Der Entscheid fiel knapp aus: Mit nur zwei Stimmen Unterschied lehnte der Einwohnerrat den Kredit für den Mättelisteg ab – und sagt somit Nein zu einem Projekt voller Symbolik. Seit Jahren planen Baden, Ennetbaden und Obersiggenthal eine 75 Meter lange Fussgänger- und Fahrradbrücke: vom Badener Mättelipark über die Limmat zum Ennetbadener Oederlin-Areal. Der Übergang soll den Langsamverkehr fördern und das Bäderquartier aufwerten. Auch soll er Spaziergängern gemeinsam mit dem Limmat- und dem Merciersteg einen Rundgang durch die Quartiere ermöglichen. Nach Obersiggenthal, das ohne private Investoren seinen Anteil nicht bezahlen kann, folgte diese Woche nun die zweite Hiobsbotschaft für die Befürworter.

Für Bevölkerung wäre Steg wichtig

Pius Graf (SP), Gemeindeammann von Ennetbaden, der federführenden Gemeinde im Gemeinschaftsprojekt, ist über das Nein enttäuscht: «Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Baden sich gegen den Mättelisteg-Kredit ausspricht.» Er bezeichnet die ablehnende Haltung als Dämpfer für die regionale Zusammenarbeit. «Für die Ennetbadener Bevölkerung wäre der Limmatübergang wichtig, weil er unsere Gemeinde mit dem Botta-Thermalbad verbinden würde.»

Ein Grund für das Nein zum Mättelisteg von Badener Seite ist die Finanzierung: Die Gemeinden teilen die Nettosumme von rund 2,96 Millionen Franken in drei gleiche Teile auf – womit jede 985 000 Franken beizusteuern hat. Das sei viel Geld, sagte Jost Voser (FDP) anlässlich der Einwohnerratssitzung am Dienstagabend. «Der Steg führt direkt ins Oederlin-Areal. Man hat schon das Gefühl, dass er nur für die Wohnungen gebaut wird, die dort bald entstehen sollen».

Voser bezieht sich auf die geplante Überbauung Zackenbarsch, die für 100 Millionen Franken auf Obersiggenthaler Boden und teilweise auf dem Oederlin-Areal realisiert werden soll. Ähnlicher Meinung war Daniel Glanzmann (SVP). Er führte zwar an, dass der Mättelisteg das Bäderquartier aufwerten würde, jedoch Obersiggenthal Hauptnutzniesser wäre. «Darum stimmen wir schweren Herzens dagegen.» Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, wenn man weiss, ob der «Zackenbarsch» gebaut wird und ob Obersiggenthal den Steg überhaupt will, könne man wieder darüber reden.

Ebendieser letzte Punkt wurde an der Sitzung auch hervorgehoben: Dass die finanziell gebeutelte Gemeinde Obersiggenthal sich ihren Teilbetrag nicht leisten kann und darauf verzichtet, ihrem Einwohnerrat den Kredit für den Mättelisteg zu unterbreiten. «Da die Finanzierung nicht klar ist, können wir dem Antrag nicht zustimmen», sagte der Badener FDP-Einwohnerrat Jost Voser. Da half auch der Gegenantrag der SP nichts, der forderte, dass Private zu mindestens 50 Prozent an die Gesamtkosten beisteuern sollen.

«Bauen Steg sicher nicht allein»

Der Stadtrat bedauert den negativen Entscheid zum Mättelisteg, der auch vonseiten einiger Linken bachabgeschickt worden ist. «Es ist klar», sagt Bauvorsteher Markus Schneider (CVP), «das Projekt werden wir nicht weiterverfolgen.» FDP und SVP hätten den Limmatübergang als nicht notwendig erachtet. «Ein nicht notwendiges Projekt noch einmal aus der Schublade zu nehmen, macht keinen Sinn.» Ein zukunftsweisendes und für die Bäder sowie die Gemeindezusammenarbeit wichtiges Projekt ist somit leider nicht mehr möglich, so Schneider.

Doch bedeutet das Badener Nein den Todesstoss für den Steg? «Ennetbaden wird die Brücke sicher nicht allein bauen», sagt Pius Graf. Man prüfe, den Kreditantrag an der Gmeind vom 10. November zurückzuziehen. Die Alternative wäre, dass dort trotzdem darüber abgestimmt wird.

«Bei einem Ja würden wir abwarten, ob sich bei Baden und Obersiggenthal doch noch etwas tut.»Laut Graf werden die drei Gemeinden in den nächsten Tagen das weitere Vorgehen besprechen. Zudem wird Obersiggenthal ab Mitte November mit den Verantwortlichen des «Zackenbarschs» die Gespräche zum Mättelisteg weiterführen. Fakt ist aber: Mit dem Nein Badens sind die Chancen, dass die Brücke gebaut wird, auf ein Minimum gesunken.Kommentar rechts