Würenlos
Nach der Kontroverse stellen sich die Gemeinderäte dem Volk

Die FDP zerfleischt sich mit dem Kampf ums Würenloser Gemeindepräsidium fast von selbst. Doch was wollen die Gemeinderatskandidaten in der Gemeinde ändern, wenn sie am 25. August gewählt würden? Antworten liefert ein Podium.

Dieter Minder
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Fotos der Würenloser Gemeinderatskandidaten
9 Bilder
Petra Berger, parteilos
Vizeammann Johannes Gabi, SVP
Nico Kunz, FDP
Lukas Wopmann, BDP
Markus Knittel, CVP
Gemeinderätin Karin Funk, FDP
Gemeinderat Anton Möckel, parteilos
Gemeindeammann Hans Ulrich Reber, parteilos

Fotos der Würenloser Gemeinderatskandidaten

EMANUEL PER FREUDIGER

«Nicht nur alle Kandidierenden, sondern auch das halbe Dorf ist da», stellte Podiumsleiter Hans Fahrländer (az-Autor) eingangs des Diskussionsabends in der alten Kirche fest. Rund 100 Personen waren gekommen, um mehr von den Personen zu erfahren, die am 25. August in den Gemeinderat gewählt werden möchten. Fahrländer stellte sie vor, beginnend mit Hans Ulrich Reber (parteilos). Es folgten Vizeammann Johannes Gabi (SVP) und die Gemeinderäte Karin Funk (FDP) und Anton Möckel (parteilos). Danach die vier neu kandidierenden Petra Berger (parteilos), Markus Knittel (CVP), Nico Kunz (FDP) und Lukas Wopmann (BDP).

Eingangs liess Fahrländer Karin Funk erklären, weshalb sie nach dem Rücktritt nun doch als Gemeinderätin und Gemeindeammann kandidiere. Ende letzten Jahres, so Funk, sei Situation für sie so gewesen, dass sie keine weitere Amtszeit hätte machen können. «In den letzten Monaten änderte sich die Konstellation und ich teilte der FDP mein Interesse mit.» Sie und Toni Möckel seien im Dorf aufgewachsen: «Wir arbeiten sehr gut zusammen und sind der Meinung, dass wir als Team die Fäden in die Hände nehmen wollen.» Seine Version erklärte Reber wie folgt: «Seit zwei Jahren stand fest, dass ich kandidieren werde. Am Tag der Nomination erfuhr ich von der Konkurrenz. Ich war mit dem Vorgehen des Parteivorstandes nicht einverstanden und bin aus der Partei ausgetreten.»

Als erstes Thema liess Fahrländer die Kandidaten über das Bevölkerungswachstum diskutieren. Die Gemeinde zählt bald 6000 Einwohner. Reber bestätigte, dass die Gemeinde bei der Infrastruktur ein Finanzierungsproblem habe. Die Gemeinde wachse zu schnell: «Wir werden bei der nächsten Einzonung deshalb sehr zurückhaltend sein.» Die vorhandenen Bauzonen erlauben ein Wachstum bis rund 7200 Einwohner. Funk gab zu bedenken, dass bei Einzonungen auch Bund und Kanton zuständig seien: «Die Gemeindeautonomie ist eingeschränkt.» Sicher müsse eine Verdichtung diskutiert werden. Zudem werde die Region in den nächsten 10 Jahren um rund 20 000 Einwohner zunehmen. Eine Ausdehnung der Bauzone steht für Gabi nicht zur Diskussion: «Die Verdichtung ist ein Thema.» Möckel warnte: «Man kann auch zu nahe beieinander wohnen.» Er plädierte für einen Wohnungsmix: «Leute, die sich integrieren, sind wertvoll für Würenlos.»

Kunz stellt fest, dass vor allem bezahlbarer Wohnraum für junge Leute fehlt. Er regte den Bau von Genossenschaftswohnungen an: «Das kann man mit dem Zonenplan steuern.» Auch Berger sieht ein gebremstes Wachstum. Knittel wünscht sich zum Siedlungsdruck eine ähnliche Diskussion, wie sie zum Standort des Alterszentrums stattgefunden hat. Weiter sagte er: «Wachstum kostet Geld, wir brauchen auch neue Schulhäuser.» Wopmann warnte: «Je grösser eine Gemeinde desto anonymer wird sie.» Für ihn sind 7200 Einwohner eine Obergrenze.

Als Nächstes legte Fahrländer eine Schnellrunde zum Thema «Der Kanton fördert Gemeindefusionen» ein. Für Wopmann ist Würenlos gross genug, um eigenständig zu bleiben. Er begrüsst aber Kooperationen. Knittel favorisiert eine «Schritt für Schritt»- Regionalisierung. Berger sieht Würenlos ebenfalls die eigenständig. Kunz stellte fest: «Gross ist nicht immer gut.» Das gelte auch für die Spitex, die er präsidiert. «Wir sind gross und selbstbewusst», sagte Reber. Die Gemeinde sei aber offen für Zusammenarbeiten, auch mit den Nachbargemeinden im Kanton Zürich. Funk ist für Kooperationen aber gegen Fusionen. Gabi will die gute regionale Position der Gemeinde stärken. «Wir sind klein genug, damit wir die Übersicht behalten», stellte Möckel fest.

