Wettingen
Nach Dieths Einzug in den Regierungsrat: Nun kommts doch noch zum Wahlkampf

Martin Egloff (FDP) und Michael Merkli (BDP) greifen den freiwerdenden CVP-Gemeinderatssitz an, Roland Michel versucht diesen zu verteidigen.

Sabina Galbiati
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V.l.n.r.: FDP-Einwohnerrat und Vize-Ortsparteipräsident Martin Egloff, BDP-Einwohnerrat und Bezirksparteipräsident Michael Merkli und CVP-Einwohnerrat und Ortsparteipräsident Roland Michel.

V.l.n.r.: FDP-Einwohnerrat und Vize-Ortsparteipräsident Martin Egloff, BDP-Einwohnerrat und Bezirksparteipräsident Michael Merkli und CVP-Einwohnerrat und Ortsparteipräsident Roland Michel.

Zur Verfügung gestellt

Heute um 12 Uhr läuft die Anmeldefrist für die Gemeinderats- und Ammannwahl in Wettingen ab. Die Bevölkerung wählt am 18. Dezember sowohl einen neuen Gemeindeammann als auch ein neues Gemeinderatsmitglied als Ersatz für Markus Dieth (CVP). Letzterer wird ab 2017 als Aargauer Regierungsrat amten. Bis gestern sah es so aus, dass die CVP mit Roland Kuster als Ammann-Kandidat und Roland Michel als Gemeinderats-Kandidat konkurrenzlos durch die Wahlen marschieren kann.

Sie wurden an der ausserordentlichen Generalversammlung der Partei am Mittwochabend offiziell nominiert. Auch die FDP hielt an diesem Abend ihre Nominationsversammlung ab. Sie war nebst der BDP die einzige Partei, die – zumindest in Bezug auf die Gemeinderats-Ersatzwahl – Anlass zur Hoffnung auf einen Wahlkampf gab. Denn die übrigen Wettinger Parteien hatten bereits bekannt gegeben, dass sie keine Kandidaten in die aktuellen Wahlen schicken.

Einen Tag vor Ablauf der Anmeldefrist präsentierte die FDP gestern ihren Kandidaten: Sie schickt Einwohnerrat und Vize-Ortsparteipräsident Martin Egloff ins Rennen um den freiwerdenden CVP-Gemeinderatssitz. Bei der FDP zeigt sich Ortsparteipräsidentin Yvonne Vogel hoch erfreut: «Es war ein sehr klarer Entscheid für Martin Egloff und die Parteibasis steht 100 Prozent hinter ihm.»

Mit Egloff habe die Partei einen Gemeinderatskandidaten, der in Wettingen bekannt ist und durch seine Tätigkeit als Einwohnerrat, ehemaliger Fraktionspräsident und als Mitglied in verschiedenen Begleitkommissionen das politische Know-how hat für das Amt. «Er ist hoch motiviert und was ebenfalls wichtig ist: Er hat die Kapazität für das Amt», sagt Vogel. Als Architekt in leitender Funktion habe er auch die nötige Führungserfahrung, die ein Gemeinderat braucht. Der nominierte Martin Egloff war gestern für ein erstes Gespräch nicht erreichbar. Wie Yvonne Vogel mitteilte, weile er derzeit in den Ferien im Ausland.

Auch die BDP tritt an. Bezirksparteipräsident und Einwohnerrat Michael Merkli bestätigte gestern dem «Badener Tagblatt» seine Kandidatur. «Es ist kein Geheimnis, dass ich Gemeinderat werden will, aber ursprünglich habe ich auf die Gesamterneuerungswahlen 2017 gesetzt», sagt Merkli.

Er habe aber nun die Unterstützung, die er für einen Wahlkampf brauche und habe deshalb kurzfristig entschieden, das er antritt. «Ich möchte die Verantwortung übernehmen und dies am liebsten als Vorsteher des Sozialressorts», wie er sagt.

