Das Jahr 2018 und damit die neue Legislatur begannen im beschaulichen Freienwil mit einem Paukenschlag. Mitte Januar gaben die Gemeinderäte Daniel Aeschbach und Rébecca Schneider ihren sofortigen Rücktritt bekannt.

Sie begründeten den Schritt unter anderem damit, «dass das Vertrauen in unseren Gemeindeammann nicht mehr da ist und dass unter diesen Umständen keine konstruktive Zusammenarbeit mehr möglich ist», wie Aeschbach damals sagte.

Das Fass zum Überlaufen brachten die Geschehnisse rund um die «Krippe im Dörfli» – Gemeindeammann Robert Müller und seine Frau sind Eigentümer der betroffenen Liegenschaft im Zentrum des Dorfes.

Am 8. April findet nun die Ersatzwahl für die beiden Sitze statt. Am Freitagmittag ist die Anmeldefrist abgelaufen. Vier parteilose Kandidatinnen und Kandidaten möchten die Sitze von Aeschbach und Schneider erben. Es sind dies: Sylvia Hofer (1953), Lucius Mathys (1992), Johanna Radecke (1982) und Urs Rey (1960).

Gemeindeammann Robert Müller – er sah beim Doppelrücktritt keinen Anlass zu Selbstkritik («ich bin wohl wieder mal Opfer meiner Gutgläubigkeit geworden») – äussert sich zufrieden zur Tatsache, dass sich gleich vier Bewerber für die beiden Sitze im Gemeinderat bewerben. «Das zeigt, dass das Vertrauen in den Gemeinderat durchaus gegeben ist und dass es Bewohner gibt, die sich für die Gemeinde einsetzen wollen.»

«Fremden» Gemeinderat platziert

Seit dem Doppelrücktritt Mitte Januar besteht die Freienwiler Exekutive nur noch aus Robert Müller und den beiden Gemeinderäten Beat Bachmann und Othmar Suter, der erst Ende letztes Jahr in den Gemeinderat gewählt wurde.

Diese Situation führte dazu, dass der Gemeinderat bei einigen Geschäften nicht mehr beschlussfähig war, wie die Gemeinde selber Mitte Februar kommunizierte. Grund: Damit Beschlüsse gefällt werde können, müssen mindestens drei Gemeinderäte anwesend sein. Muss aber ein Gemeinderat bei einem Geschäft in Ausstand treten, kann kein Entscheid mehr gefällt werden.

Diese Woche fand deshalb zwischen Kanton und Gemeinde ein Gespräch statt. «Dieses Gespräch verlief sehr gut. Der Kanton attestiert uns auch, dass insbesondere auf der Verwaltung ein gutes Klima herrscht», so Müller.

Auf die Frage, welche Projekte denn seit dem Doppelrücktritt stillgestanden hätten, antwortet Müller: «Beim Projekt ‹Mitte› – der Gestaltung der Dorfmitte Freienwils – und beim «Weissen Wind» hätte ich jeweils in Ausstand treten müssen, weshalb wir in diesen Angelegenheiten nicht beschlussfähig gewesen wären.»

Bis die Exekutive wieder komplett ist, stellt der Kanton der Gemeinde quasi einen «ausserordentlichen» Gemeinderat zur Seite, damit dieser wieder beschlussfähig ist. Erreichen am 8. April zwei Kandidaten das Absolute mehr, ist der externe Gemeinderat nicht mehr nötig – es regiert dann wieder eine reine Freienwiler Exekutive.