Wann immer die Spanischbrötlibahn durch die Stadt tuckert, drehen sich alle Köpfe um, Kinder jauchzen, Handys werden gezückt, um ein Foto des historischen Gefährts zu schiessen.

Vor rund 80 Jahren wurde die Bahn für die erste «Grosse Badenfahrt» im Jahr 1937 gebaut. Dies fand anlässlich des Jubiläums der «Schweizerischen Nordbahn» statt, die seit 1847 von Baden nach Zürich führt und in die eine Richtung Spanischbrötli, in die andere Richtung Kurgäste transportierte. An den darauffolgenden Badenfahrten sorgte die Spanischbrötlibahn immer wieder für strahlende Kinderaugen und war für Gross und Klein stets ein Höhepunkt.

Bahn sollte verschrottet werden

Diese Ära hätte aber ein jähes Ende nehmen sollen. Denn die Betreiberin der Bahn, die Stadt Baden, wollte das Gefährt verschrotten lassen. «Zu teuer, zu aufwendig», hiess es vor zwei Jahren seitens der Stadt. Deswegen hätte die alte Dame Ende 2018 aufgegeben werden sollen.

Doch gestern kam die freudige Nachricht: Die Spanischbrötlibahn ist gerettet. Der eigens für den Erhalt der Bahn neu gegründete Verein Spanischbrödlibahn besteht aus dem Stadtturnverein Baden, der seit 17 Jahren für den Betrieb der Bahn zuständig ist, aus dem Badenfahrtkomitee und der City Com Baden, wie es in einer Medienmitteilung der Stadt Baden heisst. Die neuen Eigentümer haben sich Mitte Januar mit nur einem Ziel zusammengetan: Die historische Bahn weiterhin zu betreiben.

Erinnerungen an die Kindheit

«Als verkündet wurde, dass die Bahn verschrottet werde, ging ein Raunen durch die ganze Stadt», sagt der neue Vereinspräsident Michael Wicki. «Schliesslich handelt es sich nicht einfach um irgendeine Lokomotive, sondern es handelt sich um eine Herzensangelegenheit der Badener.»

Für die Einwohner bedeute die Bahn Nostalgie, bei der Fahrt durch die Stadt wecke sie Erinnerungen: «Als ich noch ein kleiner Knopf war, hat mich das immer verwundert, dass die Bahn auf der Strasse statt auf Schienen fuhr», erinnert sich Wicki. «Ich finde die Bahn einfach lässig.»

So geht es auch den anderen Vereinsmitgliedern: «Wir waren uns alle einig, dass es die Bahn weiterhin braucht. Doch kein städtischer Verein wollte sich das Risiko alleine aufbürden», erzählt Wicki weiter. Aus diesem Grund habe man zusammengespannt und die Bahn kostenlos übernommen.

Kostenlos von Stadt übernommen

«Die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert sehr gut», sagt Wicki. «Es ist ja auch in deren Interesse, dass die Bahn weiterhin Freude bereiten kann und die Attraktivität der Stadt steigert.» Das Gefährt bleibt deshalb auch in Zukunft in der Halle des Werkhofs eingestellt. Die Garagierung der zehn Meter langen und etwa dreieinhalb Meter hohen Bahn ist kostenlos.

«Klar gehen wir damit ein gewisses Risiko ein», sagt Wicki. Die Bahn fährt nämlich mithilfe eines umgebauten Traktors, der sich unter der Verkleidung befindet. Es handle sich dabei um ein älteres Modell, für das wohl kaum Ersatzteile aufzutreiben seien. «Es kann gut sein, dass wir bald eine Neubeschaffung brauchen.» Dann müsste der Motor der Bahn gänzlich ausgetauscht werden. Am charakteristischen Aussehen der Bahn würde das aber nichts ändern.

Verein sucht Sponsoren

«Dafür brauchen wir jetzt die Mithilfe der Bevölkerung», sagt Wicki. Denn um die Kosten für den Unterhalt und den Betrieb tragen zu können, sei der Verein auf Spender und Gönner angewiesen. «Wir wollen mit der Bahn kein Geld einnehmen», versichert Wicki. «Unser Anliegen ist einzig, dass die Stadt Baden nicht auf die Attraktion verzichten muss.»

Der Vereinspräsident ist guter Dinge: «Wir haben sogar schon Sponsoring-Anfragen erhalten», freut sich Wicki. Das beweise, dass die Bahn den Badenern eben wirklich am Herzen läge.

Die offizielle Übergabe der Bahn an den Verein findet am Samstag, 6. April, statt. Cortis Schweizer Weine, die Metzgerei Müller, Moser’s Backparadies und die Brauerei Müller werden dabei für das leibliche Wohl sorgen. Auch musikalische Unterhaltung ist organisiert: Die Wynavalley Oldtime Jazzband wird auftreten.

Die grösste Attraktion wird jedoch bestimmt die Spanischbrötlibahn selbst sein. Und das Wissen, dass sie auch in Zukunft Kinderaugen zum Strahlen bringt.