Katholische Landeskirche Aargau

Nach Konflikten in Gebenstorf-Turgi: Kirchenpflegepräsident soll zurücktreten

Pater Adam (Mitte): Der Bischof fordert ihn zur Kündigung auf.

Pater Adam (Mitte): Der Bischof fordert ihn zur Kündigung auf.

In der Katholischen Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi rumort es nach wie vor. Nun meldet sich Luc Humbel, Präsident der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, via Medienmitteilung zu Wort. Er fordert darin den Rücktritt des Präsidenten der Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi, Daniel Ric.

Dieser öffentliche Aufruf erfolge, weil sich der Kirchenpflegepräsident weigere, der Aufforderung des Bischofs zur vertraglich festgelegten Kündigung des pfarrverantwortlichen Priesters Adam Serafin nachzukommen.

Laut einer Vereinbarung wäre Adam verpflichtet, bei einem Weggang von Diakon Peter Daniels auf denselben Termin zu kündigen. Daniels hat Turgi verlassen, doch Adam weigert sich zu kündigen – und er erhält Rückendeckung vom Kirchenpflegepräsidenten Ric.

«Das kann im Aargau nicht geduldet werden»

Das Amt als Kirchenpflegepräsident stelle ein öffentliches Amt dar, das der Kirchgemeinde und dem öffentlichen Wohl verpflichtet ist, schreibt Luc Humbel. «Der Präsident der Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi hat diesen Verpflichtungen mehrfach zuwidergehandelt und stellt seine und weitere Individualinteressen über das Wohl der Gemeinde.»

Luc Humbel wünscht sich einen Neuanfang für Turgi.

Luc Humbel wünscht sich einen Neuanfang für Turgi.

Die Römisch-Katholische Kirche im Aargau und in der Schweiz sei dual organisiert: Neben der staatskirchlichen Leitungsebene gebe es eine pastorale Zuständigkeit des Bistums. «Dieses System setzt ein Einvernehmen der beiden Ebenen auf Augenhöhe voraus, welches durch Handlungen des Kirchenpflegepräsidenten in Frage gestellt und bewusst gestört wird», so der Vorwurf von Humbel, der moniert: «Ein solches Verhalten verletzt in grundsätzlicher Art die Regeln des Zusammengehens von pastoraler und staatskirchlicher Leitung, was im Aargau nicht geduldet werden kann.»

Das Handeln des Präsidenten der Kirchenpflege habe zu einem Zerwürfnis innerhalb dieses Gremiums und zu Störungen in der Zusammenarbeit mit der Kirchenpflege Birmenstorf geführt, mit welcher zuvor eine konstruktive Zusammenarbeit in der Aufgabenerfüllung habe gelebt werden können.

Humbel pocht darauf, dass die Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi die Bestimmungen im 2017 abgeschlossenen Vertrag einhält und der Aufforderung des Bischofs zur vertraglich festgelegten Kündigung des pfarrverantwortlichen Priesters Adam Serafin nachkommt. «Der Vertrag wurde so unterschrieben und soll vonseiten der Kirchenpflege auch erfüllt werden», bekräftigt Humbel.

Daniel Ric: «Der damalige Vertrag ist nicht rechtens»

Das ist aber mitnichten die Absicht von Pater Adam, im Gegenteil, dieser würde gerne die ordentliche Leitung der Kirchgemeinden übernehmen, sagte er im Juli zur AZ. «So wie es das Kirchenrecht vorsieht und überall in der Weltkirche praktiziert wird», sagt Daniel Ric auf Anfrage, überrascht über die Forderung von Humbel, von der er erst nach dem Versand der Medienmitteilung erfuhr.

Kirchenpflegepräsident Daniel Ric will im Amt bleiben.

Kirchenpflegepräsident Daniel Ric will im Amt bleiben.

Ric will nicht zurücktreten: «Es ist einmalig, dass ein Kirchenratspräsident von einer Kirchenpflege fordert, das Kirchenrecht zu brechen und die Weigerung mit einer Rücktrittsforderung an den Präsidenten honoriert.» Die Kirchenpflege Gebenstorf-Turgi habe inzwischen ein Rechtsgutachten angefordert: «Der damals abgeschlossene Vertrag ist nicht rechtens. Erst, wenn Pater Adam die Missio canonica nach Kirchenrecht korrekt entzogen wird, wird sich die Kirchenpflege an den Vertrag halten und die Kündigung ohne Wenn und Aber aussprechen.» Pater Adam mache aber einen guten Job und sei bei den Kirchenbesuchern beliebt.

Erfolglose Schlichtungsversuche

Humbel sagt: «Das Bistum wollte Pater Adam von Anfang an keinen Auftrag geben, hat aber seine Anstellung dann im Duo mit Gemeindeleiter Peter Daniels akzeptiert – auf Druck der Kirchgemeinden Gebenstorf-Turgi und Birmenstorf.» Humbel wünscht sich nach erfolglosen Schlichtungsversuchen nun einfach auf allen Ebenen einen Neuanfang für die Kirchgemeinde Turgi-Gebenstorf.

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