Baden
Nach einem Jahr die Bilanz: Der neue Schulhausplatz erhält gute Noten

Die Kreuzung in Baden wurde vor einem Jahr wiedereröffnet. Fliesst der Verkehr besser als vorher? Politiker und Verkehrsfachleute ziehen Bilanz.

Pirmin Kramer
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Der Schulhausplatz in Baden ist die meistbefahrene Kreuzung im Kanton. Sie wurde für 100 Millionen saniert und im August 2018 eröffnet.

Der Schulhausplatz in Baden ist die meistbefahrene Kreuzung im Kanton. Sie wurde für 100 Millionen saniert und im August 2018 eröffnet.

Chris Iseli

Nach drei Jahren Bauzeit wurde die Kreuzung beim Schulhausplatz am 18. August 2018 eingeweiht – also fast auf den Tag vor einem Jahr. Die Neugestaltung kostete 100 Millionen Franken. Hat sich die Investition gelohnt? Die AZ hat nachgefragt – das Projekt erhält nur eine ungenügende Note.

Roland Wunderli, CEO Badener Taxi: Note 4,5

Roland Wunderli, CEO Badener Taxi

Roland Wunderli, CEO Badener Taxi

Barbara Scherer

Die Sanierung des Schulhausplatzes hat aus unserer Sicht leider kaum Verbesserungen während der Stosszeiten gebracht. Stau gibt es nach wie vor ziemlich oft. Um 17 Uhr beispielsweise ist es wie vor der Sanierung: Sowohl auf der Mellingerstrasse, der Bruggerstrasse als auch vor der Hochbrücke in Wettingen und auf der Zürcherstrasse in Richtung Badener Zentrum kommt man nur zögerlich voran. Wir kämpfen dafür, dass Taxis beispielsweise auf der Wettingerstrasse vor der Hochbrücke die Bussspur benutzen zu dürfen, um schneller voranzukommen.

Jürg Caflisch, Präsident VCS Aargau, SP: Note 2,5

Jürg Caflisch, Präsident VCS Aargau, SP

Jürg Caflisch, Präsident VCS Aargau, SP

Alex Spichale

Dass die Fussgänger in die Unterführung geschickt werden, die Autos hingegen oben fahren dürfen, ist eine beispiellose verkehrsplanerische Fehlleistung. Für 100 Millionen Franken hätte eine viel bessere Lösung erarbeitet werden müssen. Ausserdem erhielt ich im Laufe des Jahres den Eindruck, dass die Sanierung der Kreuzung nicht genügend mit dem Verkehrsprojekt Oase abgestimmt wurde. Dieses sieht vor, das Zentrum Badens in den kommenden Jahren vom Verkehr zu entlasten, mittels der Sperrung der Hochbrücke für den Autoverkehr und dem Bau eines Tunnels durch den Martinsberg. Warum so viel Geld in die Kreuzung im Zentrum investieren, wenn dieses künftig vom Verkehr entlastet werden soll? Das macht in meinen Augen keinen Sinn.

Michael Wicki, City Com Baden: Note 5

Michael Wicki, City Com Baden

Michael Wicki, City Com Baden

Alex Spichale

In erster Linie sind wir froh, dass die Baustellenzeit zu Ende ist. Einige Unternehmen in der Nähe der Kreuzung litten jahrelang stark, weil die Fussgänger-Frequenzen abgenommen hatten. Ein Jahr nach der Eröffnung fällt unser Fazit positiv aus. Die Anbindung an die Weite Gasse ist gelungen, man erreicht die Stadt zu Fuss gut, und mit dem Bus gelangt man schneller ins Zentrum. Eine noch bessere Note hätten wir erteilt, wenn aus der Cordulapassage ein echter Verkaufsplatz geworden wäre. Und die Erreichbarkeit der Stadt mit dem Auto hat sich zu früher nicht verändert.

Karin Fleischer, Baden Mobil: Note 5

Karin Fleischer, Baden Mobil

Karin Fleischer, Baden Mobil

Unsere Organisation setzt sich für eine nachhaltige Mobilität in der Region ein. Aus unserer Sicht hat die Sanierung der Kreuzung klare Vorteile gebracht. Wer mit dem Velo, zu Fuss oder mit dem Bus unterwegs ist, gelangt schneller über die Kreuzung als früher. Abzug bei der Note gibt es erstens, weil das Nebeneinander zwischen Fussgängern und Velofahrern nicht klar geregelt ist. Und zweitens, weil die Cordulapassage kein Platz zum Verweilen geworden ist, sondern bloss ein Durchgang.