Wähleranteil sprach für SVP

Dass ausgerechnet die FDP und die BDP der CVP den Gemeinderatssitz streitig machen, überrascht. Denn vermutlich haben viele Wähler erwartet, dass die SVP nach der Niederlage im September gegen Kirsten Ernst (SP) bei der Ersatzwahl von Yvonne Feri (SP) nochmals einen Versuch startet, um sich einen zweiten Sitz in der Exekutive zu sichern.

Immerhin ist sie neben der CVP die wählerstärkste Partei in Wettingen und hält mit 12 Einwohnerräten gleichviele Sitze im Parlament wie die CVP.

Umgekehrt hält die FDP im Einwohnerrat lediglich 7 Sitze (einen weniger als die SP mit 8 Sitzen) und ist mit Vizeammann Antoinette Eckert bereits mit einem Sitz in der Exekutive vertreten. Die BDP hält lediglich zwei Sitze. Einen davon, weil Einwohnerrat Martin Spörri im Frühling von der SP zur BDP wechselte.

Mehr Person statt Partei

Bei einer Wahl von Egloff hätten ausgerechnet die wählerstarken Parteien CVP und SVP nur noch je einen Sitz, die wählerschwächeren Parteien SP und FDP je zwei Sitze in der Exekutive. «Wir sind uns dessen natürlich bewusst», sagt Yvonne Vogel.

Es gehe bei der Wahl aber um eine Personenwahl, bei der die Parteizugehörigkeit zwar wichtig aber nicht allein massgebend sei. «Für das Wohl der Gemeinde ist es zentral, dass jemand das Amt übernimmt, der motiviert und kompetent ist sowie die Zeit hat.» Nicht zuletzt betont Vogel: «Ich bin froh, können wir der Wettinger Bevölkerung nun eine richtige Auswahl bieten für den Gemeinderatssitz.»

Derselben Ansicht sind BDP-Kandidat Michael Merkli und CVP-Kandidat Roland Michel. Letzterer sagt: «Ich bin auch Wettinger Bürger und der Meinung, die Wettinger sollen eine Auswahl haben.» Er freut sich über Egloffs und Merklis Kandidatur. «Die Bestätigung, dass man vom Volk wirklich gewollt und nicht nur gewählt ist, ist mit einem echten Wahlkampf um vieles grösser, als wenn nur ein Kandidat zur Wahl antritt.» Was die Sitzverteilung betrifft, so sei für die Partei klar, dass man den zweiten Sitz verteidigen wolle.

«Jedoch erheben wir keinen zwingenden Anspruch auf einen zweiten Gemeinderatssitz nur aufgrund unserer Wählerstärke.» Wie die FDP und BDP sieht Michel die Wahl in erster Linie als Personenwahl und weniger als Parteiwahl. «Man muss das Amt wirklich wollen und in Wettingen brauchen die Kandidaten einen starken Leistungsausweis, denn die Parteizugehörigkeit rutscht oft eher in den Hintergrund.»

Allianzen gefragt

Spannend dürfte die Diskussion um mögliche Allianzen werden. Insbesondere, ob und wen die SVP unterstützen wird. Die FDP werde sicher mit allen Parteien sprechen und um Unterstützung werben. Ähnliches tönten gestern CVP und BDP an. Die SVP liess bereits Anfang Woche verlauten, man wolle die Anmeldefrist abwarten und dann entscheiden, ob und wen die Partei im Wahlkampf unterstützt.

Was die Kandidatur für das Ammannamt angeht, so stand Roland Kuster bis gestern nach wie vor allein auf weiter Flur. Die Gemeinderäte Markus Maibach (SP) und Philippe Rey (parteilos) sowie Marco Kaufmann, Präsident der Partei Forum5430, kandidieren aus beruflichen Gründen nicht. Dies, obwohl die drei von mehreren Seiten angefragt wurden und auf die Unterstützung verschiedener Parteien hätten zählen können.