«Bis vor einigen Jahren hatten Würenlos gesunde Finanzen, heute sind wir die höchst verschuldete Gemeinde der Region, das muss analysiert werden», forderte Knittel, auf Fahrländers Frage, welche Sparvorschläge er habe. Ähnlich äusserte sich Kunz, zudem sagte er: «Das Schulhaus hätte günstiger gebaut werden können.» Reber betonte, dass die Gemeinde in den nächsten Jahren rigoros sparen müsse, was verzichten heisse: «Wir sollten Fussballfelder bauen und wissen nicht wie finanzieren.»

Rund 1,5 Millionen kostet ein Fussballfeld, wovon im Tägerhard zwei geplant sind. Reber kann sich eine regionale Lösung vorstellen: «Hüttikon, Otelfingen und Wettingen sind auch interessiert.» Für Kunz geniesst der Sportplatz eine hohe Priorität. «Ein wichtiger Moment ist die ausserordentliche Gemeindeversammlung, wenn über die Einzonung im Tägerhard entschieden wird», sagte Gabi. Möckel schlägt zur Lösung des Finanzproblems vor: «Wir müssen uns daran gewöhnen, Anträge an der Gemeindeversammlung mit dem Steuerfuss zu verknüpfen.» Wopmann will den Steuerfuss prüfen, bevor über den Bau entschieden wird. «Die Gemeinde muss diese Infrastruktur bereitstellen», sagte Berger, denn Schule und Vereine bräuchten dringend Sportplätze.

Um die drohende Schulraumknappheit zu umgehen, kann sich Wopmann vorstellen, dass die Sekundarschüler, wie die Bezirksschüler, nach Wettingen geschickt werden. Berger ist der Ansicht, dass momentan genügend Schulraum zur Verfügung stehe, sie erwartet die Probleme eher wegen der steigenden Lehrerlohnanteile. Funk sieht die Lösung der Schulraumfrage im Aufstellen von Pavillons.

Wie sich der Schulraumbedarf entwickelt, zeigte Möckel auf: «Wir haben soeben die 9. Kindergartenabteilung eröffnet.» Über 10 Prozent der Würenloserinnen und Würenlos sind schulpflichtig. Die Sache ist nicht einfach», stellte Funk fest. «Das Geld reicht nur für das Notwendige, was das ist, muss definiert werden.» Ein Wackelkandidat ist das Schwimmbad Wiemel. Es kostet die Gemeinde rund 300 000 Franken pro Jahr. Die Kosten einer Sanierung werden in die Millionen gehen. Falls es geschlossen wird, könnten sich die meisten Podiumsteilnehmer in den dortigen Räumen Tagesstrukturen für die Schule vorstellen.

«Wenn es so mit den Ausgaben so weiter geht, wird der Steuerfuss auf über 110 Prozent steigen», sagte Funk. Konkrete Aussagen über den künftigen Steuerfuss wollten die Podiumsteilnehmer nicht machen, aber ihre Zahlen bewegten sich alle über den aktuellen 104 Prozent.

Als Anwohner der Landstrasse halte er nichts von einem Dosiersystem, sagte Kunz auf die Frage nach der Verkehrssituation. Sie ist geprägt durch die langen Staus bei geschlossener Barriere. Für Wopmann sind diese eine Zumutung für den Verkehr aus den Quartieren. Funk gab zu bedenken, dass ein grosser Teil hausgemachter Verkehr sei. Gabi stellte fest, dass sich der Kanton schwer tue mit der Verkehrsführung in Würenlos, doch: «Viele Planer sagen, behält die Barriere, sie hält den Durchgangsverkehr ab.» Knittel regte an, am Dorfrand Lichtsignalanalgen aufzustellen: «Kurz bevor die Barriere geschlossen wird sollen diese auf Rot gestellt werden, so bleibt der Stau ausserhalb des Dorfes.»

Einigkeit herrschte, dass Würenlos für die weitere Entwicklung der Gemeinde ein Leitbild brauche. Ein solches bildet die Basis für die anstehende Zonenplanrevision. Das Leitbild müsse, so Möckel, von der Bevölkerung mitgetragen werden. Wopmann fügte an: «Ein Leitbild ist gut, aber es darf nicht 2 Jahre dauern, bis es vorliegt.» Gabi fügte an: «Würenlos hatte einmal ein Leitbild, aber es ist um 2006 eingeschlafen.

Nach einer rege benutzten Fragerunde für das Publikum schloss Fahrländer den Abend mit den Worten: «Würenlos steht vor entscheidenden vier Jahren.»

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