Hubert Kirrmann, Präsident Pro Velo Region Baden: Note 4

Hubert Kirrmann, Präsident Pro Velo Region Baden

Hubert Kirrmann, Präsident Pro Velo Region Baden

Sandra Ardizzone

Dass wir Velofahrer die Kreuzung unterirdisch queren können, stellt eine klare Verbesserung dar. Die Sicherheit ist höher als früher, als wir noch zwischen Lastwagen und Bussen fahren mussten. Erfreulicherweise funktioniert das Nebeneinander von Fussgängern und Velofahrern in der Passage sehr gut und viel besser als erwartet. Man nimmt Rücksicht aufeinander. Abzug gibt es, weil die Passage schlecht signalisiert ist; Velofahrer werden mittels der sogenannten Badener Steine fast schon von der Fahrt durch die Passage abgehalten. Nicht gut gelöst wurde aus Sicht der Velofahrer der Abschnitt zwischen BT-Hochhaus und Schulhausplatz: Die Fahrt durch den Schlossbergtunnel ist nach wie vor unangenehm, das Abbiegen nach Wettingen bleibt gefährlich.

Stefanie Heimgartner, Transportunternehmerin, SVP: Note 4–5

Stefanie Heimgartner, Transportunternehmerin, SVP

Stefanie Heimgartner, Transportunternehmerin, SVP

© Severin Bigler

Für den motorisierten Individualverkehr hat sich wenig verändert. Erfreulich ist die qualitativ deutlich bessere Fahrbahn, die früher viele Rillen und Unebenheiten aufwies. Nach wie vor ein Problem: Die engen Platzverhältnisse beim Schlossbergtunnel, insbesondere für Lastwagen. Die Cordulapassage ist freundlicher, offener, heller als die einstige Unterführung, die einer Katakombe glich.

Alfred Arndt, Leiter Betrieb RVBW Baden: Note 6

Alfred Arndt, Leiter Betrieb RVBW Baden

Alfred Arndt, Leiter Betrieb RVBW Baden

Sandra Ardizzone

Die Busführung stadtauswärts über den Schulhausplatz funktioniert in den meisten Fällen einwandfrei. Wir können den Bustunnel erst seit dem 23. Mai nutzen. Daher ist ein abschliessendes Fazit noch nicht möglich. Bisher hat die Lichtsignalanlage für die unterirdische Tunnelbefahrung gut funktioniert. Es gab nur wenige Störungen. Beim Umbau des Schulhausplatzes haben alle am selben Strick gezogen, das Projekt verdient die Note 6.

Thierry Burkart, Vizepräsident TCS Schweiz, FDP: Note 5

Thierry Burkart, Vizepräsident TCS Schweiz, FDP

Thierry Burkart, Vizepräsident TCS Schweiz, FDP

Chris Iseli

Der Verkehrsfluss hat sich eindeutig verbessert, für alle Verkehrsteilnehmer, auch für Autos. Die Kapazität der Kreuzung hat sich durch die Sanierung erhöht. Nicht zu hundert Prozent glücklich war ich mit dem Vorschlag, dass sich Fussgänger und Velofahrer den Platz in der Cordulapassage teilen. Aber offenbar funktioniert das Konzept besser, als ich gedacht habe.

Umfrage: Wie gefällt Ihnen die Cordulapassage unter dem Schulhausplatz?

Sandro Casablanca, Baden: «Mir gefällt die Passage gut. Hier kann ich gleichzeitig Zigaretten kaufen, etwas zu Mittag essen und im Café einen Kaffee trinken – das ist sehr praktisch. Für meinen Geschmack dürfte der Platz noch belebter sein. Manchmal wirkt er fast ein bisschen verlassen.»
5 Bilder
Ursi Jost, Betreiberin «Banale», Baden: «Es wurde von Anfang an zu viel erwartet von diesem Platz. Er ist und bleibt ein Durchgangsort. Man könnte die Passage noch attraktiver gestalten, wenn ich etwa an die Beleuchtung denke. Mit dem Kunstwerk kann ich mich bis heute nicht anfreunden.»
Barbara Villiger, Baden: «Ich finde, der Platz ist gut gelungen. Vor allem habe ich erfreut festgestellt, das Fussgänger und Velofahrer hier gut aneinander vorbeikommen. Auch das Café wertet den Platz auf. Nur das Kunstwerk gefällt mir nicht. Alles in allem aber ein schönes Eingangstor zur Stadt.»
Samko Algailani, Betreiber «Le Passage», Baden: «Wir sind sehr zufrieden hier in der Cordulapassage. Wir haben täglich neue Kunden; die Tendenz zeigt nach oben. Klar, es braucht noch etwas Zeit, bis auf dem Platz mehr Leben einkehrt. Deshalb führen wir regelmässig Feste durch, um den Platz zu beleben.»
Abdel Chariak Betreiber «Cordula Café», Baden: «Die Stadt gibt sich hier wirklich Mühe; es ist immer sauber hier. Doch für meinen Geschmack hat es noch zu wenig Menschen hier. Es ist weniger ein Platz zum Verweilen als vielmehr ein Durchgangsplatz. Zudem wünschte ich mir einen breiteren Geschäfte-Mix.»

Sandro Casablanca, Baden: «Mir gefällt die Passage gut. Hier kann ich gleichzeitig Zigaretten kaufen, etwas zu Mittag essen und im Café einen Kaffee trinken – das ist sehr praktisch. Für meinen Geschmack dürfte der Platz noch belebter sein. Manchmal wirkt er fast ein bisschen verlassen.»

Martin Rupf