Spreitenbach
Nach Handgranatenfund bei Zweifel Chips: alles ein Etiketten-Schwindel?

Ausgerechnet in einer Kartoffellieferung aus Frankreich versteckte sich die vor zwei Wochen entdeckte Handgranate bei Zweifel Chips in Spreitenbach. Dabei wirbt die Firma mit Schweizer Qualität – der Produktionschef erklärt, wie das alles aufgeht.

Martin Rupf
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Vor zwei Wochen tauchte bei Zweifel Chips in Spreitenbach plötzlich eine Handgranate auf. (Fotomontage)

Vor zwei Wochen tauchte bei Zweifel Chips in Spreitenbach plötzlich eine Handgranate auf. (Fotomontage)

Thinkstock/Handout/Keystone - Montage: NCH

Der Artikel vom Donnerstag über die bei Zweifel Chips in einer Kartoffellieferung gefundene Handgranate schlug ein wie eine Bombe. So titelte «Blick.ch» bereits am Morgen «explosiver Fund bei Zweifel Chips», verkannte dabei aber die Tatsache, dass die Handgranate gar nicht mehr scharf war.

So war es denn auch weniger die Handgranate, die zu reden gab, als vielmehr der Umstand, dass die Firma Zweifel auf ihrer Website mit «unsere beliebten Chips bestehen zu 100 Prozent aus natürlicher Schweizer Qualität» wirbt und auf den Packungen sogar angibt, von welchem Schweizer Bauernhof die Kartoffeln für die Chips stammten. Doch offensichtlich werden Kartoffeln aus dem Ausland importiert – die Handgranate aus dem Ersten Weltkrieg versteckte sich in einer Lieferung aus Frankreich.

Auf Nachfrage präzisiert Zweifel-Chef Mathias Adank: «Die Lieferung kam aus der Normandie, dort tobten im Ersten Weltkrieg viele Schlachten.» In schlechten Erntejahren sei man gezwungen einen Teil der Kartoffeln aus dem Ausland zu importieren. «Hitze und Trockenheit im Sommer haben zu Ernteausfällen geführt. Wir mussten deshalb rund 3000 bis 4000 Tonnen aus dem Ausland beziehen», sagt Produktionschef Pietro Realini gegenüber «Blick.ch».

Zweifel wirbt damit, dass «unsere Chips zu 100 Prozent aus natürlicher Schweizer Qualität bestehen». Wegen Ernteausfällen diesen Sommer musste das Unternehmen allerdings 3000 bis 4000 Tonnen Kartoffeln importieren.

Zweifel wirbt damit, dass «unsere Chips zu 100 Prozent aus natürlicher Schweizer Qualität bestehen». Wegen Ernteausfällen diesen Sommer musste das Unternehmen allerdings 3000 bis 4000 Tonnen Kartoffeln importieren.

Keystone

Von Etiketten-Schwindel will er aber nichts wissen: «Auf unserer Homepage klären wir unsere Kunden über den Import von ausländischen Kartoffeln auf.» So wisse der Chips-Hersteller genau, in welcher Tüte sich ausländische Kartoffeln befinden. «In diesem Fall verzichten wir auf eine Erwähnung des Bauern auf der Packung», so Realini. Pro Jahr verarbeitet Zweifel rund 22 000 Tonnen Kartoffeln zu Chips. «Der Anteil der ausländischen Kartoffeln ist also relativ klein», sagt Realini.

Armee durchsuchte Kartoffeln

800 Tonnen schwer war die jüngste Lieferung aus Frankreich. 750 Tonnen davon hatte Zweifel bereits zu Chips verarbeitet – dann fand der Mitarbeiter den Blindgänger. Was passiert nun mit dem Rest? Gemäss Realini wurden die 50 Tonnen vom Kommando Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung der Armee fein säuberlich auf weitere Granaten durchsucht. Gefunden wurde aber nichts.

«Wir prüfen nun, ob wir die Kartoffeln wieder an unseren Lieferanten nach Frankreich zurückschicken sollen.» Dass die Kartoffeln doch noch zu Chips verarbeiten werden, komme nicht in Frage. Zweifel-Chef Mathias Adank erklärt gegenüber dem «Badener Tagblatt»: «Natürlich nicht wegen der Handgranate selber, sondern weil die Lagerung der Kartoffeln sehr diffizil ist und die Kartoffeln beim Durchsuchen durch die Armee zu kalt wurden.»