Baden

Nach den Aarauern stolpern jetzt auch die Badener

An der Bruggerstrasse in Baden stolpern Passanten über die Schwelle beim Fussgängerstreifen.

An der Bruggerstrasse in Baden stolpern Passanten über die Schwelle beim Fussgängerstreifen.

Anwohner des Martinsbergquartiers in Baden beschweren sich über die Schwellen an der Bruggerstrasse. Sie seien zwar für Blinde gut, doch für Sehende gefährlich. Die Parallelen zum Fall in Aarau sind augensichtlich.

Nachdem im August eine Schwelle beim Busbahnhof Aarau die Aufmerksamkeit der Medien erregte, stolpern jetzt auch Badener Passanten über Hindernisse.

Konkret: In einem Leserbrief beschweren sich Anwohner des Martinsberg-quartiers über die frisch angebrachten Inseln auf dem Fussgängerstreifen an der Bruggerstrasse und Umgebung. «Diese Kanten sind zwar für Blinde eine essenzielle Hilfe. Für alle anderen sind diese Schwellen aber eine Gefahr», schreibt eine Anwohnerin, die anonym bleiben will.

Schwelle nur 2 Zentimeter hoch

Wie dem Leserbrief weiter zu entnehmen ist, sollen diese Schwellen auch für Rollstühle und Kinderwägen ein Problem sein – auch wenn der Niveauunterschied lediglich zwei Zentimeter beträgt.

Auf Anfrage der az bestätigt ein Passant: «Ich bin zwar noch nie gestürzt, aber hier muss man sehr aufmerksam sein.» Ein anderer fügt an: «Ich sehe den Sinn hinter diesen Schwellen nicht.»

Der kantonale Kreisingenieur Giuliano Sabato weist darauf hin, dass man sich bei den Schwellen nach den Richtlinien der Fachstelle für behindertengerechtes Bauen richte.

Wie auch in Aarau beim Busbahnhof sei diese Lösung zwar der Standard, aber trotzdem ein Kompromiss zwischen hindernisfreiem Bauen und der Gleichstellung von Behinderten.

Neue Norm in Vernehmlassung

Joe Manser, langjähriger Leiter der Schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen, sieht das Problem folgendermassen: «Passanten müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen.»

Und: An Orten, an denen flächendeckend alle Inseln mit Kanten versehen seien, würde niemand stolpern. «Es gibt dort Probleme, wo dies nicht konsequent durchgezogen wird.»

Andrea Hollenstein, Mitarbeiterin der Fachstelle für behindertengerechtes Bauen in Zürich, erklärt: «Derzeit ist immer noch die sehr rudimentäre Norm des behindertengerechten Bauens von 1988 in Kraft.»

Die neue, ausführliche und wissenschaftlich abgestützte Norm sei in Erarbeitung und trete 2014 in Kraft. Ziel sei es, bei allen Inseln solche Schwellen anzubringen, diese jedoch zu markieren, damit sie eben nicht übersehen werden.

«Diese Markierungen gibt es bereits an der Bruggerstrasse, trotzdem ist das Problem des Stolperns nicht aus der Welt geschafft», entgegnet die Anwohnerin.

Die Stadt Baden distanziert sich von diesem Problem – es sei eine Sache des Kantons, sagt René Zolliker, Projektleiter Planung- und Bau.

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