Seit über drei Jahren verbindet das Nachbarschaftsnetz Wettingen Hilfesuchende mit Personen, die helfen wollen. Das Angebot basiert auf Freiwilligenarbeit innerhalb eines Quartiers, wobei die Koordinatoren der jeweiligen Quartierstellen die Kontakte vermitteln. Nun lanciert die Fachstelle für Alterfragen und Freiwilligenarbeit ein ergänzendes Pilotprojekt: Mit einer Dienstleistungsbörse soll die Zusammenarbeit zwischen den Generationen gefördert werden. «Die Idee ist aus dem Nachbarschaftsnetz heraus entstanden, weil überdurchschnittlich viele Anfragen von älteren Leuten kommen», sagt Lilo Jud, Leiterin der Fachstelle. «Die Dienstleistungsbörse soll deshalb das Miteinander innerhalb verschiedener Generationen im Quartier fördern», sagt Jud. Das Pilotprojekt wird getragen von der Fachstelle, der Jugendarbeit Wettingen, dem Quartierverein Langenstein-Altenburg und der Standortförderung.

Die Börse findet erstmals am 22. Oktober in der Villa Fluck im Quartier Langenstein-Altenburg statt. Quartierbewohner können Dienstleistungen und Arbeiten angeben, welche sie erhalten möchten und gleichzeitig selber Dienste anbieten. Der Austausch ist wie beim Nachbarschaftsnetz unentgeltlich. «Mit diesem Generationenprojekt wollen wir eine Brücke zwischen Jung und Alt bauen», sagt Jud.

Vorerst ein Testlauf

Jud ist sich bewusst: «Erzwingen lässt sich diese Art der Zusammenarbeit nicht.» Solche Generationenprojekte müsse man realistisch betrachten. «Viele Junge sind mit Beruf, Familie und Hobby ausgelastet», sagt die Fachstellenleiterin. Ihnen fehle schlicht die Zeit, um sich auch noch im Quartier zu engagieren. Deshalb ist die Dienstleistungsbörse vorerst ein Testlauf. «Wir erwarten nicht Hunderte Besucher und verlangen von ihnen keine Langzeitengagements.» Die Angebote sollen auch keine professionellen Dienste ersetzen. «Eine junge, arbeitende Mutter kann zum Beispiel jemanden suchen, der das Kuchenbacken für den anstehenden Kindergeburtstag übernimmt und im Gegenzug Hilfe beim Wocheneinkauf anbieten», sagt Jud.

Je nach Interesse am Projekt werden in naher Zukunft auch in anderen Wettinger Quartieren solche Dienstleistungsbörsen durchgeführt. «Umgekehrt könnten wir das Projekt abbrechen, falls wir feststellen, dass zu wenig Interesse bei den Quartierbewohnern vorhanden ist.» Davon geht Jud aber nicht aus. «Ich stelle immer wieder fest, dass viel Interesse da ist – auch seitens der jungen Leute.» Oft sei dies aber zeitlich begrenzt, während eines Jobwechsels, oder zwischen Matura und Studium. «Unsere Herausforderung ist es, diese Hilfsbereitschaft zu koordinieren und im richtigen Moment einzusetzen», erklärt Jud. Diesbezüglich wird die Fachstelle für Altersfragen und Freiwilligenarbeit während der Börse am 22. Oktober vor Ort sein, um den Interessierten das Wettinger Nachbarschaftsnetz näherzu-bringen.

Die Jugendarbeit Wettingen wird eine Natel- und Tablet-Ecke unterhalten und Fragen rund um die Geräte beantworten, wozu die Gäste ihre eigenen Geräte mitbringen sollten. Und zu guter Letzt wird die Jugendarbeit mit Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl der Gäste sorgen.