wurden Erschütterungen befürchtet während der Bauphase, durch die der Informatik-Provider von ABB und Alstom unter dem benachbarten Gebäude Quadro hätte Schaden nehmen können. Das Verhandlungsprozedere verkomplizierte sich, weil die Alstom-Zentrale sich in Paris befindet. Trotz langwieriger Verhandlungen konnte keine Lösung gefunden werden. Und in der Zwischenzeit erwies sich der Ausgleich des Platzbedarfs plötzlich auch nicht mehr so als akut.

Die Situation ist unterdessen insofern gelöst, als dass sich mit der Übernahme von Alstom durch General Electric das Provider-Problem gelöst hat.

ABB-Areal: Wohnbau-Anteil wird endlich aufgestockt

Gut Ding will Weile haben. Vor 15 Jahren orteten ABB und Alstom einen grösseren Platzbedarf für ihre Bedürfnisse am Standort Baden. Zur gleichen Zeit registrierte man aber, dass bei der Umnutzung des früheren BBC-Areals der geforderte Wohnbau-Anteil sträflich hinterherhinkt. Dennoch folgte die Stadt dem Begehren der Grossfirmen und revidierte in rekordverdächtigem Tempo den Entwicklungsrichtplan für Baden Nord, um mehr Flächen für zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Bei der Revision erfolgte eine Verdichtung ohne Freiraumverluste, die eigentlich nur in die Höhe führen konnte.

Daraus ergab sich die Hochhausplanung gemäss dem Hochhauskonzept der Architekten Diener & Diener, Basel, und Martin Steinmann, Aarau. Gemäss diesem sind in Baden Nord zwei Wohnhäuser am Martinsberg (Bel Etage, 2015 bezogen) sowie zwei Bürohochhäuser entlang der Bahnlinie vorgesehen. Über das ganze Areal hinweg werden zusätzlich 46 000 Quadratmeter Nutzungsfläche (entspricht neun Fussballfeldern) generiert. Der Wohnanteil wurde bei 100 000 Quadratmetern belassen, die Anbindung an eine 25-Prozent-Klausel der Gesamtnutzfläche hingegen fallengelassen. Mit dem Hochhaus- und Parkhausbau würde der Weg frei für zwei weitere grosse Wohnbauprojekte, nämlich die Grossüberbauung auf den Verenaäckern und die Wohnbauten an der Römerstrasse. (-rr-)

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