Baden
Nach der Schliessung des Coop Bistros: Wo sind die «glatten Cheibe»?

Der Coop «Take it» im Badener Bahnhof ist seit dem 12. März geschlossen. Nun sind die Gäste auf der Suche nach neuen Treffpunkten.

Carla Stampfli
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Seit 12.März ist das Coop «Take it» geschlossen: Die Umbauarbeiten für die neue Vitality Apotheke sind im Gang – im Sommer soll sie eröffnet werden. ces

Seit 12.März ist das Coop «Take it» geschlossen: Die Umbauarbeiten für die neue Vitality Apotheke sind im Gang – im Sommer soll sie eröffnet werden. ces

Noch heute halten einige vor dem Coop «Take it» im Badener Bahnhof kurz inne. Sie lesen das Plakat mit der Notiz über die Schliessung am 12. März, dann blicken sie auf die Schaufenster. Die sind aber abgedeckt: Im Innern sind Handwerker daran, die Räume für die neue Vitality Apotheke umzubauen.

Viele können diesen Entscheid nicht nachvollziehen: Das Coop Bistro nahm bei etlichen Gästen eine wichtige soziale Funktion ein. «Als gäbe es in Baden nicht schon genug Apotheken!», sagte der 65-jährige Rudolf Steiger am Tag, bevor das Bistro seine Türen schloss. «Wo sollen wir nachher nur hingehen?»

«Es ist nicht mehr dasselbe»

Einer der «glatten Cheibe», wie sich Bistro-Besucher scherzhaft nennen, sitzt an einem Tisch im Coop-Restaurant. Es befindet sich nur unweit vom «Take it» im Bahnhof. Vor Karl Amsler steht eine Tasse Kaffee. «Wir versuchen, hier wieder einen Platz aufzubauen», sagt der 80-Jährige. Denn: «Seit es das Bistro nicht mehr gibt, fehlt ein Treffpunkt.» Es werde wohl noch einige Zeit dauern, bis es sich rumspreche und die «glatten Cheibe» wieder regelmässig an einem Ort zusammenkommen.

«Ah, dort kommt gleich einer», sagt er und blickt Richtung Kasse. Traugott Haller steuert mit einem Rivella-Fläschchen auf Amsler zu. Die beiden kennen sich aus früheren Zeiten, sie gingen gemeinsam fischen. Später trafen sie sich jeweils morgens im «Take it» auf einen Schwatz. «Nein, nein», sagt Haller. Schlecht sei es im Coop-Restaurant nicht, die Bedienung sei nett und zuvorkommend. «Aber es ist einfach nicht mehr dasselbe.» Was die Gäste am meisten vermissen, ist das Ambiente mit der langen Bar. «Sie war wesentlich!», sagt Amsler. Man sass beieinander, rief sich zu und unterhielt sich zwischendurch auch mit dem Personal. «Das ist das, was die alten Leute suchen», so der Künstler.

Mittlerweile sind drei weitere Bekannte zu ihm und Haller gestossen. Sie lachen und reden über vergangene Zeiten. «Viele haben gar nicht die Möglichkeit, solche Gespräche zu führen», sagt einer der Pensionierten. Ein Treffpunkt wie das Bistro einer war, sei deshalb ideal gewesen. Solche, die sich alleine fühlten, hätten dort einige Stündchen in guter Gesellschaft verbringen können.

Migros-Take-away ungeeignet

Doch warum sind die ehemaligen «Take it»-Gäste ausgerechnet auf das Coop-Restaurant ausgewichen? Die Gruppe erwähnt die Preise, die im Gegensatz zu traditionellen Lokalen und Confiserien tiefer sind. Und: «Viele trinken Alkohol», so Karl Amsler. Aus diesem Grund seien das Restaurant sowie das Take-away der Migros im Bahnhof nicht geeignet. Eigentlich schade, sagt er. Denn Letzteres sei, wie das ehemalige Coop Bistro, in der Unterführung gut gelegen. Für Karl Amsler war es «ein Stück Baden». Trotz der Schliessung ist er positiv gestimmt: «Wir werden einen Weg finden, wie wir es auch anderswo lustig haben können.»

«Geländerlounge» eingerichtet

Inzwischen ist es Abend. Beim Ausgang der Coop-Verkaufsstelle schwatzt eine Gruppe Arbeiter: mit einer Bierdose in der Hand und ans Geländer gelehnt. «Wir geniessen den Feierabend», sagt der eine und blickt auf das Bistro gegenüber. Seit es dichtgemacht habe, treffe man sich nach der Arbeit jeweils hier an der frischen Luft. «Das ist jetzt unsere ‹Geländerlounge›», wirft sein Kollege ein und lacht. Die sechs Männer witzeln, vermissen aber das «Take it». Es sei «supergünstig» gewesen und habe einen speziellen «Groove» ausgestrahlt. Zudem habe man immer in etwa dieselben Leute angetroffen, ist sich die Gruppe einig. «Jetzt müssen wir uns halt den neuen Gegebenheiten fügen», sagt der Erste.