Baden

Nach mehr als 20 Jahren: Die gute Seele verabschiedet sich

Ein strahlender Abschied trotz Wehmut: Irene Jenni geht nach 21 Jahren im Terrassenbad Baden in Rente. Luis Hartl

Ein strahlender Abschied trotz Wehmut: Irene Jenni geht nach 21 Jahren im Terrassenbad Baden in Rente. Luis Hartl

Das Frei- und Hallenbad verliert mit Irene Jenni eine langjährige Mitarbeiterin. Sie arbeitete seit 1995 im Terrassenbad.

Über zwei Jahrzehnte war Irene Jenni die Strahlefrau im Terrassenbad in Baden. Als Mutter ist sie 1995 wieder ins Berufsleben eingestiegen und als Grossmutter verlässt sie die «schönste Badi des Kantons Aargau», wie sie selber das Terrassenbad liebevoll nennt. Heute geht die 65-Jährige in Pension – doch ganz loslassen kann sie nicht.

Vor 21 Jahren begann die zweifache Mutter im Freibad als Aushilfe zu arbeiten. «Meine Kinder waren damals zwölf und 16 Jahre alt. Ich wusste, dass sie nun ein Alter erreicht haben, wo ich sie alleine lassen kann. Trotzdem war es schwierig loszulassen.» Bevor Jenni mit ihrem Mann, von dem sie heute geschieden ist, zwei Kinder kriegte, arbeitete sie als Hochbauzeichnerin und später im Verkauf am Flughafen Kloten. «Ich habe schon immer gerne mit Menschen Kontakt gehabt. Darum kam ich letztlich auch zum Terrassenbad.»

Viele administrative Arbeiten

Nach einer Saison im Freibad wechselte Jenni ins Hallenbad. Bereits ein Jahr nach ihrer Anstellung wurde sie gefragt, ob sie sich den Posten als Chef-Kassiererin vorstellen könne. Für Jenni kam diese Anfrage zu früh. «Eine auswärtige Frau übernahm unser Team, doch sie kam mit der 100-Prozent-Stelle nicht zurecht und erkrankte an einer Depression.» Als sie 2001 nicht mehr zur Arbeit erschien, übernahm Jenni den Posten als Chef-Kassiererin. Viele administrative Aufgaben musste sie fortan erledigen. Trotz der vielen Arbeit liess sie es sich nicht nehmen, mindestens einmal in der Woche hinter der Kasse zu stehen. «Ich habe in meiner Zeit viele Menschen kennen gelernt und interessante Gespräche geführt», sagt sie mit wehmütiger Stimme.

Jenni erlebte auch den Wechsel von Papier auf Computer. «Das war schon schwierig und ich zweifelte, ob ich das elektronische Handwerk überhaupt noch lernen kann», sagt sie. Jenni konnte – auch dank der Unterstützung ihres Teams. Ihre Kolleginnen und Kollegen wird sie neben den Gesprächen mit den Besuchern am meisten vermissen. «Wir haben immer zusammengehalten und hatten nie Streit. Es ist ein tolles Team», sagt sie über ihre Unterstellten und über Betriebsleiter René Saurenmann.

Nun bricht für Jenni ein neues Zeitalter an. Sie will sich mehr Zeit nehmen – für die Enkelkinder, für ihren neuen Partner und für sich selber. «Ich wandere gerne, dafür habe ich jetzt sicher genügend Zeit», sagt sie. Jenni wohnt in Rütihof und ist an freien Wochenenden gerne in der Sonnenstube der Schweiz – dem Tessin. «Da werde ich jetzt wohl noch häufiger anzutreffen sein.»

Ihre Nachfolgerin wählte Jenni zusammen mit Betriebsleiter René Saurenmann aus. Seit Mai führt Jenni sie in das Pflichtenheft ein. Ganz loslassen wird die Terrassenbad-Legende aber auch in der Rente nicht können. «Wenn es mich braucht, werde ich selbstverständlich aushelfen.»

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