Baden
Nach der Krise: Nordportal ist pünktlich zum Geburtstag auf Kurs

Das Konzert- und Eventlokal Nordportal in Baden ist wieder auf Kurs. Doch es bleiben eine Reihe von Problemen.

Stefan Künzli
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Der Badener Lokalmatador Adrian Stern in einem Heimspiel im Badener Nordportal. Ho/Benno Hunziker

Der Badener Lokalmatador Adrian Stern in einem Heimspiel im Badener Nordportal. Ho/Benno Hunziker

ZVG

2013 war für das Nordportal Baden ein schwieriges Jahr. Sinkende Publikumszahlen und ein Verlust von 100'000 Franken sorgten für Sorgenfalten. Doch es kam noch schlimmer: Das Aargauer Kuratorium kürzte dem Konzert- und Eventort «aus qualitativen Gründen» den Betrag von 100'000 auf 60'000 Franken. «Zu wenig innovative Bands», lautete das Verdikt. Und das vor dem Jubiläumsjahr zum zehnjährigen Bestehen.

Doch mit einer Reihe von Massnahmen konnte der Negativtrend schon im letzten Jahr gestoppt werden. Die Zuschauerzahlen in den Hallenkonzerten (10'500, +6,2%), bei den Partys (21'600, +6,3) und im Fjord (2000, +26%) sind schon im letzten Jahr markant gestiegen und sind gemäss Muriel Peterhans, die seit einem Jahr die administrative Leiterin ist, im Jubiläumsjahr noch einmal besser. «Wir sind sehr gut unterwegs und werden in diesem Jahr sicher mit einer schwarzen Zahl abschliessen», sagt sie. Das Schiff ist wieder auf Kurs. Das Nordportal präsentiert sich zum 10. Geburtstag in guter Form.

Geht doch! Weniger Geld, besseres Ergebnis. Die neue Leitung verdient für diese Leistung Lob. Also, alles in Butter? Von wegen! Zehn Jahre nach dem Start kämpft das Nordportal mit folgenden Problemen:

Konkurrenz auf dem Platz Baden: Neben dem Nordportal mit seinen zwei Bühnen verfügt die Kulturstadt Baden mit dem Programm in der Stanzerei, dem neuen Jugendkulturhaus Werkk, dem Royal, dem Musikrestaurant Prima Vista sowie den Konzertveranstaltern von Inox Live und dem Verein Herbert über ein grosses Konzertangebot. Die Konsumenten freuts, doch die Clubs nehmen sich gegenseitig das Publikum weg. Die Auslastung hat Verbesserungspotenzial.

Die Nähe zu Zürich: Das Konzert- und Clubangebot hat in der ganzen Schweiz zugenommen. Vor allem in Zürich ist die Ballung gross, und die Grossstadt lockt mit einer grossen kulturellen Vielfalt. Die geografische Nähe zu Zürich macht allen Aargauer Musikclubs zu schaffen, aber am meisten wohl jenen in Baden. Umso wichtiger ist es, ein möglichst attraktives Angebot aufrechtzuerhalten und noch zu verbessern. Niemand hat ein Interesse daran, dass Baden zur Schlafstadt wird.

Problem Peripherie: Internationale Konzertagenturen wollen mit ihren Bands in die urbanen Zentren. Vor allem nach Zürich, Basel, Lausanne, Genf und vielleicht nach Bern. Umgekehrt haben die Clubs in der Peripherie zunehmend Mühe, attraktive internationale Bands zu engagieren. Sie müssen sich oft mit der zweiten Garde zufrieden geben oder sich auf Bands konzentrieren, die auf dem Sprung zu einer Karriere sind. Für das KiFF Aarau stellt sich das Problem auch, aber weniger gravierend, weil es sich im Laufe der 25 Jahre weit über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Das Nordportal ist noch nicht so weit. Das Problem ist umso grösser, als das Nordportal auf zugkräftige Acts angewiesen ist, um die 800er-Eventhalle zu füllen.

Konkurrenz KiFF Aarau: Das KiFF hat die Nase vorn. Auch die Kulturfabrik hat bewegte Jahre hinter sich. Mit kuratierten und exklusiven Konzerten hat sie sich aber im Laufe der letzten 25 Jahre einen exzellenten Ruf erarbeitet. Für den Kanton hat deshalb das KiFF als Leuchtturm des Aargaus klare Priorität und wird mit total 800'000 Franken Subventionen pro Jahr (200'000 vom Kanton, 230 000 vom Kuratorium und 370'000 Franken von der Stadt Aarau) unterstützt. Und im nächsten Jahr kommen vom Kanton nochmals 70'000 Franken dazu. Von solchen Beträgen kann das Nordportal (total 253'000 Franken, 193'000 von der Stadt Baden) nur träumen. Kein Wunder, sind in Baden da und dort Neidgefühle aufgekommen.

Das KiFF hat andere Probleme. Die Kulturfabrik ist baufällig und die Konzerthalle für maximal 550 Besucher beschränkt. Sie braucht einen neuen Standort und eine modulare Konzerthalle für ein grösseres Publikum. Das kostet. Das Nordportal dagegen braucht Geld, um die Gagen für attraktivere Bands und Musiker aufbringen zu können. Geld, das im Zuge der aktuellen Sparanstrengungen vom Kanton und den beiden Städten nicht vorhanden ist.

Zusammenarbeit und Absprache

Die beiden Zauberwörter heissen deshalb Zusammenarbeit und Absprache. Im Interesse einer reichen und vielfältigen Konzert- und Clublandschaft im Aargau. Eine Absprache, wie sie zwischen den Badener Clubs schon praktiziert wird. «Wir müssen aufeinander Rücksicht nehmen», sagt Peterhans, «eine ruinöse Konkurrenz- und Verdrängungssituation bringt niemandem etwas». Und auch die Stadt müsse ihren Beitrag leisten. «Sie hat ein Interesse daran, dass die Leute in der Stadt bleiben. Dazu braucht es eine vitale Clubkultur und ein attraktives Konzertangebot», sagt Peterhans weiter.

Konzertstandort Aargau stärken

Und es braucht eine Zusammenarbeit zwischen Aarau und Baden, wie sie pionier- und modellhaft mit dem Aarauer KiFF und dem Badener Nordportal sowie den Veranstaltern von Inox Live, dem Festival One Of A Million für das Konzert von Sophie Hunger am 29. Januar stattfindet. Eine Zusammenarbeit, die künftig noch intensiviert werden soll. Das KiFF hat die Kontakte, das Image, das Know-how und das Nordportal die Infrastruktur, die Grösse und eine exzellente Akustik. Eine Zusammenarbeit zur Stärkung des Konzertstandorts Aargau. Und vielleicht ein erster Schritt auf dem Weg zur Umsetzung der Vision, in Zukunft regelmässig und gemeinsam nationale und internationale Top-Acts im Kanton zu veranstalten. Doch davon später.

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