Bezirk Baden
Nach Brand in Olten: Wie brandsicher sind unsere Holzbrücken?

Nach dem Brand der Brücke in Olten: Feuerwehrkommandanten im Bezirk Baden fänden ein Rauchverbot sinnvoll.

Frederic Härri
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Die im Jahr 1921 neu gebaute Holzbrücke bei der Spinnerei in Turgi.
3 Bilder
Die Holzbrücke von der Wettinger Klosterhalbinsel nach Neuenhof.
Brücken in der Region Baden

Die im Jahr 1921 neu gebaute Holzbrücke bei der Spinnerei in Turgi.

AZ Archiv

Ende März sorgte die Stadt Olten landesweit für Schlagzeilen. Grund dafür war ein historisches Bauwerk aus dem Jahr 1803: Die alte Holzbrücke, das Wahrzeichen der Solothurner Stadt, stand in Flammen. «Unvorsichtiger Umgang mit Raucherwaren», gab die Solothurner Kantonspolizei als Brandursache bekannt.

Die Feuerwehr rückte mit Löschboten an, erst nach einigen Stunden konnte der Brand vollständig gelöscht werden. Obwohl die Einsatzkräfte das Schlimmste verhinderten, hat das Feuer die Brücke schwer erwischt, die entstandenen Schäden an Fahrbahn und Werkleitung sind enorm. Die Reparatur wird auf mehrere hunderttausend Franken beziffert.

Die spektakulärsten Bilder vom Brand der Holzbrücke in Olten:

 Die Einsatzkräfte bekämpften das Feuer auch vom Wasser aus.
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 Die Rettungskräfte wurden dabei von Feuerwehren aus der Region unterstützt.
 Rund um die Brücke stieg dichter Rauch auf.
 Die Flammen schlängelten sich vor allem durch den Zwischenboden der Brücke.
 Um an die Brandherde zu gelangen, wurde mit Motorsägen der Boden aufgesägt.
Holzbrücke Olten am Tag nach dem Brand
 Verkohlte Holzbalken...
 ... aufgesägter Boden...
 ... gesperrte Brücke:
 Die Spuren des Brandes vom Mittwoch sind deutlich zu sehen.
 Einerseits stellten die unterschiedlichen Brandherde, die sich im verwinkelten Zwischenboden unterhalb der Fahrbahn befanden, für die Rettungskräfte eine grosse Schwierigkeit dar.
 Andererseits hatten die Feuerwehrleute mit durch den zügigen Südwestwind immer wieder neu entfachten Glutnester zu kämpfen.
 Der Brand hat einen Schaden in der Höhe von mehreren 100'000 Franken verursacht.
 Die Brücke ist zwar nicht einsturzgefährdet, doch die Tragfähigkeit ist reduziert und die Schäden an der «Fahrbahn» und an den Werkleitungen sind gross.
 Deshalb bleibt die Holzbrücke voraussichtlich bis am 4. April 2018 total gesperrt.
 Damit die Aare dort trotzdem überquert werden kann, wird eine 40 Meter lange und zwei Meter breite Notbrücke erstellt werden.
 Sie bleibt für voraussichtlich rund ein halbes Jahr bestehen.

Die Einsatzkräfte bekämpften das Feuer auch vom Wasser aus.

ANTHONY ANEX

Dabei blieb die Brücke schon in den letzten Jahren von Feuer nicht verschont, mehrmals wurde sie von kleineren Glimmbränden heimgesucht. Bei dieser Regelmässigkeit stellt sich die Frage: Muss man befürchten, dass es auch bei den Holzbrücken in der Region Baden zu einer Häufung von Brandfällen kommen könnte?

Wir haben bei den drei Feuerwehren von Gebenstorf-Turgi, Wettingen und Baden nachgefragt. Michael Küng, Feuerwehrkommandant von Turgi, rechnet nicht damit, dass bei der fast 200 Jahre alten Turgemer Holzbrücke ein grösseres Feuer ausbrechen könnte. «Im Gegensatz zur Oltner Brücke hat sie den Vorteil, dass es keine Hohlräume gibt, in die eine Zigarette oder Ähnliches hineinfallen könnte. In diesen Räumen befinden sich oft Spinnweben, die sehr leicht entflammbar sind.» Aus diesem Grund brauche es ziemlich viel, damit die Holzbrücke in Turgi anfange zu brennen.

Auch Florian Immer, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr in Baden, schätzt die Chancen auf einen Brandausbruch bei der Holzbrücke in der Badener Altstadt als eher gering ein. «Im Boden der Brücke befinden sich keine Holzplatten, sondern ein Teerbelag.» Neben bautechnischen Kriterien spiele auch das Baumaterial oder die Witterungsbedingungen eine Rolle, ob es zu einem Brand komme, merkt Oliver Gross an. Der Kommandant der Wettinger Feuerwehr schliesst einen Brand auf der Holzbrücke beim Kloster Wettingen nicht komplett aus. «Im Ereignisfall wären wir aber vorbereitet, wir führen regelmässig Übungen an der Brücke durch, damit wir die Verhältnisse vor Ort kennen.» Auch Baden hat sich für den Ernstfall präventiv geschützt: «Die Brücke besitzt sowohl eine Brandmelde- als auch eine Sprinkleranlage», erklärt Immer. In Turgi seien solche Anlagen schwierig anzubringen, «die Brücke ist denkmalgeschützt und hat viele Auflagen», sagt Küng.

Ist ein Rauchverbot sinnvoll?

Für die Sanierungszeit hat die Stadt Olten ein vorübergehendes Rauchverbot auf der alten Holzbrücke erlassen, ein definitives steht zur Diskussion. Sollte auf Holzbrücken generell nicht mehr geraucht werden dürfen? «Als Nichtraucher würde ich das sofort unterschreiben», sagt Immer. Auch Gross und Küng erachten ein Rauchverbot als sinnvoll, stellen wie Florian Immer aber die Frage der Umsetzbarkeit in den Raum. «Es wäre ein grosser Aufwand für die Gemeinde und die Polizei», fügt Küng an.

Die drei Kommandanten haben noch etwas gemein: Einen Brand auf einer der Brücken haben sie in ihrer Zeit noch nie erlebt. Es ist zu hoffen, dass das auch künftig so bleiben wird.

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